Die neue Wunderwaffe gegen Spritpreise: Bleibt doch einfach zu Hause, ihr Geringverdiener!
Haben Sie heute Morgen auch mit Tränen in den Augen den Zapfhahn gestreichelt, während die Zahlen auf dem Display schneller nach oben ratterten als der Puls eines Kardiologen? Keine Sorge, die weisen Köpfe auf LinkedIn haben die Lösung für Ihr finanzielles Siechtum gefunden: Gehen Sie doch einfach nicht mehr zur Arbeit!
Es ist so brillant wie einfach. Warum ist da vorher niemand draufgekommen? Wenn der Liter Diesel bald teurer ist als ein guter Riesling, ist die logische Konsequenz nicht etwa eine Entlastung oder eine vernünftige Energiepolitik. Nein, die Lösung ist das heimische Sofa.
Wer braucht schon Handwerker oder Busfahrer?
Der aktuelle Hype um das "Einfach-mehr-Homeoffice"-Diktat hat allerdings eine klitzekleine, fast vernachlässigbare Schwachstelle: Er ignoriert die Realität von etwa 70 % der arbeitenden Bevölkerung.
Der Klempner: Wenn bei Ihnen das Rohr bricht, kann er ja via Zoom-Konferenz versuchen, die Rohrzange telepathisch zu führen.
Die Verkäuferin: Die Regale im Supermarkt füllen sich schließlich von selbst, wenn man nur fest genug an die Work-Life-Balance glaubt.
Das Fahrpersonal: Busse und LKW fahren wir demnächst einfach im Simulator von der Bettkante aus.
Wer braucht schon eine funktionierende Infrastruktur oder reale Dienstleistungen, wenn wir uns alle gegenseitig in Videocalls erklären können, wie man am besten CO2 spart, indem man jegliche produktive Tätigkeit einstellt?
Die "Büro-Sekte": Eine bedrohte Art
Und dann gibt es da noch diese völlig Verrückten – man traut es sich kaum auszusprechen: Leute, die gerne ins Büro gehen. Ja, diese sozialen Exoten, die den Austausch mit Kollegen schätzen, die nicht den ganzen Tag im Schlafanzug zwischen ungewaschenem Geschirr und schreienden Kleinkindern produktiv sein wollen.
In der neuen Weltordnung des LinkedIn-Aktivismus gelten diese Menschen fast schon als Klimasünder. Wer freiwillig pendelt, muss entweder wahnsinnig sein oder zu viel Geld haben. Dass das Büro für viele ein Ort der Struktur und der sozialen Gesundheit ist, passt nicht ins Narrativ der "Großen Transformation durch Stillstand".
Konjunktur am Abgrund? Hauptsache, das Mindset stimmt!
Dass die explodierenden Spritpreise der ohnehin schon darbenden Konjunktur gerade den finalen Gnadenschuss versetzen, scheint in der Berliner Blase und in den hippen Business-Netzwerken eher als Feature denn als Bug gesehen zu werden.
Es wirkt fast so, als sei die Deindustrialisierung und das Ausbremsen jeglicher Mobilität das eigentliche Ziel. Ein Land im kollektiven Hausarrest – das spart nicht nur Sprit, sondern auch lästige Fragen nach wirtschaftlichem Wachstum oder Wettbewerbsfähigkeit.
Fazit: Wenn Sie das nächste Mal an der Tankstelle stehen und überlegen, ob Sie für den Arbeitsweg eine Niere verkaufen müssen: Lächeln Sie! Schalten Sie den Motor aus, lassen Sie das Auto einfach auf der Spur stehen und gehen Sie zu Fuß nach Hause. Wir sind jetzt schließlich eine Homeoffice-Nation. Wer noch "raus" muss, hat die Zeichen der Zeit einfach nicht erkannt.
Pro-Tipp: Wenn die Heizkosten im Winter dann dank Homeoffice Ihre Ersparnisse auffressen, gibt es sicher bald den nächsten heißen Tipp auf LinkedIn: „Einfach weniger atmen – schont die Umwelt und spart Energie!“
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