Folge 23: Apollo-Sojus – Der Handschlag, der die Welt veränderte
Nach Jahren des erbitterten Wettlaufs zum Mond geschah am 17. Juli 1975 etwas Unvorstellbares: Über der Stadt Metz in Frankreich dockten ein amerikanisches Apollo-Raumschiff und eine sowjetische Sojus-Kapsel aneinander an. Es war das offizielle Ende des "Space Race".
1. Die Akteure: Legenden unter sich
Die Besetzungen waren hochkarätig gewählt, um Vertrauen und Kompetenz auszustrahlen:
Die US-Seite: Kommandiert von Thomas Stafford (Apollo 10). Mit an Bord waren Vance Brand und Donald „Deke“ Slayton. Besonders für Slayton war es ein Triumph: Er gehörte zu den ursprünglichen Mercury Seven, durfte aber wegen Herzproblemen jahrelang nicht fliegen – dies war mit 51 Jahren seine erste und einzige Mission.
Die UdSSR-Seite: Angeführt von Alexei Leonow, dem Mann, der 1965 als erster Mensch einen Weltraumausstieg gewagt hatte. Ihm zur Seite stand Waleri Kubassow. Leonow war für seinen Humor bekannt und malte während der Mission sogar Porträts der US-Astronauten.
2. Das Sprach-Chaos: „Amerussisch“
Ein technisches Problem war die Kommunikation. Man fand eine psychologisch geniale Lösung:
Um Missverständnisse zu minimieren, sprachen die Amerikaner Russisch und die Sowjets Englisch. Der Grund? Man konzentriert sich beim Hören der eigenen Muttersprache mit fremdem Akzent viel intensiver auf den Inhalt. Dieses Sprachgemisch ging als „Amerussisch“ in die Geschichte ein.
3. Das technische Wunder: Das Docking-Modul
Da die Apollo-Kapsel mit reinem Sauerstoff unter niedrigem Druck arbeitete und die Sojus eine Stickstoff-Sauerstoff-Mischung wie auf der Erde nutzte, konnten sie nicht einfach die Türen öffnen.
Die NASA entwickelte ein spezielles Koppelungsmodul, das als Luftschleuse diente.
Es war das erste Mal, dass zwei völlig unterschiedliche Raumfahrtsysteme miteinander kompatibel gemacht wurden – der direkte Vorläufer für das, was wir heute auf der ISS sehen.
4. Der Moment der Geschichte
Als sich die Luken öffneten, reichten sich Stafford und Leonow die Hände. Dieser „Handschlag im All“ wurde weltweit live übertragen. Die Crews tauschten Geschenke aus (darunter Baumsetzlinge und Flaggen), aßen gemeinsam (russische Borschtsch-Tuben mit aufgeklebten Wodka-Etiketten als Scherz von Leonow) und zeigten der Welt, dass Zusammenarbeit im All möglich ist.
5. Das fast fatale Ende bei der Landung
Während die Mission im All ein voller Erfolg war, endete sie für die US-Crew fast tödlich. Durch einen Bedienungsfehler beim Abstieg drang hochgiftiges Stickstofftetroxid (Treibstoffgas) in die Apollo-Kabine.
Die Astronauten erlitten eine schwere chemische Lungenentzündung.
Nur das schnelle Handeln nach der Wasserung und ein anschließender Krankenhausaufenthalt retteten Stafford, Brand und Slayton das Leben. Es war das letzte Mal, dass eine Apollo-Kapsel im Ozean landete.
Ausblick
Mit diesem Handschlag endete die Ära der Kapseln vorerst. Die NASA blickte in eine neue Zukunft: Wiederverwendbarkeit war das neue Schlagwort. In der vorletzten Folge unserer Serie wagen wir den Ausblick auf das Space Shuttle und die aktuelle Artemis-Generation, die uns jetzt, im Jahr 2026, wieder zurück zum Mond führt!
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