Überleben auf der A73: Wenn Kinski und der Gunny die Fahrgemeinschaft bilden
Herzlich willkommen in der mobilen Vorhölle. Eigentlich bin ich ein besonnener Mensch. Ich meditiere (kurz, beim Warten auf die Kaffeemaschine) und besitze Zimmerpflanzen, die noch leben.
Aber dann kam dieser Tag. Der Tag, an dem der ÖPNV streikte und die „Ich-fahre-eigentlich-nur-alle-zwei-Jahre-beim-TÜV-vor“-Fraktion beschloss, ihre rollenden Blechsärge auf die Menschheit loszulassen.
Zwischen dem **Landkreis Fürth** und der **Nürnberger Innenstadt** hat sich ein kosmisches Portal zur fahrerischen Inkompetenz geöffnet.
Mein Blutdruck?
Sagen wir mal so: Hätte man mich an einen **Kärcher** angeschlossen, hätte ich allein durch meinen Arteriendruck die Fassade der Nürnberger Burg sandgestrahlt.
In meinem Kopf fand währenddessen eine feindliche Übernahme statt. Vergessen Sie das Engelchen auf der Schulter. Bei mir saßen dort zwei ganz andere Kaliber.
### Phase 1: Der Full Metal Jacket Modus (R. Lee Ermey)
Sobald der erste Corsa-Fahrer mit 32 km/h auf die Südwesttangente einscherte – ohne zu blinken, versteht sich –, übernahm der **Gunny**.
> „WAS IST DAS FÜR EIN GESTALTLOSE GEWURSTEL DA VORNE?! HABEN IHRE ELTERN SIE NACH DER GEBURT ZU VIEL GEGEN DIE GARAGENWAND GEWORFEN, SIE REGENWURM?!“
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Ich saß aufrecht im Sitz, die Knöchel weiß am Lenkrad, und brüllte das Armaturenbrett an, als müsste es sofort 50 Liegestütze machen. Wer bremst, ist ein „Heini“, wer schleicht, ist „unwürdig, den Asphalt zu küssen, auf dem ich fahre“. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, mir ein Megafon aufs Dach zu schrauben, um den Vordermann zu fragen, ob sein Stammbaum ein Kreis ist.
### Phase 2: Die Kinski-Eskalation (Max Giermann Edition)
Aber der Gunny hat zumindest noch eine militärische Disziplin. Die verflog komplett, als ich in der Fürther Straße im Stau stand, weil jemand versuchte, seinen SUV seitwärts in eine Parklücke zu manövrieren, die groß genug für einen Flugzeugträger gewesen wäre.
Auftritt: **Kinski**. In der Giermann-Variante. Mit den weit aufgerissenen Augen und der Halsschlagader, die kurz vor der Kernschmelze steht.
> „ICH DREHE DURCH! VERSTEHEN SIE DAS?! ICH... ICH... ICH PEITSCHE EUCH AUS! IHR DUMMEN SAUEEEEEN!“
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Ich habe den Scheibenwischerhebel fast abgebrochen, während ich schreiend im Auto saß:
*„NEIN, ER HAT NICHT GEBLINKT! ER HAT MICH NICHT GEFRAGT! ER HAT MICH NICHT GEFRAGT, OB ER DA STEHEN DARF! SO EIN LÄRM UM NICHTS! ICH BIN DER MESSERSTECHER DES VERKEHRSFLUSSES!“*
### Sascha Fahrnünftig, mach den Server bereit!
Meine Dashcam hat an diesem Vormittag mehr Material gesammelt als RTL II in einem ganzen Jahr „Berlin – Tag & Nacht“. Ich hätte den Kanal von **Sascha Fahrnünftig** im Alleingang mit Content für die nächsten drei Dekaden fluten können.
* **Der „Linksabbieger aus Verzweiflung“:** Stand am Plärrer plötzlich quer, weil er merkte, dass er eigentlich nach Erlangen wollte (Spoiler: Er stand in der Spur Richtung Stein).
* **Der „Blinker-Verweigerer“:** Wahrscheinlich eine religiöse Überzeugung. „Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.“
* **Die „Mittelspur-Schnecke“:** Die mit 70 km/h auf der A73 die Existenzberechtigung des Rechtsfahrgebots philosophisch hinterfragt.
### Fazit: Kärcher-Blutdruck und Endzeitstimmung
Als ich endlich den Motor abstellte, war ich körperlich gealtert. Ich habe die Dashcam-Speicherkarte mit einer Grillzange entnommen, weil sie so heißgelaufen war.
Liebe Teilzeit-Autofahrer: Wenn die Bahn streikt, nehmt doch bitte das Fahrrad. Oder bleibt im Bett. Denn wenn Kinski und der Gunny in meinem Kopf erst einmal anfangen, sich über eure Unfähigkeit zu streiten, wer euch zuerst verbal vernichten darf, ist der Weg zum Herzinfarkt kürzer als die Schlange am Frankenschnellweg.
**Ich gehe jetzt meine Halsschlagader kühlen. Mit Eiswürfeln. Und Baldrian. Viel Baldrian.**
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