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Aus der Zentrale für Hörerfragen: Die Lösung für alle Fachkräfte-Sorgen?

Frage an Radio Eriwan: Hörer S. aus Mittelfranken möchte wissen: Ist es korrekt, dass sächsische Unternehmen vor lauter Verzweiflung über den Fachkräftemangel bereits händeringend darauf warten, hochqualifizierte Ingenieurinnen aus Indien mit einem Willkommenspaket aus 3-seitigen PDFs zu empfangen? Antwort von Radio Eriwan: Im Prinzip ja. Allerdings mit ein paar kleinen Ausnahmen:  * Erstens warten die Unternehmen meist händeringend auf ganz andere Dinge – zum Beispiel darauf, dass man erst einmal das vorhandene Potenzial vor Ort qualifiziert und den eigenen Nachwuchs oder Umschüler an die Hand nimmt, statt weltweite Fernreisen per PowerPoint zu planen.  * Zweitens ist das größte Problem oft nicht das fehlende Willkommenspaket, sondern die Tatsache, dass manche Ratschläge aus dem sonnigen Homeoffice auf Mallorca offenbar jeden Blick für die reale Basis in der deutschen Provinz vermissen lassen.  * Und drittens: Wer seit Jahren glaubt, mit theoretischen HR-Ratgebern und Ra...

Gen X stoppt alles: Christopher Cross und der Rocker hinter dem Segelboot

    Der Trend Wer derzeit durch Facebook, Instagram oder TikTok scrollt, landet früher oder später bei einem ganz bestimmten Post. Ein Satz, meist auf Englisch: „Gen X will stop everything with this intro.“ Dann setzen diese perlenden, leicht verhallten Gitarrenakkorde ein, und spätestens wenn die Streicher dazukommen, weiß man, wohin die Reise geht. Christopher Cross, „Sailing“. Und zwar die lange Albumversion, nicht die eingedampfte Fassung fürs Radio. Ich gestehe: Der Post hat recht. Ich gehöre zur Zielgruppe, ich halte inne, ich höre bis zum Schluss. Glaubt man den Kommentarspalten, geht es sehr vielen meines Jahrgangs genauso. Was in diesen Kommentaren allerdings fast nie auftaucht: Der Mann, der da so samtweich vom Segeln singt, hat nicht als Schnulzensänger angefangen. Christopher Cross ist, wenn man genauer hinsieht, ein waschechter Rocker. Einer mit Flying V, langen Haaren und Marshall-Türmen. Chris Geppert aus San Antonio Geboren wurde er am 3. Mai 1951 in San ...

Das Bundesamt für Antennenreinheit Wie Europa seine Netzausrüster verlor und jetzt die Reste nach Herkunft sortiert

  Vorab: Ein Dienstag am Mast Die folgende Szene ist erfunden. Leider nur die Szene. Der Prüfer kam an einem Dienstag. Er stellte sich als Oberamtsrat Strunz vom Bundesamt für Antennenreinheit vor, trug eine Warnweste, ein Klemmbrett und den festen Blick eines Mannes, der noch nie einen Mast von unten gesehen hatte. Der Mast stand irgendwo zwischen zwei fränkischen Dörfern, auf einer Wiese, die der Landwirt seit Jahren lieber verpachtet als mäht. „Ist das Teil chinesisch?“, fragte Strunz und zeigte auf eine graue Kiste. Der Techniker nickte. „Dann muss es weg.“ „Und was kommt hin?“ „Etwas Europäisches.“ „Da gibt es noch zwei. Die haben gerade Lieferzeiten, weil sie nebenbei taktisches 5G für das amerikanische Militär schrauben.“ Strunz notierte etwas. „Ist das dann europäisch?“ „Auf dem Typenschild schon.“ Strunz fragte noch nach einer alten Baugruppe im Technikraum, auf der ein vergilbter Siemens-Aufkleber klebte. Man erklärte ihm, dass dieser Hersteller das Netzgeschäft vor...

Das Christkind kommt aus dem Pazifik, nicht aus der Schlagzeile

  Warum der starke El Niño 2026 eine große Sache ist – und warum er trotzdem nicht über den fränkischen Winter entscheidet Es gibt Wetterthemen, bei denen man schon vorher weiß, wie die Schlagzeilen aussehen werden. El Niño gehört dazu. Kaum meldet die amerikanische Wetterbehörde NOAA ein kräftiges Ereignis im Pazifik, wird hierzulande der Jahrhundertwinter ausgerufen. Oder der ausfallende Winter. Je nachdem, was gerade mehr Klicks bringt. Die Märchenjungen haben für beide Varianten die passende Grafik parat, gern in Dunkelrot oder Tiefviolett, gern mit einem Fragezeichen am Ende, damit man sich hinterher nicht festlegen lassen muss. Ich halte es lieber so, wie es das Team von Kachelmannwetter seit Jahren vormacht: erst schauen, was die Daten sagen, dann sagen, was sie nicht sagen. Das ist weniger spektakulär, hat aber den Vorteil, dass es stimmt. Was im Pazifik gerade passiert Fangen wir mit dem an, was tatsächlich Sache ist. Und das ist nicht wenig. Die NOAA führt seit dem ...

Bruchstücke – Nachtrag Gips aus dem Schornstein, Gips aus dem Berg: Die Rechnung des Kohleausstiegs kommt am Südharz an

  Im ersten Teil der Reihe „Bruchstücke“ ging es um den Harz und am Rande um den Gipskarst am Südrand. In einem Kasten habe ich dort eine Ironie angedeutet, die mich seitdem nicht loslässt: Mit dem Kohleausstieg verschwindet ein Rohstoff, an den kaum jemand denkt, und die Lücke soll ausgerechnet in einer der wertvollsten Naturlandschaften Deutschlands geschlossen werden. Hier die ausführliche Fassung. Ein Abfallprodukt, das zum Hauptrohstoff wurde Kohlekraftwerke stoßen mit dem Rauchgas Schwefeldioxid aus. Seit den 1980er Jahren wird es in Rauchgasentschwefelungsanlagen ausgewaschen, meist mit Kalk. Dabei entsteht Gips, sogenannter REA-Gips. Er ist sauber, gleichmäßig und von hoher Qualität. Was als Umweltschutzmaßnahme gegen sauren Regen begann, wurde zum Rückgrat einer ganzen Industrie. Die Zahlen sind beachtlich. Nach Angaben des BUND hat REA-Gips in den rund 30 Jahren seiner Verfügbarkeit Produktion und Verbrauch von Gips in Deutschland etwa verdoppelt. In den 1970er und 1...

Bruchstücke – Nachtrag Die Fränkische Linie: Wo Franken zehn Kilometer Erdgeschichte überspringt

  In der Reihe „Bruchstücke“ ging es um Harz, Thüringer Wald, Erzgebirge und die Elbe, also um Mitteldeutschland. Im zweiten Teil habe ich einen Kasten zur Fränkischen Linie eingeschoben und versprochen, ihr einen eigenen Beitrag zu widmen. Hier ist er. Denn was der Harznordrand für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ist, das ist die Fränkische Linie für Oberfranken und die Oberpfalz: eine Kante, an der zwei Welten aufeinandertreffen. Und es ist meine Heimat, zumindest im weiteren Sinne. Wer in Franken aufgewachsen ist, kennt den Unterschied, ohne den Namen dafür zu kennen. Im Westen das Land der Sandsteine, Kalke und Keuperhügel, der Brauereien und Weinberge. Im Osten die dunklen Wälder, Granitblöcke und rauen Hochflächen von Frankenwald, Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald. Zwischen beiden liegt eine Linie, die man auf jeder geologischen Karte sofort sieht, weil dort die Farben wechseln, als hätte jemand mit dem Lineal gearbeitet. Eine Narbe durch die ganze Kruste Die Fränkisc...

Nachglühen – Deutschlands Vulkangebiete, Teil 5 Sachsens Supervulkane: Die Riesen, die garantiert nicht wiederkommen

Vier Teile lang ging es in dieser Reihe um die Frage, wo es in Deutschland gebrannt hat und wo es in ferner Zukunft vielleicht wieder brennen könnte. Zum Abschluss wird es einfach, zumindest bei der Zukunftsfrage. In Sachsen gab es Vulkanausbrüche, gegen die der Vogelsberg ein Lagerfeuer war. Sie liegen aber rund 290 bis 315 Millionen Jahre zurück, und der Untergrund, der sie hervorgebracht hat, existiert in dieser Form nicht mehr. Hier kommt nichts wieder. Dafür ist die Vergangenheit umso spektakulärer. Angestoßen haben diesen Teil zwei Kommentare unter dem Vogelsberg-Video, mit dem die Reihe begann. Der eine sprach vom „uralten Supervulkan Südsachsens“, von dem nur noch Quarzporphyr übrig sei, mit kleineren Kegeln aus seiner Spätzeit bei Wurzen. Der andere erzählte, der Tharandter Wald sei ein eingestürzter Vulkan von etwa 30 Kilometern Durchmesser, die TU Freiberg betreibe dort Messstationen, weil es immer noch Minibeben gebe. Beides habe ich geprüft. Das Ergebnis: viel Wahres, et...