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Lurchis Erbe: Die faszinierende Geschichte der Salamander Schuhfabrik

Wer an Salamander denkt, hat meist sofort ein Bild im Kopf: Lurchi, der abenteuerlustige Feuersalamander, der seit Generationen Kinderherzen höherschlägt. Doch hinter der Comicfigur steckt eines der bedeutendsten Kapitel der deutschen Industriegeschichte. Es ist eine Geschichte von schwäbischem Erfindergeist, rasantem Aufstieg und dem Mut zur Neuerfindung. Die Anfänge: Ein Schuster aus Kornwestheim Alles begann im Jahr 1885. Der junge Schuhmachermeister Jakob Sigle eröffnete in Kornwestheim eine kleine Werkstatt. Er war ein Visionär: Während Schuhe damals meist noch mühsam von Hand gefertigt wurden, setzte Sigle früh auf Mechanisierung. Der entscheidende Wendemarke kam 1891, als er sich mit dem jüdischen Lederhändler Max Levi zusammenschloss. Gemeinsam gründeten sie die „J. Sigle & Cie.“, die Keimzelle des späteren Imperiums. Die Geburt einer Ikone (1904) Der Name „Salamander“ entstand eigentlich aus der Not heraus. Für ein neues Schuhmodell suchte man einen einprägsamen Namen. 190...

Von Velozipeden zu Weltruhm: Die Geschichte der Hercules-Werke

Wer an deutsche Zweiradgeschichte denkt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Hercules. Über Jahrzehnte prägten die Maschinen aus Nürnberg das Straßenbild – vom eleganten Damenrad bis zur legendären K 50. Doch wie wurde aus einer kleinen Werkstatt einer der bedeutendsten Fahrzeughersteller Europas? Die Anfänge: Mut auf zwei Rädern (1886–1900) Alles begann am 5. April 1886. In einer Zeit, in der das Fahrrad noch als gefährliches Spielzeug für Wagemutige galt, gründete Carl Marschütz in Nürnberg die „Velozipedfabrik Marschütz & Co“. Marschütz war ein Visionär. Während andere noch zögerten, setzte er auf die Serienfertigung. Da seine Räder für ihre enorme Stabilität und Langlebigkeit bekannt waren, lag der Name nahe: Hercules – nach dem griechischen Halbgott, der für seine Bärenkräfte berühmt war. Der Weg zur Motorisierung (1900–1945) Schon zur Jahrhundertwende erkannte man bei Hercules, dass die Zukunft nicht nur im Treten der Pedale lag.  * 1904: Das erste Hercules-Motorrad erblic...

Beliebt, bekannt, begehrt: Was aus der Bierstadt Fürth geworden ist

  Erntedankfestzug der Fürther Kärwa, und zwischen Kapellen und Trachten rollen ein Namen vorbei: Grüner Bier und Patrizier Bier. Dieser steht für eine Brauerei, die 1977 dichtgemacht wurde und deren Bier trotzdem jedes Jahr die Kirchweih eröffnet.  Fürth kann so etwas. Die größere Serie über fränkische Brauereikunst kommt noch. Das hier ist ein Vorgriff, weil der Festzug nicht auf meinen Redaktionsplan wartet. Und ja, ich trinke selbst kein Bier. Für Stadtgeschichte braucht man keinen Durst. 24 Braustätten und ein Aufschlag Fürth war einmal eine ernstzunehmende Bierstadt. Um 1500 sind sieben Brauereien belegt, 1731 waren es 24. Im 19. Jahrhundert sortierte die Industrialisierung aus: 1807 blieben acht, 1873 noch fünf. Diese fünf waren dafür groß. Wie wichtig das Bier war, zeigt eine Steuer. Seit 1813 gab es den Malz- und Bieraufschlag, und der gehörte zu den verlässlichsten Einnahmen der Stadt. Wer in Fürth trank, finanzierte Fürth. Ein Modell, das heute vermutlich als ...

Sieben Mann und ein Geheimnis: Wer da beim Fürther Erntedankzug mitläuft

  Sonntagmittag, Erntedankfestzug der Fürther Michaeliskirchweih. Kapellen, Festwagen, Trachten, das übliche und völlig zu Recht geliebte Programm. Und mittendrin eine Abordnung, bei der ich hängen bleibe: die Feldgeschworenen, in Franken besser bekannt als die Siebener. Den Begriff kennt hier jeder. Was genau dahintersteckt, wissen erstaunlich wenige, und ich nehme mich da ausdrücklich nicht aus. Also nachgeschaut. Das älteste Ehrenamt, das Bayern zu bieten hat Feldgeschworene sind ehrenamtliche Hüter der Grundstücks- und Gemeindegrenzen. Schriftlich belegt sind sie seit dem 13. Jahrhundert, hervorgegangen aus den alten Dorf- und Feldgerichten. Dass der Schwerpunkt in Franken liegt, hat einen handfesten Grund: Die Flur war hier besonders kleinteilig parzelliert. Viele Parzellen bedeuten viele Grenzen, und viele Grenzen bedeuten viel Streit. Dafür brauchte es Leute vor Ort, die sich auskannten und denen man glaubte. Ihre Arbeit ist bis heute dieselbe: Grenzsteine setzen, hö...

Von Drachen, Giganten und dem Geist von Kassel: Die Geschichte der Henschel-Werke

Wer heute durch Kassel schlendert, begegnet dem Namen Henschel auf Schritt und Tritt. Was 1810 als kleine Stückgießerei begann, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Industriekonzerne Europas. Es ist eine Geschichte von technischem Pioniergeist, rasantem Aufstieg, dunklen Kapiteln und dem Wandel einer ganzen Region. 1. Die Geburtsstunde: Aus dem Gießhaus in die Welt Alles begann am 28. Juni 1810. Georg Christian Carl Henschel gründete sein eigenes Unternehmen in Kassel, nachdem er zuvor in der fürstlichen Stückgießerei gearbeitet hatte. Zunächst lag der Fokus auf dem Maschinenbau, doch der eigentliche Durchbruch kam mit dem nächsten großen Ding des 19. Jahrhunderts: der Eisenbahn. 2. Der „Drache“ spuckt Feuer (1848) Unter der Leitung von Carl Anton Henschel wagte sich das Werk an ein ehrgeiziges Projekt. 1848 verließ die erste in Kassel gebaute Lokomotive die Werkshallen. Ihr Name: „Drache“. Dies war der Startschuss für eine beispiellose Karriere auf Schienen:  * Henschel wur...

Abschied von einer Legende: Warum mein Herz (und Magen) immer noch am Banjo-Riegel hängt

Wer heute durch die Süßwarenabteilung schlendert, sieht ein Meer aus Standard-Riegeln. Vieles schmeckt gleich, vieles ist einfach nur „süß“. Aber wer die 80er und 90er miterlebt hat, weiß: Da fehlt etwas. Ein ganz bestimmter, blau-gelb verpackter Kamerad ist seit 2009 offiziell aus den deutschen Regalen verschwunden – und hinterlässt bis heute eine Lücke, die kein Mars oder Snickers füllen kann. Ich rede natürlich vom Banjo. 1. Die Textur war das Gesetz Banjo war kein Riegel, den man einfach so herunterschlang. Es war ein Erlebnis. Die Kombination aus knuspriger Waffel, einer herrlich leichten Haselnusscreme und den gehackten Haselnüssen obenauf, alles umhüllt von Milchschokolade... das war Architektur in Riegelform. Während andere Riegel oft zäh oder klebrig waren, bot das Banjo dieses unverwechselbare „Cranch“-Gefühl. 2. "Einfach weggeputzt" – Das Marketing-Trauma Vielleicht liegt es auch an der psychologischen Kriegsführung der Werbung. Wer erinnert sich nicht an den Sloga...

9. Oktober: Zwei Beben in einer Minute

Soviel zu „meistens folgt nichts“. Einen Tag später hat das Egerbecken nachgelegt, wenn auch noch leiser. Am 9. Oktober registrierte WEBNET zwischen Luby und Markneukirchen zwei Beben im Abstand von einer Minute: um 12:21 Uhr MESZ in 13,1 Kilometern Tiefe und um 12:22 Uhr in 7,9 Kilometern Tiefe, beide mit Magnitude 0,1. Damit muss ich mich ein Stück korrigieren. Gestern habe ich von zwei getrennten Ereignissen gesprochen, die eher zufällig auf denselben Vormittag fielen. Zwei Beben binnen einer Minute im selben Gebiet sind dagegen kaum noch Zufall, die gehören zusammen. Entweder hat das eine das andere angestoßen, oder es ist derselbe Herdbereich, und die Tiefen streuen bei so winzigen Ereignissen stärker, als die Nachkommastelle vermuten lässt.  An beiden Tagen gab es je ein Beben im üblichen Stockwerk um 8 bis 9 Kilometer und eines deutlich darunter, bei 13 bis 16 Kilometern. Ob dort unten wirklich ein zweites Stockwerk arbeitet oder ob das Ortungsunschärfe ist, lässt sich aus v...