Folge 22: Skylab – Wohnen und Arbeiten im Orbit
Stell dir vor, du baust eine riesige Raketenstufe zu einer Wohnung um. Genau das war Skylab. 1973 wurde die Raumstation mit der letzten jemals gestarteten Saturn V in den Orbit geschossen. Doch der Start wäre beinahe eine Katastrophe gewesen.
1. Ein dramatischer Start: Die Rettung durch Pete Conrad
Beim Start von Skylab 1 (unbemannt) riss der Luftstrom einen Sonnenschutzschild und einen der beiden großen Sonnenflügel ab. Die Station hatte kaum Strom und heizte sich im Inneren auf lebensbedrohliche 52°C auf.
Die Rettung (Skylab 2): Die erste Crew unter dem erfahrenen Mond-Kommandanten Pete Conrad (Apollo 12) musste als „Weltraum-Handwerker“ ran.
Sie entfalteten einen schützenden Sonnenschirm über der Station und befreiten den verklemmten zweiten Sonnenflügel in einem riskanten Außeneinsatz. Ohne Conrads Hartnäckigkeit wäre Skylab heute nur Weltraumschrott.
2. Die Station: Luxus pur (für damalige Verhältnisse)
Im Vergleich zu den engen Apollo-Kapseln war Skylab riesig.
Die Dusche: Es gab zum ersten Mal eine echte Weltraumdusche (eine Art Plastikschlauch, in dem das Wasser abgesaugt wurde).
Das Essen: Es gab ein echtes Bordmenü mit Tiefkühlkost und sogar einem kleinen Fenster, aus dem man beim Essen auf die Erde schauen konnte.
Sport: Um dem Muskelschwund vorzubeugen, gab es ein Ergometer – die Geburtsstunde des Fitnessstudios im All.
3. Skylab 3: Die Wissenschaftler übernehmen
Die zweite Besatzung (Alan Bean, Owen Garriott und Jack Lousma) konzentrierte sich auf die Forschung.
Sie beobachteten die Sonne mit dem gewaltigen Apollo-Teleskop-Mount und bewiesen, dass der Mensch über Monate hinweg produktiv im All leben kann.
Sie brachten sogar Spinnen (Anita und Arabella) mit, um zu sehen, ob sie in der Schwerelosigkeit Netze weben können (Spoiler: Sie konnten es, brauchten aber ein paar Versuche).
4. Skylab 4: Die erste „Meuterei“ im All?
Die letzte Crew verbrachte die Rekordzeit von 84 Tagen an Bord. Der Arbeitsplan der NASA war so vollgestopft, dass die Astronauten (Carr, Gibson und Pogue) völlig erschöpft waren.
Es kam zum berühmten Konflikt: Die Crew schaltete für einen Tag das Funkgerät aus, um sich auszuruhen und aus dem Fenster zu schauen.
Diese „Meuterei“ führte dazu, dass die NASA lernte, dass Astronauten keine Roboter sind und Pausen für die psychische Gesundheit lebensnotwendig sind – eine Lektion, die heute auf der ISS Standard ist.
5. Das feurige Ende
Skylab war nicht für die Ewigkeit gebaut. 1979 verglühte die Station über Australien und dem Indischen Ozean. Die NASA hatte gehofft, sie mit dem neuen Space Shuttle retten zu können, doch das Shuttle wurde nicht rechtzeitig fertig.
Ausblick
Skylab bewies, dass wir im All leben können. Doch bevor das Shuttle-Programm startete, gab es noch eine letzte Apollo-Mission, die die Weltpolitik verändern sollte. In der nächsten Folge sehen wir uns den legendären Handschlag im All beim Apollo-Sojus-Test-Projekt an!
Kommentare
Kommentar veröffentlichen