Radschnellweg Leichendorf: Der Geist der Bibertbahn kehrt wieder

 


Ich habe auf diesem Blog vor Kurzem einen längeren Beitrag über die Bibertbahn geschrieben. Die Geschichte einer Regionalbahn, die man totgespart hat, deren Reaktivierung die Lokalpolitik torpediert hat, und deren Trasse am Ende zum Radweg umgewidmet wurde – während dieselben Politiker, die das zu verantworten hatten, bei der Eröffnung fröhlich vor den Kameras standen. Den Link findet ihr in den Shownotes.

Ich erwähne das, weil die Geschichte offenbar noch nicht zu Ende ist.

Der neue Radschnellweg von Nürnberg-Gebersdorf in den Landkreis Fürth muss bei Leichendorf die Schwabacher Straße queren. Dafür wurden drei Optionen vorgestellt. Und weil das hier Franken ist und Franken kompliziert, läuft es gerade so: Eine der Varianten hätte massive Folgen für den Zirndorfer Ortsteil. Die Leichendorfer wollen von der Rothenburger Straße nicht abgehängt werden – verständlich, die Rothenburger Straße ist die einzige relevante Anbindung des Ortsteils nach Nürnberg.

Das Ergebnis: An der Kreuzung Rothenburger/Schwabacher Straße sollen die Ampeln bleiben. Der Radschnellweg, der eigentlich möglichst kreuzungsfrei und zügig sein soll, wird also an genau dieser Stelle ausgebremst.


Und falls jemand wissen möchte, wo genau diese Kreuzungsproblematik entsteht – es ist der ehemalige Bahnhof Leichendorf. Dort, wo die Bahn früher die Schwabacher Straße gekreuzt hat. Mit Vorfahrt. Weil Züge das so machen. Heute diskutiert man, ob die Ampel bleibt oder ein Kreisverkehr kommt. Für einen Radweg. Auf derselben Trasse.


Das ist keine Ironie, die man sich ausdenken müsste. Das ist Verkehrspolitik in Franken, 2026.

Das heißt: Die Infrastruktur, die man 1986 stillgelegt hat, hätte genau dort die Kreuzungsproblematik bereits gelöst – nämlich gar nicht, weil der Zug Vorrang hatte. Heute diskutiert man ernsthaft über Ampelschaltungen für Radler. Auf der Trasse des alten Bahnhofs. An dem Bahnübergang, über den einst die Bahn Richtung Wintersdorf und Weinzierlein führte.

Der Radschnellweg wird mit rund 41,9 Millionen Euro veranschlagt. Die Reaktivierung der Bibertbahn wäre 2011 für rund 21 Millionen Euro machbar gewesen. Die hätte dann auch Pendler bei Regen, mit Kindern und mit Einkauf befördert. Und sie hätte an diesem Bahnhof einfach Vorfahrt gehabt.




Die Überschlagungen ereignen sich.





Den Blogbeitrag „Die Bibertbahn: Ein Trauerspiel in vier Akten“ findet ihr in den Shownotes. Lest ihn. Dann urteilt selbst.




Quellen: Nordbayern.de, Marktspiegel Landkreis Fürth, radschnellverbindung.info, Staatliches Bauamt Nürnberg | Stand April 2026

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