Die Erdfunkstelle Intersputnik: Ein Fenster ins Weltall aus DDR-Zeiten
In einer Zeit, als das Internet noch Zukunftsmusik war und internationale Kommunikation eine echte Herausforderung darstellte, entstand in der brandenburgischen Landschaft zwischen Fürstenwalde und Bad Saarow ein technisches Meisterwerk: die Erdfunkstelle Intersputnik, auch bekannt als Erdfunkstelle Neu Golm. Diese einzigartige Anlage erzählt eine faszinierende Geschichte von Technologie, Politik und internationaler Zusammenarbeit während der Zeit des Kalten Krieges.
## Ein Stück Geschichte der Satellitenkommunikation
Die Geschichte der Erdfunkstelle Intersputnik beginnt in den frühen 1970er Jahren. Die Erdfunkstelle Intersputnik oder auch Erdfunkstelle Neu Golm, wurde ab März 1973 zwischen Bad Saarow und Fürstenwalde errichtet. Diese beeindruckende Anlage war nichts Geringeres als die einzige Erdfunkstelle für kommerziellen Satellitenfunk der gesamten DDR.
Die Entstehung der Anlage steht in direktem Zusammenhang mit der Gründung der Intersputnik-Organisation. Die Intersputnik International Organization of Space Communications wurde am 15. November 1971 in Moskau von der Sowjetunion zusammen mit einer Gruppe von sieben ehemals sozialistischen Staaten (Polen, Tschechoslowakei, Ostdeutschland, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Mongolei) und Kuba gegründet. Diese Organisation entstand als Antwort des Ostblocks auf die westliche Intelsat-Organisation.
## Technische Meisterleistung im Dienste der Kommunikation
Die Anlage befand sich auf einem 29.500 m² großen Grundstück zwischen Fürstenwalde und Bad Saarow und stellte ein beeindruckendes technisches Ensemble dar. Die Erdfunkstelle der sowjetischen Bauart Orbita-2 ermöglichte es der Deutschen Post der DDR, am internationalen Satellitenkommunikationsnetz teilzunehmen.
Die Infrastruktur war bemerkenswert durchdacht: Ein 1,7 km langes TV-Kabel zur Richtfunk-Übertragungsstelle Dubrower Berge stellte die Anbindung der Erdfunkstelle Neu Golm an das Fernsehleitungsnetz her. Über eine nahegelegene Fernsprechübertragungsstelle wurde die Einbindung in das Telefonnetz realisiert.
## Betrieb und gesellschaftliche Bedeutung
Die Station wurde zwischen 1975 und 1996 betrieben und spielte eine zentrale Rolle in der internationalen Kommunikation der DDR. Damals ging es um die Übertragung von Telefonaten und primär um Überspielungen für das Fernsehen. Das erfolgte damals so gut wie immer live. Damit erfüllte die Erdfunkstelle Intersputnik eine wichtige Rolle beim TV-Programmaustausch innerhalb der „sozialistischen Bruderländer".
Die Bedeutung dieser Anlage kann kaum überschätzt werden. Sie war das technische Rückgrat für die Kommunikation zwischen den sozialistischen Ländern und ermöglichte es der DDR, trotz politischer Isolation am internationalen Informationsaustausch teilzunehmen. Fernsehsendungen, Telefonate und andere Kommunikationsformen flossen über diese Satellitenschüssel zwischen den Kontinenten.
## Politische Dimensionen und internationaler Kontext
Die Erdfunkstelle Intersputnik war mehr als nur eine technische Anlage – sie war ein Symbol für die bipolare Weltordnung des Kalten Krieges. Während der Westen seine Satellitenkommunikation über Intelsat organisierte, entwickelten die sozialistischen Länder mit Intersputnik ihr eigenes System. Die DDR war zudem 1960 Gründungsmitglied des Distributionsnetzes Intervision und seit 1972 der Intersputnik-Organisation für die Satellitenkommunikation angeschlossen. Damit wurde sie auch auf dem Gebiet der Medien fest in das „sozialistische Weltsystem" integriert.
Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm die Deutsche Bundespost TELEKOM die Mitgliedschaft in der Intersputnik-Organisation. Mit der Vereinigung Deutschlands wird TELEKOM Mitglied der Satellitenorganisation Intersputnik - und ist als einziges Unternehmen Mitglied in den 4 wichtigsten Satellitenorganisationen der Welt.
## Das Ende einer Ära
Die Erdfunkstelle war zu DDR-Zeiten die einzige Station zur Übertragung kommerzieller Kommunikationsdaten und wurde von 1975 bis 1996 betrieben. Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien verlor die Anlage nach und nach ihre Bedeutung.
Interessant ist auch die jüngste politische Entwicklung: Die Bundesregierung wird aus der von Russland geleiteten Satelliten-Organisation Intersputnik austreten. Deutschland war als Nachfolgestaat der DDR Mitglied dieser Organisation geblieben, bis die geopolitischen Spannungen der letzten Jahre zu diesem Schritt führten.
## Heute: Ein Denkmal der Technikgeschichte
Heute erinnert die Erdfunkstelle Intersputnik an eine Zeit, in der Satellitenkommunikation noch eine revolutionäre Technologie war. Die historische Satelliten-Bodenstation in Bad Saarow, Brandenburg steht als stummes Zeugnis für die technischen Errungenschaften und politischen Realitäten des 20. Jahrhunderts.
Die Anlage, die einst das Tor der DDR zum Weltall war, zeigt uns heute, wie Technologie und Politik untrennbar miteinander verwoben sind. Sie erinnert uns daran, dass Kommunikation schon immer mehr war als nur der Austausch von Informationen – sie war und ist ein Mittel zur Gestaltung der Welt.
## Fazit
Die Erdfunkstelle Intersputnik in Neu Golm war weit mehr als nur eine technische Anlage. Sie war ein Symbol für den Willen zur Kommunikation über politische Grenzen hinweg, ein Beispiel für technische Innovation unter besonderen gesellschaftlichen Bedingungen und ein wichtiger Baustein in der Geschichte der globalen Telekommunikation. Heute, da wir in einer Zeit instant verfügbarer globaler Kommunikation leben, lohnt es sich, an diese bemerkenswerte Anlage zu erinnern, die einst das Fenster der DDR ins Weltall war.
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*Die Erdfunkstelle Intersputnik steht heute als technisches Denkmal und erinnert an eine Zeit, als Satellitenkommunikation noch pure Magie war und jede internationale Verbindung ein kleines Wunder darstellte.*
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