Folge 19: Apollo 15 – Die Geburtsstunde der Mond-Automobilisten


​Im Sommer 1971 startete die erste „J-Mission“. Das bedeutete: Mehr Zeit auf dem Mond, bessere Raumanzüge und vor allem das LRV (Lunar Roving Vehicle). Das Ziel war spektakulär: Die Hadley-Rille am Fuße der gewaltigen Apenninen-Berge.
​1. Die Crew: Die Entdecker
​David Scott (Kommandant): Ein erfahrener Astronaut (Apollo 9), der die Mission mit großer wissenschaftlicher Leidenschaft führte.
​James Irwin (Pilot der Mondfähre): Er begleitete Scott auf die Oberfläche der Falcon.
​Alfred Worden (Pilot des Befehlsmoduls): Er blieb im Orbit der Endeavour und führte dort komplexe wissenschaftliche Messungen durch.
​2. Das Mondauto: Ein technisches Wunderwerk
​Das LRV war eine Meisterleistung der Ingenieurskunst (maßgeblich mitentwickelt vom Team um den Deutschen Ferenc Pavlics bei General Motors).
​Faltbar: Es musste extrem kompakt zusammengefaltet an der Außenseite der Mondfähre transportiert werden.
​Leichtgewicht: Auf der Erde wog es 210 kg, auf dem Mond jedoch nur noch 35 kg.
​Reifen: Da Gummireifen im Vakuum platzen würden, bestanden die Räder aus einem verzinkten Stahldrahtgeflecht mit Titan-Laufflächen.
​3. Die Entdeckung des „Genesis Rock“
​Dank des Rovers konnten Scott und Irwin weite Strecken zurücklegen. Am Fuße des Mount Hadley Delta machten sie einen Sensationsfund: Probe Nr. 15415.
​Die Astronauten nannten das weiße Gesteinsstück sofort „Genesis Rock“.
​Es stellte sich als Anorthosit heraus, ein Urgestein, das fast so alt ist wie der Mond selbst (ca. 4,1 Milliarden Jahre). Es war der Beweis, dass der Mond einst von einem Ozean aus flüssigem Magma bedeckt war.
​4. Das Galileo-Experiment
​Kurz vor dem Rückflug führte Dave Scott ein Experiment vor laufender Kamera durch, das jedes Schulkind kennt. Er ließ gleichzeitig einen geologischen Hammer und eine Falkenfeder fallen.
​Im Vakuum des Mondes fielen beide exakt gleich schnell zu Boden.
​Scott sagte: „Das beweist, dass Herr Galileo recht hatte.“
​5. Der „Deep Space Walk“ von Al Worden
​Auf dem Rückweg zur Erde gab es noch eine Premiere. Al Worden verließ die Kapsel für einen Außenbordeinsatz mitten im freien Weltraum (zwischen Mond und Erde), um Filmkassetten aus den Kameras am Servicemodul zu bergen. Es war der erste „Deep Space Walk“ der Geschichte.
​6. Der kleine Skandal: Die Briefmarken-Affäre
​Nach der Landung kam ans Licht, dass die Crew hunderte von Briefmarkenbelegen ungenehmigt mit zum Mond genommen hatte, um sie später zu verkaufen. Die NASA reagierte hart: Die Crew wurde von weiteren Flügen suspendiert. Ein trauriger Schatten auf einer ansonsten wissenschaftlich perfekten Mission.
​Die Bedeutung: Apollo 15 war der Übergang zur reinen Wissenschaft. Mit dem Rover wurde der Mond zum ersten Mal wirklich „erfahren“. Die Bilder der riesigen Berge im Hintergrund der Landefähre gehören zu den beeindruckendsten Aufnahmen des gesamten Programms.
​Ausblick
​Der Rover hatte sich bewährt. In der nächsten Folge sehen wir uns Apollo 16 an. Wir fliegen ins Descartes-Hochland, suchen nach Vulkanen und erleben den (fast) verhängnisvollen Moment, in dem das Raumschiff im Mondorbit gefährlich zu taumeln begann.

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