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Haben wir ein Bildungsproblem?

Über den schleichenden Verlust des kritischen Denkens – und was passiert, wenn eine Gesellschaft aufhört, Fragen zu stellen. Ich stelle mir diese Frage schon länger. Nicht aus intellektuellem Hochmut – sondern weil ich Dinge beobachte, die mich ernsthaft beunruhigen. Und ich glaube, es wäre feige, darüber zu schweigen, nur weil man damit aneckt. Also: Ja. Ich glaube, wir haben ein Bildungsproblem. Aber nicht das, über das in Wahlkampfreden gesprochen wird. Nicht zu wenig Digitalunterricht, nicht zu wenig Tablets, nicht zu wenig Förderprogramme. Das Problem sitzt tiefer. Es ist das stille Verschwinden einer Fähigkeit, die alles andere erst möglich macht: selbst zu denken. Physik ist keine Meinung Ich nenne nur ein Beispiel: Physik. Nicht Quantenmechanik, nicht Stringtheorie – ganz normale, schulmäßige Physik. Carnot-Prozesse. Wirkungsgrade. Energieübertragung. Das Zeug, das in der neunten Klasse drankommt. Als die Debatte um das Heizungsgesetz losging, hätte man meinen können, das sei e...

Die Thüringer Franken - Wenn Coburg nach Norden blickt

*Siebter Teil unserer Serie über die fränkischen Dialekte* Von Baden-Württemberg geht unsere Reise nun nach Thüringen - in ein Gebiet, das die deutsche Teilung besonders hart getroffen hat. Die Thüringer Franken rund um Sonneberg, Hildburghausen und das südliche Thüringen waren 40 Jahre lang von ihren bayerischen Verwandten getrennt. Was hat das mit der Sprache gemacht? Und wie fränkisch ist man geblieben, wenn man plötzlich "Ostdeutsch" war? ## Coburg - Das Tor nach Thüringen Coburg ist der Schlüssel zum Verständnis der Thüringer Franken. Als ehemalige Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Coburg-Gotha war Coburg jahrhundertelang nach Norden orientiert - nach Thüringen, nicht nach Bayern. **Coburger Dialekt-Besonderheiten:** - "Äh" statt "Ei": "Bräh" statt "Brei" - Thüringische Satzmelodie - mehr "singend" - "Courch" statt "Coburg" (mit gerolltem R) - Mischung aus ostfränkischen und thüringischen Elementen...

Schorsch mei Tropf'n — Signal2X und die Polizeiwache nebenan

Der Landkreis Fürth hat an der Rothenburger Straße zwölf Ampeln mit digitaler Busbeschleunigung ausgestattet. Busse, die pünktlicher fahren, sind ein Argument für den ÖPNV. Das ist richtig und gut. Dann aber. Ergänzend empfiehlt der Landkreis dem Autofahrer die Signal2X-App von Yunex Traffic. Die App zeigt die aktuelle Ampelphase, errechnet die optimale Geschwindigkeit und zählt Rotphasen herunter. Auf dem Smartphone. Im fließenden Verkehr. Auf einer Staatsstraße. Paragraph 23 Absatz 1a StVO. Hundert Euro. Ein Punkt. Wer das nicht kennt: Es ist das Verbot, während der Fahrt ein Mobiltelefon zu benutzen. Auch zum Ablesen einer App, die einem gerade erklärt, wie schnell man fahren soll. Jetzt kommt der Teil, den man sich nicht ausdenken kann. Die Polizeiwache Rothenburger Straße liegt an der Rothenburger Straße. Weniger als einen Kilometer von der Haltestelle entfernt, an der dieses System feierlich vorgestellt wurde. Mit Projektpartnern. Mit Pressetermin. Mit Landrat. Man hat also eine ...

Die Hohenloher Franken - Fränkisch in Baden-Württemberg

*Sechster Teil unserer Serie über die fränkischen Dialekte* Jetzt wird es politisch brisant: Wir verlassen Bayern und betreten Baden-Württemberg - aber sprachlich bleiben wir in Franken! Die Region Hohenlohe, rund um Schwäbisch Hall, Künzelsau und das Taubertal, ist ein faszinierender Sonderfall: Menschen, die sich als Franken fühlen, fränkisch sprechen, aber administrativ zu Baden-Württemberg gehören. ## Die vergessenen Franken Die Hohenloher Franken sind die "Vergessenen" der fränkischen Familie. Während ihre bayerischen Verwandten stolz ihre fränkische Identität pflegen, müssen die Baden-Württemberger oft erst erklären, dass sie gar keine Schwaben sind. **Die politische Realität:** - Gehören seit 1952 zu Baden-Württemberg - Fühlen sich aber kulturell und sprachlich als Franken - Sprechen südfränkisch mit eigenen Ausprägungen - Kämpfen um Anerkennung ihrer fränkischen Identität ## Schwäbisch Hall - Die heimliche Hauptstadt Schwäbisch Hall ist der Mittelpunkt der baden-württ...

Titan Ridge: Was bisher geschah — und was noch aussteht

svensagt.de — Update Juni 2026 Seit dem 8. Mai 2026 bricht im zentralen Bismarck-Meer, rund 125 Kilometer südöstlich von Manus Island in Papua-Neuguinea, ein submariner Vulkan aus. Der Ort hat inzwischen einen Namen: Titan Ridge. Nicht weil er ihn verdient hätte, sondern weil irgendjemand ihn benennen musste — und weil die lokale Titan-Bevölkerung, deren überlieferte Geschichte von einem versunkenen Inselheim handelt, den Begriff bereits kannte. Es lohnt sich, kurz innezuhalten und zu sortieren, was gesichert ist, was wahrscheinlich ist und was reine Spekulation bleibt. Was gesichert ist Am 8. Mai 2026 registrierte das Rabaul Volcano Observatory (RVO) einen seismischen Schwarmbeginn — das erste klare Signal, dass hier Magma unterwegs war. Vorläufer gab es bereits: seismische Ereignisse am 31. März und 25. April. Satellitendaten der NASA (Aqua, Terra) und des europäischen Copernicus-Sentinel-Programms zeigten ab dem 9. Mai Dampf-Asche-Säulen, Wasserverfärbungen und treibende Bimssteinfl...

Das kurze Gedächtnis der Energiepolitik Eschenfelden, Happurg und die Frage, was wir wirklich aus der Energiekrise gelernt haben

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Wer dieser Tage durch die Oberpfalz fährt und in der Nähe von Hirschbach die Kreisstraße AS 6 entlangrollt, sieht nicht mehr viel. Ein paar Rohre, ein Gelände im Rückbau, Renaturierungsankündigungen. Dass an dieser Stelle einmal ein Untergrundspeicher stand, der jahrzehntelang zur Gasversorgung Nordbayerns beigetragen hat, lässt sich allenfalls noch erahnen. Der Gasspeicher Eschenfelden ist Geschichte. Und das, obwohl wir eigentlich gerade in einem Moment leben, in dem jede verfügbare Speicherkapazität zählt. Nicht weit entfernt, östlich von Nürnberg bei Happurg, wird seit einiger Zeit kräftig investiert. Das dortige Pumpspeicherkraftwerk, das seit 2011 stillgelegt war, bekommt ein neues Leben. Rund 250 Millionen Euro steckt Uniper in die Sanierung. 2028 soll es wieder ans Netz. Zwei Infrastrukturanlagen, zwei verschiedene Energieträger, zwei völlig unterschiedliche Schicksale. Und dazwischen: eine energiepolitische Debatte, die wir längst hätten führen müssen. Eschenfelden: Ei...

Ansbach und die mittelfränkische Mitte - Wo Süd- und Ostfränkisch sich treffen

*Fünfter Teil unserer Serie über die fränkischen Dialekte* Nach unserer Reise durch Ober- und Unterfranken kommen wir nun in die mittelfränkische Mitte - ein Gebiet, das dialektologisch besonders spannend ist, weil hier verschiedene fränkische Strömungen aufeinandertreffen. Rund um Ansbach, Rothenburg ob der Tauber und die Frankenhöhe entsteht ein Dialektgemisch, das einzigartig ist. ## Ansbach - Die Residenzstadt im Wandel Ansbach, die alte Markgrafenresidenz, steht sprachlich zwischen den Welten. Hier treffen ostfränkische Einflüsse aus Nürnberg auf südfränkische aus Richtung Dinkelsbühl und Feuchtwangen - und beide Strömungen formen einen ganz eigenen mittelfränkischen Sound. **Ansbacher Eigenarten:** - "Seml" statt "Semmel" (wie wir es schon vom Landkreis Fürth kennen) - "Hoar" statt "Haar" - die südfränkische Diphthongierung greift hier schon - "Grumbern" statt "Erdäpfel" für Kartoffeln - "Fei" wird zu "Hal...