Folge 16: Apollo 12 – Blitzeinschlag und die Punktlandung beim „Surveyor“
Im November 1969 startete die zweite Mondlandemission unter einem denkbar schlechten Stern. Der Himmel über Cape Canaveral war wolkenverhangen, doch die NASA entschied sich für den Start.
1. Die Crew: Eine eingeschworene Gemeinschaft
Im Gegensatz zur eher distanzierten Apollo 11-Crew waren diese drei Männer eng befreundet:
Charles „Pete“ Conrad (Kommandant): Ein humorvoller, erfahrener Pilot, der für seine Sprüche bekannt war.
Alan Bean (Pilot der Mondfähre): Ein talentierter Pilot (und späterer Künstler), der hier seinen ersten Raumflug absolvierte.
Richard Gordon (Pilot des Befehlsmoduls): Er hielt im Orbit die Stellung in der Kapsel Yankee Clipper.
2. Das Drama beim Start: „SCE to Aux“
Nur 36 Sekunden nach dem Abheben geschah das Unfassbare: Ein Blitz schlug in die aufsteigende Saturn V ein.
Der Effekt: Alle Warnleuchten im Cockpit spielten verrückt, die Telemetrie zur Erde brach zusammen. Die Mission stand kurz vor dem Abbruch.
Die Rettung: Ein junger Ingenieur im Kontrollzentrum, John Aaron, erinnerte sich an ein ähnliches Problem im Training. Er gab das legendäre Kommando: „Try SCE to Aux“.
Alan Bean fand den winzigen Schalter, legte ihn um, und die Systeme starteten neu. Die Mission war gerettet.
3. Die Punktlandung im „Ozean der Stürme“
Das Hauptziel von Apollo 12 war die Demonstration von Präzision. Man wollte beweisen, dass man punktgenau an einem vorbestimmten Ort landen konnte.
Das Ziel: Die zwei Jahre zuvor gelandete unbemannte Sonde Surveyor 3.
Das Ergebnis: Pete Conrad steuerte die Mondfähre Intrepid so perfekt, dass sie nur 163 Meter entfernt von der Sonde aufsetzte. Er konnte die Surveyor vom Fenster aus sehen!
4. Pete Conrads erster Schritt
Da Neil Armstrongs erste Worte sehr förmlich waren, hatte Conrad eine Wette mit einer Journalistin laufen. Als er die Leiter heruntestieg, sagte er:
„Whoopee! Man, that may have been a small one for Neil, but that's a long one for me!“
(Hui! Mann, das mag für Neil ein kleiner Schritt gewesen sein, aber für mich ist es ein verdammt großer!) – eine Anspielung auf seine eher geringe Körpergröße.
5. Archäologie auf dem Mond
Zum ersten (und bisher einzigen) Mal besuchten Menschen eine früher gelandete Sonde.
Die Astronauten wanderten zur Surveyor 3, fotografierten sie und montierten Teile (wie die Kamera) ab, um sie zur Erde zurückzubringen.
Man wollte untersuchen, wie sich das Material nach zwei Jahren in der extremen Strahlung und Kälte des Mondes verändert hatte. Dabei entdeckte man später auf der Erde sogar (umstrittene) Bakterienspuren, die die Reise zum Mond in der Sonde überlebt hatten.
6. Das Missgeschick mit der Kamera
Ein kleiner Wermutstropfen: Alan Bean richtete die damals hochmoderne Farbfernsehkamera versehentlich direkt in die Sonne. Die empfindliche Röhre verbrannte sofort, und die Weltöffentlichkeit musste diesmal auf Live-Bilder vom Mond verzichten.
Ausblick
Apollo 12 hatte bewiesen: Wir können den Mond nicht nur erreichen, sondern dort landen, wo wir wollen. Die NASA fühlte sich sicher – vielleicht zu sicher. In der nächsten Folge kommen wir zur „erfolgreichsten gescheiterten Mission“: Apollo 13 – „Houston, wir haben ein Problem“.
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