Folge 13: Apollo 9 – Der „Spinnen-Tanz“ im Erdorbit


​Im März 1969 fand eine Mission statt, die oft im Schatten der Mondlandung steht, aber technisch eine der riskantesten war. Zum ersten Mal wurde das komplette Apollo-Gespann – das Befehlsmodul und die Mondlandefähre – bemannt im All getestet.

​1. Die Crew: Die Ingenieure im All

​Drei erfahrene Männer übernahmen diesen entscheidenden Testflug:

  • James McDivitt (Kommandant): Ein ruhiger, präziser Pilot, der schon bei Gemini 4 geglänzt hatte.
  • David Scott: Der Pilot des Befehlsmoduls, der später als Kommandant von Apollo 15 das erste Auto auf dem Mond fahren sollte.
  • Russell „Rusty“ Schweickart: Der Pilot der Mondfähre und ein Philosoph unter den Astronauten.

​2. „Gumdrop“ und „Spider“

​Da erstmals zwei Raumschiffe getrennt voneinander flogen, brauchten sie Rufnamen. Die Crew wählte:

  • Gumdrop (Lutschbonbon): Das Befehlsmodul, wegen seiner konischen Form und der blauen Schutzverpackung beim Transport.
  • Spider (Spinne): Die Mondlandefähre, wegen ihrer spindeldürren Beine und dem eigenartigen Aussehen.

​3. Das riskante Manöver: Das Solo der Spinne

​Der kritische Moment der Mission: McDivitt und Schweickart trennten die „Spider“ von der „Gumdrop“ und flogen über 100 Meilen weit weg.

  • Das Risiko: Die Mondfähre hatte keinen Hitzeschild. Hätte das Aufstiegstriebwerk versagt, hätten die beiden Astronauten niemals zur Erde zurückkehren können. Sie wären im Orbit gestrandet.
  • Der Erfolg: Das Andocken nach dem Solo-Flug funktionierte perfekt. Das LEM war flugtauglich!

​4. Der erste echte Apollo-Weltraumausstieg

Rusty Schweickart verließ die Mondfähre für einen Außeneinsatz (EVA).

  • ​Er testete den neuen Apollo-Raumanzug mit dem Rucksack (PLSS), der die Astronauten auf dem Mond am Leben erhalten sollte.
  • ​Während einer kurzen Pause am Ausstieg der Fähre genoss er den Blick auf die Erde und prägte später den Begriff des „Overview-Effekts“ – die tiefe Erkenntnis der Einheit der Menschheit beim Blick auf unseren Planeten.

​5. Die „Weltraumkrankheit“

​Apollo 9 war auch die Mission, bei der die NASA zum ersten Mal massiv mit der Raumkrankheit konfrontiert wurde. Schweickart litt unter schwerer Übelkeit, was fast den Zeitplan der Mission gefährdet hätte. Es war eine wichtige Lektion für die medizinische Vorbereitung künftiger Crews.

Die Bedeutung: Apollo 9 bewies, dass die Mondlandefähre funktionierte und dass zwei Raumschiffe im All getrennt und wieder gekoppelt werden konnten. Die Hardware für den Mond war nun komplett. Es fehlte nur noch eine letzte Generalprobe im „Tiefflug“ über der Mondoberfläche.


​Ausblick

​In der nächsten Folge begeben wir uns mit Apollo 10 auf die Zielgerade. Wir fliegen zurück zum Mond und gehen so tief runter, dass man die Krater fast berühren kann – die Generalprobe für die Landung!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Held der Steine: Mehr als nur dänische Klemmbausteine

Ein herzliches Dankeschön an einen unbekannten Podcasting-Engel

Alex E. - Mehr als nur ein Eisenbahnfilmer?