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🔨 20 Prozent auf alles? Der Aufstieg und Fall der Praktiker Baumärkte

Wenn man ĂĽber die Geschichte der Praktiker Baumärkte spricht, kommt man an einem Satz nicht vorbei: „20 Prozent auf alles – auĂźer Tiernahrung.“ Dieser berĂĽhmte Werbeslogan hat die Marke Praktiker ĂĽber Jahre hinweg im kollektiven Gedächtnis verankert – und paradoxerweise war er auch der Hauptgrund fĂĽr ihren dramatischen Niedergang. Die Praktiker AG war einst der zweitgrößte Baumarktkonzern Deutschlands. Heute ist sie Geschichte. Werfen wir einen Blick auf die wechselvolle Story eines Baumarkt-Giganten, der an seiner eigenen Discount-Strategie zerbrochen ist. 🚀 Die frĂĽhen Jahre: Expansion und der Discount-Gedanke Die Wurzeln von Praktiker reichen zurĂĽck bis ins Jahr 1978, als der erste Markt unter dem Namen bâtiself in Luxemburg eröffnet wurde. Die Dachgesellschaft war die Asko Deutsche Kaufhaus AG in SaarbrĂĽcken, aus der später die Metro AG hervorging. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie OBI, die oft organisch wuchsen, expandierte Praktiker von Anfang an durch die Ăśbernahme kleinerer und ...

Hertie: Aufstieg, Glanz und das stille Ende einer Legende

Kennen Sie noch diesen ganz speziellen Geruch im Eingangsbereich? Eine Mischung aus ParfĂĽmabteilung, Lederwaren und – wenn man tief einatmete – dem fernen Duft von Pommes aus dem Restaurant im Obergeschoss? FĂĽr viele Generationen in Deutschland war Hertie mehr als nur ein Geschäft. Es war der Ort, an dem man die erste Schallplatte kaufte, den ersten Schulranzen aussuchte und wo es einfach alles gab. Doch hinter der bunten Warenwelt verbirgt sich eine dramatische Geschichte von Pioniergeist, tragischer Enteignung und dem Wandel des Einzelhandels. Tauchen wir ein in die Geschichte eines Giganten. 1. Die Anfänge: Eine Revolution aus Gera (1882) Alles begann im Jahr 1882 in Gera. Der Kaufmann Hermann Tietz finanzierte seinem Neffen Oscar Tietz die Eröffnung eines kleinen WeiĂźwarengeschäfts. Die beiden hatten eine fĂĽr damalige Verhältnisse revolutionäre Idee:  * Feste Preise: Kein Feilschen mehr.  * Barzahlung: Sofortiges Geld statt Anschreiben.  * GroĂźe Auswahl: Alles unter e...

Der Berliner Ring: Eine Käseglocke mit eigener Verkehrspolitik

Wie eine Wirtschaftsministerin sich selbst widerlegt, während der Rest des Landes tankt Ich schreibe diesen Text mit einer gewissen Genugtuung, die ich vermutlich verbergen sollte, aber nicht will. Katherina Reiche, seines Zeichens Bundeswirtschaftsministerin, hat vorgeschlagen, die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von neunzehn auf sieben Prozent zu senken. Das ist an sich keine schlechte Idee. Bemerkenswert ist nur, dass genau dieselbe Ministerin noch vor wenigen Wochen jede Form staatlichen Eingreifens bei den Spritpreisen als überflüssig, teuer und wirkungsschwach abqualifiziert hat, gerichtet an den Koalitionspartner, der ähnliche Vorschläge gemacht hatte. Man nennt so etwas landläufig Meinungswandel. Ich nenne es die deutsche Variante von Sankt Florian: Verschon mein Ressort, entlaste die anderen. Zur Erinnerung, falls es notwendig ist: Im Frühsommer gab es schon einmal eine befristete Energiesteuersenkung, den sogenannten Tankrabatt. Reiche stand dem damals kritisch gegenüber...

Zurück in die Höhle: Ursulas große Rede zur Lage der Union

Kanada als Trostpflaster, Kinder als Kollateralschaden, KI als Feindbild – eine Bilanz Ursula von der Leyen hat gestern in StraĂźburg wieder eine „Rede zur Lage der Union“ gehalten, und wie jedes Jahr bin ich danach nicht klĂĽger, sondern nur mĂĽder. Drei Punkte sind hängengeblieben: Kanada soll „assoziiertes Mitglied“ der EU werden, Kinder unter dreizehn sollen von sozialen Medien ferngehalten werden, und die Kommissionspräsidentin sorgt sich plötzlich sehr öffentlich um die Risiken von KĂĽnstlicher Intelligenz. Drei Themen, ein roter Faden: Diese Frau moderiert lieber Symptome, als sich mit Ursachen zu beschäftigen. Das kennt man von ihr. Eine Bilanz, die man nicht vergessen sollte Bevor wir ĂĽber StraĂźburg reden, ein kurzer Blick zurĂĽck nach Berlin. Von 2013 bis 2019 war von der Leyen Bundesverteidigungsministerin, und diese Jahre sind aktenkundig: Berateraffäre mit externen Beratungsfirmen, ein Segelschulschiff, dessen Sanierung sich verzehnfacht hat, Hubschrauber und Transportflugzeuge...

Kaufhof: Von Leonhard Tietz zur Galeria – Eine deutsche Achterbahnfahrt

Wenn man ĂĽber Hertie spricht, darf man den Kaufhof nicht verschweigen. Jahrzehntelang teilten sie sich die FuĂźgängerzonen: grĂĽn gegen blau, Kaufhof gegen Karstadt und Hertie. Doch der Kaufhof war oft das „etwas andere“ Warenhaus – innovativer, später oft moderner, und mit einem Flaggschiff in Köln, das bis heute Architekturgeschichte schreibt. Doch genau wie bei Hertie beginnt die Geschichte nicht mit dem Namen, den wir kennen, sondern mit einem visionären jĂĽdischen Kaufmann. 1. Der andere Tietz (1879) Die Geschichte beginnt 1879 in Stralsund (kurz vor Hertie). Der GrĂĽnder hieĂź Leonhard Tietz. Es ist wichtig zu wissen: Leonhard Tietz (Kaufhof) und Hermann Tietz (Hertie) waren Verwandte, fĂĽhrten aber streng getrennte Unternehmen. Sie teilten den Markt unter sich auf – Hermann nahm den Norden und Osten (Berlin), Leonhard den Westen. Der Aufstieg am Rhein: 1891 verlegte Leonhard Tietz den Hauptsitz nach Köln. Das war der entscheidende Schritt. In Köln entstand das gewaltige Stammhaus an d...

Länger arbeiten, während die Arbeit verschwindet

  Warum die Rentendebatte und die KI-Debatte in Deutschland getrennte Welten sind – und warum das ein Problem ist Thorsten Frei findet fĂĽnf Jahre zu lang. Die SPD findet fĂĽnf Jahre gerade richtig. Es geht um die Ăśbergangsfrist fĂĽr die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, umgangssprachlich weiter „Rente mit 63“ genannt, obwohl der frĂĽhestmögliche Zugang inzwischen bei 64 Jahren und acht Monaten liegt. Die Rentenkommission hat die Abschaffung empfohlen, die Koalition hält trotz einer Insa-Umfrage mit 68 Prozent Ablehnung daran fest, und jetzt wird ĂĽber die Modalitäten gestritten: Wie viel Vertrauensschutz, wie lange, fĂĽr wen. Das ist eine legitime Debatte. Nur fĂĽhrt sie an der eigentlich interessanten Frage komplett vorbei. Zwei Reformen, ein blinder Fleck Während in Berlin ĂĽber Beitragsjahre und Stichtage verhandelt wird, verändert sich parallel etwas, das mit keiner Zeile in diese Debatte einflieĂźt: der Einsatz von KĂĽnstlicher Intelligenz verändert de...

Karstadt: Der kĂĽhle Riese aus dem Norden

Wenn wir ĂĽber Hertie und Kaufhof gesprochen haben, fehlt noch das letzte PuzzlestĂĽck. Der Name, der am längsten an den Fassaden hing. Der Riese, der Hertie schluckte und sich am Ende mit Kaufhof vereinen musste: Karstadt. Anders als bei den Tietz-Familien (Hertie/Kaufhof) begann diese Geschichte nicht mit Luxus und Prunk, sondern mit norddeutscher NĂĽchternheit und einem radikalen Spar-Prinzip. 1. Das Prinzip „Wismar“ (1881) Am 14. Mai 1881 eröffnete Rudolph Karstadt in Wismar sein erstes „Tuch-, Manufaktur- und Konfektionsgeschäft“. Rudolph hatte wenig Startkapital, aber er hatte eine Idee, die den Handel erschĂĽtterte. Damals war es ĂĽblich, beim Einkaufen zu handeln („Feilschen“) und anschreiben zu lassen (Kredit). Das machte Waren teuer, weil Händler das Risiko von Zahlungsausfällen einkalkulieren mussten. Rudolph Karstadt drehte den SpieĂź um:  * Nur Barzahlung: Sofortiges Geld.  * Festpreise: Kein Feilschen.  * Niedrige Preise: Er kalkulierte mit minimalem Gewinn pro St...