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Bibert gegen Zenn: Wer zuerst reserviert, steckt zuerst ein

  Der Streit um die Steckdose am Playmobil-Areal erreicht die Bürgerversammlung In meinem letzten Beitrag zu Playmobil hatte ich festgestellt, dass der wertvollste Baustein auf dem Areal in Dietenhofen am Ende die Steckdose war. Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass sich die Geschichte so schnell weiterdreht. Jetzt meldet die Fränkische Landeszeitung, dass die Zukunft des Playmobil-Geländes die Dietenhofener Bürgerversammlung beherrscht hat. Rund hundert Leute waren da, für eine Bürgerversammlung in einem Markt dieser Größe ist das ordentlich. Bürgermeister Johannes Förthner hat sich hinter die Pläne für den Rechenzentrums-Campus gestellt und bei der Gelegenheit das Vorgehen seiner Neuhöfer Amtskollegin Claudia Wust kritisiert. Was genau Förthner ihr vorwirft, steht hinter der Bezahlschranke, und ich werde hier nicht so tun, als wüsste ich es. Bekannt ist aus dem Anreißer seine Begründung für die Unterstützung: neue Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Das reicht alle...

Fujifilm: Von der Dunkelkammer zur digitalen Revolution

Wie ein japanischer Filmhersteller zum Technologiekonzern wurde – und dabei fast alles verlor, bevor er sich neu erfand. Es gibt Unternehmen, die sterben, wenn ihre Kernprodukte verschwinden. Und dann gibt es Fujifilm. Als die digitale Fotografie in den 2000er Jahren den analogen Film nahezu vollständig verdrängte, stand der japanische Konzern vor einem existenziellen Abgrund – und vollzog eine der erstaunlichsten Unternehmenstransformationen der modernen Wirtschaftsgeschichte. Doch der Weg dorthin begann fast 90 Jahre früher, in einer ganz anderen Welt. Die Geburtsstunde: Japan sucht seine eigene Filmbranche Das Jahr 1934 markiert den Beginn einer langen Geschichte. Japan importierte zu dieser Zeit seinen fotografischen Film fast ausschließlich aus dem Ausland – hauptsächlich von Kodak und der deutschen Agfa. Das war teuer, strategisch unbefriedigend und für ein Land, das industrielle Unabhängigkeit anstrebte, schlicht inakzeptabel. So wurde am 20. Januar 1934 die Fuji Photo Film Co.,...

Jede fünfte Empfehlung vom Amt

  Es gibt Gesetzesvorhaben, die man erst beim zweiten Lesen versteht, und solche, die man beim zweiten Lesen lieber nicht verstanden hätte. Der Digitale-Medien-Staatsvertrag Teil 2 gehört zur zweiten Sorte. Aufmerksam geworden bin ich durch ein Video von Prof. Christian Rieck , der das Thema mit der ihm eigenen spieltheoretischen Nüchternheit seziert. Danach habe ich mir angesehen, was tatsächlich im Entwurf steht. Es ist nicht weniger beunruhigend geworden. Worum es geht Medienpolitik ist in Deutschland Ländersache. Deshalb regeln die 16 Bundesländer über die Rundfunkkommission per Staatsvertrag, was im Fernsehen, im Radio und inzwischen auch im Netz gilt. Teil 1 des neuen Digitale-Medien-Staatsvertrags ist bereits beschlossen. Teil 2 ist der große Umbau, und zu dem gibt es seit Ende September einen Diskussionsentwurf mit 186 Seiten. Die öffentliche Anhörung läuft noch bis zum 13. November 2026. Der Kern, um den es mir geht: Plattformen mit algorithmischen Empfehlungen, also Y...

Alpine Divorce, zweiter Akt: Diesmal ging es bergauf

  Ein Notruf aus 2.600 Metern, zwei Begleiter auf dem Weg zum Gipfel und eine Debatte, die gerade erst angefangen hatte, sich zu beruhigen. Beim Großglockner-Fall habe ich mich im Podcast schon einmal ausgiebig aufgeregt. Ich dachte ehrlich gesagt, damit sei das Thema für mich erledigt, bis die Berufung entschieden ist. Dann kam dieser Sonntag, und mit ihm eine Meldung aus dem Hochkönigmassiv, bei der man zweimal lesen muss, um zu glauben, dass da nicht ein Zahlendreher in der Richtung steckt. Die Begleiter sind nicht abgestiegen, um Hilfe zu holen. Sie sind weiter hinauf. Was am Königsjodler passiert ist Drei junge Deutsche steigen am Samstagnachmittag in den Königsjodler ein. Wer den Klettersteig nicht kennt: Er gilt als einer der anspruchsvollsten der Ostalpen, rund 1.700 Höhenmeter bis hinauf zum Matrashaus auf 2.941 Metern, und er ist nichts, womit man nachmittags beginnt. Die Bergrettung Mühlbach nennt den Einstieg in ihrer Aussendung schlicht viel zu spät. Dazu kam eine ...

40 Jahre Schweizerhalle: Was bis heute niemand genau weiß

  Ein Nachtrag zum Jahrestag Heute vor 40 Jahren, in der Nacht zum 1. November 1986, brannte in Schweizerhalle bei Basel die Lagerhalle 956 des Chemiekonzerns Sandoz. Über die Katastrophe selbst habe ich bereits geschrieben, unter dem Titel „Die Sandoz-Katastrophe von Schweizerhalle 1986: Als der Rhein rot wurde“. Wer Ablauf, Fischsterben und die Folgen bis in die Niederlande nachlesen möchte, findet sie dort. Anlass für diesen Nachtrag ist ein Jubiläumstext von Sebastian Briellmann in der Neuen Zürcher Zeitung. Er rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die in meinem damaligen Beitrag zu kurz kam und die man nach vier Jahrzehnten eigentlich für erledigt halten würde: Warum hat es dort überhaupt gebrannt? Die ehrliche Antwort lautet bis heute: Man weiß es nicht genau. Man hat sich nur auf eine Version geeinigt. Kurz zur Erinnerung Kurz nach Mitternacht steht die Halle in Flammen. Rund 1350 Tonnen Chemikalien verbrennen, vor allem Agrarchemikalien, darunter quecksilberhaltige Verbi...

Zwei Barometer und ein Winter: Was der NAO-Index wirklich verrät

  Warum eine einzige Zahl über dem Nordatlantik mehr über unseren Winter sagt als jeder Super-El-Niño – und warum sie es uns trotzdem erst sagt, wenn es zu spät ist. Im Beitrag über El Niño habe ich behauptet, zwischen dem Pazifik und Cadolzburg stünden ein paar Faktoren, die über unseren Winter deutlich mehr zu sagen haben als das Christkind vor Peru. Der erste auf dieser Liste war die Nordatlantische Oszillation. Das war eine Behauptung ohne Beleg. Heute wird nachgeliefert. Und weil ich bekanntermaßen ein großer Freund von Kachelmannwetter bin, halte ich mich an deren Hausregel: erst die Daten, dann die Einordnung, und wenn man etwas nicht weiß, sagt man das. Klingt banal. Ist in der deutschen Wetterberichterstattung aber erstaunlich selten. Ein Wippbrett zwischen Lissabon und Island Die Grundidee ist so einfach, dass man sie fast übersieht. Man nehme zwei Wetterstationen: eine im Süden, im Einflussbereich des Azorenhochs, klassisch Lissabon oder Ponta Delgada auf den Azore...

Westwetterlage bis zum Abwinken – und dann kam Jurij

  Über den langweiligsten Normalfall des europäischen Wetters und warum er sich jedes Jahr als Drohung verkaufen lässt Es gibt Wetterlagen, die man ankündigen muss, und es gibt die Westwetterlage. Die müsste man in Mitteleuropa eigentlich gar nicht ankündigen, weil sie ohnehin regelmäßig vorbeikommt, ungefähr so zuverlässig wie die Nebenkostenabrechnung. Trotzdem lese ich seit Wochen Überschriften, in denen sie auftritt wie ein Naturereignis von biblischem Rang. Ein US-Wettermodell schlage Alarm, der November könne rekordwarm und stürmisch werden, ein Tief jage das nächste vom Atlantik herein. Für den Winter wurde in einer Kolumne gleich ein ganzer Schadenswinter mit Orkangefahr und volllaufenden Flüssen ausgerufen. Die Märchenjungen haben ihre Herbstkollektion vorgestellt. Heute ist der 1. November. Über Deutschland liegt Hoch Jurij, die Tiefs vom Atlantik kommen nicht durch, und wer morgens aus dem Fenster schaut, sieht vielerorts genau das, was laut Schlagzeile diesmal ausfal...