Der Oberrheingraben – eine Baustelle, die seit 35 Millionen Jahren läuft
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Risses in Europa Wenn zwischen Basel und Frankfurt jemand behauptet, der Boden unter seinen Füßen sei etwas Fertiges, Abgeschlossenes, dann hat diese Person entweder noch nie einen Blick in die Geologie des Oberrheingrabens geworfen, oder sie hat ihn geworfen und ist trotzdem zu diesem beruhigenden, aber falschen Schluss gekommen. Der Graben ist keine Landschaft, die einmal entstanden ist und seither so bleibt, wie es der Fränkischen Alb oder dem Bayerischen Wald in ihrer beharrlichen Stufigkeit ganz gut zu Gesicht steht. Er ist ein offener Vorgang. Nur eben einer, dessen Tempo für unsere Wahrnehmung viel zu langsam und dessen Fortsetzung dann wieder viel zu schnell ausfällt, um sich beruhigend anzufühlen. Vergangenheit: Ein Graben, der nicht vom Rhein gemacht wurde Die verbreitete Vorstellung, der Rhein habe sich sein Tal selbst gegraben, ist einer jener Irrtümer, die sich hartnäckiger halten als jede Erosion. Tatsächlich war es umgekehr...