Folge 17: Apollo 13 – Der „erfolgreiche Fehlschlag“
Im April 1970 galt die Reise zum Mond fast schon als Routine. Die Öffentlichkeit verlor das Interesse – bis zu jenem schicksalhaften Abend des 13. April, als ein kleiner Funke im Sauerstofftank alles veränderte.
1. Die Crew: Ein eingespieltes Trio (mit Last-Minute-Wechsel)
Jim Lovell (Kommandant): Einer der erfahrensten Astronauten der NASA (er war bereits bei Apollo 8 dabei).
Jack Swigert (Pilot des Befehlsmoduls): Er rückte erst 48 Stunden vor dem Start für Ken Mattingly nach, der wegen des Verdachts auf Röteln am Boden bleiben musste.
Fred Haise (Pilot der Mondfähre): Ein Experte für das Landemodul, der sich riesig auf den Mondspaziergang im Fra-Mauro-Hochland freute.
2. Die Explosion: „Houston, we've had a problem“
Etwa 320.000 Kilometer von der Erde entfernt aktivierte Jack Swigert die Ventilatoren in den Sauerstofftanks (das sogenannte „Stirring“). Ein kurzer elektrischer Funke aufgrund einer fehlerhaften Isolierung genügte:
Sauerstofftank Nr. 2 explodierte und riss dabei auch Tank Nr. 1 auf.
Das Raumschiff Odyssey verlor rasant Strom, Wasser und Sauerstoff.
Jim Lovell blickte aus dem Fenster und sah, wie Gas ins All entwich: „Wir lassen etwas nach draußen ab... es ist eine Art Gas.“
3. Die Rettungskapsel: Die „Aquarius“ als Rettungsboot
Die einzige Überlebenschance bestand darin, die unbeschädigte Mondlandefähre Aquarius als „Rettungsboot“ zu nutzen.
Das Problem: Die Fähre war nur für zwei Personen und zwei Tage ausgelegt – nun mussten drei Männer darin vier Tage überleben.
Die Kälte: Um Strom zu sparen, wurden fast alle Systeme abgeschaltet. Die Temperatur in der Kapsel sank auf den Gefrierpunkt. Schlafen war fast unmöglich.
4. Improvisation: Der „eckige Kanister im runden Loch“
Das gefährlichste Hindernis war das Kohlendioxid. Die runden Filter der Mondfähre waren erschöpft, und die Ersatzfilter der Kapsel waren eckig.
Unter Anleitung der Bodenkontrolle bastelten die Astronauten aus Plastiktüten, Klebeband, Bordkarten und Socken einen Adapter.
Es war eine der größten Ingenieursleistungen der Geschichte – am Boden „erfunden“ und im All unter extremem Stress nachgebaut.
5. Die Umrundung des Mondes
Ein direkter Abbruch war technisch nicht möglich. Die Crew musste den Mond umrunden, um dessen Schwerkraft als „Schleuder“ für den Rückflug zu nutzen.
Dabei stellten sie (unfreiwillig) den Rekord für die größte Entfernung von Menschen zur Erde auf (400.171 km).
Sie sahen ihr Ziel, den Mond, nur aus dem Fenster ziehen – ohne landen zu können.
6. Die riskante Rückkehr
Bevor sie in die Erdatmosphäre eintraten, mussten sie das beschädigte Servicemodul abwerfen. Erst da sahen sie das Ausmaß der Zerstörung: Eine ganze Seite des Schiffes war weggerissen.
Die große Frage: War der Hitzeschild der Landekapsel durch die Explosion beschädigt worden?
Nach über vier Minuten Funkstille beim Wiedereintritt (dem sogenannten „Blackout“) meldete sich Jack Swigert – die Kapsel war sicher gewassert.
Die Bedeutung: Apollo 13 landete zwar nicht auf dem Mond, gilt aber als die „feinste Stunde“ der NASA. Es bewies, dass exzellente Ausbildung, kühler Kopf und Teamarbeit zwischen All und Erde selbst aussichtslose Situationen retten können.
Ausblick
Nach dem Schock von Apollo 13 stand das Programm auf der Kippe. In der nächsten Folge sehen wir uns an, wie der „alte Hase“ Alan Shepard in Apollo 14 das Vertrauen zurückgewann und den ersten (und einzigen) Golfball auf dem Mond schlug.
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