Folge 14: Apollo 10 – Die Generalprobe im Tiefflug


​Im Mai 1969, nur zwei Monate vor dem geplanten Mondspaziergang von Neil Armstrong, startete Apollo 10. Es war die ultimative Bestätigung, dass Mensch und Maschine bereit für den großen Moment waren.
​1. Die Crew: Die „Snoopy“-Bande
​Drei erfahrene Veteranen, die bereits im Gemini-Programm geglänzt hatten, bildeten das Team:
​Thomas Stafford (Kommandant): Ein technisches Genie, der später beim Apollo-Sojus-Projekt Geschichte schreiben sollte.
​John Young: Der Pilot des Befehlsmoduls und einer der vielseitigsten Astronauten der Geschichte (er flog später sogar das erste Space Shuttle).
​Eugene Cernan: Der Pilot der Mondfähre, der damals noch nicht ahnte, dass er drei Jahre später als letzter Mensch den Mond verlassen würde.
​2. „Charlie Brown“ und „Snoopy“
​Die Crew wählte die beliebten Peanuts-Charaktere als Rufnamen für ihre Raumschiffe:
​Charlie Brown: Das Befehlsmodul.
​Snoopy: Die Mondlandefähre. (Snoopy wurde sogar zum offiziellen Sicherheits-Maskottchen der NASA).
​3. Der Tiefflug: Nur 15 Kilometer bis zum Staub
​Stafford und Cernan stiegen in die „Snoopy“ und koppelten von John Young ab. Sie begannen den Abstieg zur Mondoberfläche.
​Der Rekord: Sie näherten sich dem Mond bis auf nur 15,6 Kilometer (50.000 Fuß).
​Das Ziel: Sie überflogen das geplante Landegebiet im „Meer der Ruhe“, machten hochauflösende Fotos und testeten das Lande-Radar. Sie waren so nah dran, dass sie die Krater fast hätten berühren können.
​4. Das „Wilder Ritt“-Manöver
​Kurz bevor sie die Abstiegsstufe der Fähre absprengten, um wieder zu John Young aufzusteigen, passierte ein Fehler bei einer Schaltereinstellung. Die „Snoopy“ fing plötzlich an, wild um alle Achsen zu trudeln.
​Cernans verzweifelter Ausruf über Funk („Son of a b****!“) ging live in die Wohnzimmer der Welt.
​Stafford übernahm die manuelle Kontrolle und stabilisierte die Fähre in Sekunden. Es war ein Beweis dafür, dass die Astronauten auch in Krisenmomenten die Kontrolle behalten konnten.
​5. Die schnellsten Menschen der Geschichte
​Bei der Rückkehr zur Erde stellte die Crew von Apollo 10 einen Rekord auf, der bis heute im Guinness-Buch der Rekorde steht:
​Sie erreichten beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre eine Geschwindigkeit von 39.897 km/h (ca. 11,08 km/s). Damit sind Stafford, Young und Cernan offiziell die schnellsten Menschen aller Zeiten.
​Warum sind sie nicht gelandet?
​Die NASA wurde oft gefragt, warum man nicht einfach gelandet ist, wenn man schon so nah dran war. Die Antwort war simpel: Die Mondfähre „Snoopy“ war absichtlich mit zu wenig Treibstoff für einen Wiederaufstieg vom Mondboden betankt worden. Man wollte sichergehen, dass die Crew sich strikt an den Testplan hielt und nicht „aus Versehen“ die erste Landung wagte.
​Ausblick
​Die Generalprobe war bestanden. Alle Systeme funktionierten, das Landegebiet war fotografiert, die Fehler waren korrigiert. In der nächsten Folge kommen wir zum absoluten Höhepunkt der Raumfahrtgeschichte: Apollo 11 – „Der Adler ist gelandet“.

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