Posts

Vom Weltmarktführer zum Insolvenzfall:

Es gibt kaum ein besseres Beispiel für den dramatischen Wandel einer Branche als die Geschichte der Eastman Kodak Company. Gegründet Ende des 19. Jahrhunderts, wurde Kodak zum Synonym für Fotografie – und scheiterte am Ende ausgerechnet an einer Erfindung, die aus dem eigenen Haus stammte. Ein Blick auf mehr als 130 Jahre unternehmerischen Auf- und Abstiegs. 1. Die Gründung: Ein Selfmade-Unternehmer mit Vision (1880–1900) Die Geschichte von Kodak beginnt mit einem Mann, der nie das College besuchte: George Eastman, geboren 1854 in Waterville, New York. Als junger Buchhalter entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie – ein damals mühsames Handwerk, das schweres Equipment und chemische Kenntnisse erforderte. 1880 begann Eastman in seiner Küche mit der Entwicklung von trockenem Fotopapier und Glasplatten. Bereits drei Jahre später gründete er die Eastman Dry Plate Company in Rochester, New York. Sein eigentlicher Durchbruch gelang ihm jedoch 1888 mit dem ersten Kodak-Rollfilm und ...

Wackler an der Grenze, Teil 11: Ein Wasserkocher unter den Teufelsbergen

  Was ein Mikrobeben am Pas de Cheville mit zwei Bergstürzen, einem Weinberg auf Geröll und dem Wallis von 1946 zu tun hat Eigentlich war der Abend schon gelaufen. Vrancea, Zagreb, das Soča-Tal, das hätte für eine Nacht gereicht. Dann kam noch eine Meldung, die ich beinahe weggeklickt hätte. Samstag, 31. Oktober, 6:28 Uhr Weltzeit, also 7:28 Uhr bei uns: ein Beben der Stärke 0,7 in 4,6 Kilometern Tiefe, vom EMSC manuell bestätigt, aufgezeichnet von zehn Stationen. Gespürt hat es niemand. Die Meldung verortet es 49 Kilometer südöstlich von Lausanne, im Bezirk Lausanne. Das ist die Art Ortsangabe, die automatische Systeme lieben: Man nimmt die nächste größere Stadt, misst die Entfernung und schreibt den Rest gleich mit dazu. Tatsächlich liegt das Epizentrum im Bezirk Aigle, und mit dem Genfersee-Ufer hat die Stelle nichts mehr gemein. Nach den Koordinaten, 46,29 Grad Nord und 7,18 Grad Ost, sitzt das Beben ziemlich genau am Pas de Cheville. Das ist der Übergang zwischen der Alp A...

Wackler an der Grenze, Teil 10: Der Wackler, der aus der Grube kam

  Warum ein Beben der Stärke 2,1 bei Chrzanów kein Erdbeben im eigentlichen Sinne war – und was das westliche Kleinpolen über die zwei Gesichter des Bergbaus erzählt Die Meldung kam, wie die meisten in dieser Reihe, ganz unspektakulär daher. Ein schwaches Erdbeben der Stärke 2,1, 9,4 Kilometer südwestlich von Chrzanów in der Woiwodschaft Kleinpolen, am 31. Oktober 2026 um 00:14 Uhr Weltzeit, also um 1:14 Uhr Ortszeit. 33 Stationen haben es registriert, gespürt hat es offiziell niemand, der Status lautet „automatisch“, also noch von keinem Seismologen angefasst. Als Tiefe stehen 10 Kilometer im Datenblatt. Dazu, wie immer, das Wetter am Epizentrum: bedeckt, 6,9 Grad, 96 Prozent Luftfeuchtigkeit. Eine Angabe, die einem bei diesem Beben besonders wenig hilft, und warum, dazu gleich. Auf den ersten Blick ist das ein Mikrobeben wie viele andere, die ich hier in den letzten Wochen auseinandergenommen habe. Auf den zweiten Blick ist es das erste Beben dieser Reihe, bei dem ich mir zieml...

Wackler an der Grenze, Teil 9: Zwei Flüsterer am Rand der Adria

  Was ein Mikrobeben bei Zagreb und eines im Soča-Tal mit Mohorovičić, dem Jahr 1511 und einer verbogenen Kathedralenspitze zu tun haben Der letzte Oktobertag hat mir zwei Meldungen hinterlassen, die man eigentlich nicht einmal einer Fußnote würdigen müsste. Um 7:26 Uhr ein Beben der Stärke 1,8 rund 17 Kilometer südlich von Zagreb, nahe Velika Gorica, in 18,6 Kilometern Tiefe. Und abends um 22:40 Uhr ein Beben der Stärke 0,7 im Westen Sloweniens, gut 50 Kilometer westlich von Ljubljana. Gespürt hat beide niemand. Das EMSC hat das kroatische Beben bestätigt, das slowenische steht noch als automatische Erkennung im Katalog. Zwei Flüsterer also. Aber sie flüstern an zwei Stellen, an denen die Erde in der Vergangenheit sehr laut geworden ist. Und sie gehören, auch wenn 230 Kilometer zwischen ihnen liegen, zur selben Geschichte. Der gemeinsame Nenner heißt Adria Wer die bisherigen Teile dieser Reihe verfolgt hat, kennt das Grundmuster: Irgendwo drückt etwas, irgendwo gibt etwas nac...

Wackler an der Grenze, Teil 8: Siebzig Kilometer unter Vrancea

  Warum drei unspürbare Beben in einer Nacht interessanter sind als manches, das man spürt Es ist kurz nach ein Uhr nachts, der November ist gerade eine Stunde alt, und auf meinem Bildschirm steht eine Meldung, die so unscheinbar ist, dass man sie eigentlich überscrollen müsste. Ein Erdbeben der Stärke 3,6, 38 Kilometer von Focşani im Kreis Vrancea, Rumänien. 23:35 Uhr Weltzeit, vor Ort war es schon Sonntag, 1:35 Uhr. Die Seite, die mir das meldet, behauptet zwar, die Ortszeit sei Weltzeit, aber das sei ihr verziehen. Niemand hat das Beben gespürt. Das war es. Nur war es das eben nicht. Es war bereits das dritte Beben aus derselben Ecke in dieser Nacht. Und was mich daran hängen lässt, ist nicht die Stärke, sondern eine Spalte in der Tabelle, die man normalerweise überliest: die Tiefe. Um 22:04 Uhr Ortszeit bebte es mit Stärke 2,6 in 114 Kilometer Tiefe. Um 0:46 Uhr folgte eine 3,0 in 70 Kilometer Tiefe. Um 1:35 Uhr dann die 3,6 in 124 Kilometer Tiefe, das stärkste der drei. Dr...

Nachtrag: Zwei Klopfzeichen zu Halloween

  Schläfer unter Europa – Egerbecken | Daten: IGCAS WEBNET, vorläufig (automatische Auswertung), Stand 31.10.2026 Während heute Abend anderswo Kinder an Haustüren klopfen, hat im Egerbecken schon in der Früh jemand geklopft. Zweimal, im Abstand von gut einer Minute. Um 05:58:38 Uhr Ortszeit meldete das tschechische Messnetz WEBNET ein Mikrobeben der Stärke 0,5, um 05:59:45 Uhr folgte eines der Stärke 1,0 (genauer: 0,95). Beide in 8,2 Kilometern Tiefe, beide nicht spürbar und beide praktisch am selben Fleck. Die Epizentren liegen rund 150 Meter auseinander, was bei einer automatischen Ortung ziemlich genau „identisch“ bedeutet. Wo genau Die Koordinaten 50,206° Nord und 12,461° Ost liegen gut einen Kilometer südöstlich von Nový Kostel, dem früheren Neukirchen, im Bezirk Cheb. Damit sitzen die beiden Beben mitten in der Herdzone, die seit Jahrzehnten das seismische Zentrum des Egerbeckens ist und aus der auch die großen Schwärme von 1985/86, 2008 und 2018 kamen. Die Meldeseite sc...

Schläfer unter Europa – Nachtrag 2: Der Schläfer murmelt

  Ein Nachtrag zu Teil 1 (Egerbecken/Vogtland). Stand: 31. Oktober 2026. Es gibt Meldungen, die man nur liest, weil man sie abonniert hat. Am Samstagnachmittag, um 15:53 Uhr Weltzeit, registrierte das Messnetz WEBNET des Instituts für Geophysik der Tschechischen Akademie der Wissenschaften ein Beben der Stärke 0,36. Herd in 9,7 Kilometern Tiefe, Epizentrum bei 50,26 Grad Nord und 12,45 Grad Ost, rund 30 Kilometer westlich von Karlsbad und gut sechs Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Intensität: nicht spürbar. Gespürt hat es also niemand. Gemessen hat es trotzdem jemand. Das ist der Unterschied zwischen dem Egerbecken und dem Rest der Republik. Ich schreibe trotzdem darüber. Nicht, weil ein Beben der Stärke 0,36 eine Nachricht wäre, sondern weil der Ort eine ist. Der Ort, an dem es immer wieder rumpelt Die Koordinaten führen nicht irgendwohin, sondern ziemlich genau in die Gegend zwischen Luby (Schönbach) und Kraslice (Graslitz), in den Bereich der Herdzone von Nový K...