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Hochwürden und Genosse: Was aus Fernandel und Gino Cervi wurde

  Zwei Schauspieler, ein Dorf am Po und ein sechster Film, den es nie geben sollte Es gibt Filme, die man nicht im Kino gesehen hat, sondern im Fernsehen, an einem Sonntagnachmittag, und trotzdem kennt man sie besser als manchen Film, für den man Eintritt bezahlt hat. "Don Camillo und Peppone" gehört für meine Generation genau in diese Kategorie. Ein Pfarrer, der mit dem Gekreuzigten diskutiert wie mit einem Vorgesetzten, und ein kommunistischer Bürgermeister, der am Ende doch sein Kind taufen lässt. Mehr braucht es nicht, um Filmgeschichte zu schreiben. Anlass für diesen Beitrag ist ein Artikel auf joyn.de, der fragt, was eigentlich aus den beiden Hauptdarstellern geworden ist. Die kurze Antwort ist unspektakulär: Beide sind seit über fünfzig Jahren tot. Die lange Antwort ist interessanter, denn sie enthält einen verschollenen Film, einen Kommissar Maigret und einen Kommunisten-Darsteller, der im echten Leben für die Liberalen kandidierte. Das kleine Dorf und der große Er...

Zwei Stunden Pathos und der Wunsch nach einer Zigarette: Ein Kinoabend mit Godzilla

 Gestern war ich mit zwei meiner drei Patenkinder im Kino. Es lief „Godzilla Minus Zero“, die Fortsetzung von „Godzilla Minus One“, jenem japanischen Film, der 2024 überraschend den Oscar für die besten visuellen Effekte geholt hat. Die Erwartungen waren also nicht ganz klein. Die Ernüchterung kam trotzdem nicht vom Monster, sondern von der Erzählweise. Um es kurz zu machen: Man muss das japanische Kino gewohnt sein. Ich bin es nicht, und die beiden neben mir waren es auch nicht. Befremdlich war das Wort, auf das wir uns hinterher einigen konnten. Ich gebe offen zu, dass ich zwischendurch den dringenden Wunsch verspürte, kurz rauchen zu gehen. Das ist bei einem Film über eine sechzig Meter hohe, radioaktive Echse eine bemerkenswerte Leistung. Das hat mich trotzdem neugierig gemacht. Warum fühlt sich ein Godzilla aus Tokio so völlig anders an als einer aus Hollywood? Die Antwort liegt, wie so oft, in der Geschichte. 1954: Ein Monster aus dem Fallout Am 1. März 1954 zündeten die ...

Der Berater sitzt jetzt in Schweinfurt – und hat länger offen

  Fürth verliert sein DB-Reisezentrum. Ein Verlust ist das nur auf den ersten Blick Am 7. Dezember 1835 dampfte der Adler von Nürnberg nach Fürth, und mit ihm begann die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland. Entsprechend groß ist die Empörung, wenn ausgerechnet in Fürth etwas abgebaut wird, das nach Bahn aussieht. Zum Jahresende schließt das DB-Reisezentrum am Hauptbahnhof. Beratung gibt es dann nur noch im Video-Reisezentrum nebenan. Die Nürnberger Nachrichten melden, dass die Deutsche Bahn die Schließung trotz massiver Kritik aus der Politik und von Gewerkschaftsseite beschlossen hat. Stadt und Gewerkschaft hatten versucht gegenzusteuern. Man kann das verstehen. Man kann sich aber auch einmal anschauen, was eigentlich wegfällt und was bleibt. Was bisher geboten war Das Reisezentrum ist schon seit Jahren nur noch eingeschränkt geöffnet, zuletzt montags bis freitags von 7:15 bis 17:15 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen gar nicht. Wer berufstätig ist, hatte davon wenig. Wer...

Ein Blick über die Grenze: Die Schweiz baut Glasfaser, und die Berater bauen mit

 Manchmal lohnt sich der Blick über die Grenze, weil man dort das eigene Spiegelbild deutlicher sieht als zuhause. Diese Woche ist mir auf LinkedIn ein Beitrag von Urs Balke aus der Schweiz begegnet, der sich mit einer Branche beschäftigt, die beim Glasfaserausbau erstaunlich gut verdient, ohne jemals einen Graben aufzumachen: der Beratungsindustrie. Balkes Befund in Kurzform: In der Schweiz ist ein neues Berufsbild entstanden, der universell einsetzbare Glasfaserconsultant. Kein eigenes Netz, kein Bagger, kein Spleißgerät, kein nennenswertes Investitionsrisiko. Dafür Strategiepapiere, Präsentationen und eine Kette von Mandaten, bei der jeder Schritt die Begründung für den nächsten liefert. Standortbestimmung, Machbarkeitsstudie, Strategie, Ausschreibungskonzept, Ausschreibungsbegleitung, Angebotsauswertung, Vertragsverhandlung, Projektbegleitung, Controlling, Qualitätssicherung. Am Ende, so Balke, hat die Gemeinde einen Ordner voller Berichte, aber möglicherweise noch keinen einz...

Quatre Bras – Was ist heute noch übrig vom vergessenen Schlachtfeld?

Wer heute durch die flache wallonische Landschaft südlich von Brüssel fährt und die Kreuzung der N5 mit der N93 passiert, sieht zunächst wenig Aufregendes: ein paar Felder, Straßenschilder, Autos. Und doch steht man an einem Ort, der vor gut 210 Jahren Geschichte schrieb – Quatre Bras, die „Vier Arme", benannt nach der Form der Straßenkreuzung. ## Ein Weiler mit großer Vergangenheit Quatre Bras ist heute ein kleiner Weiler in der Gemeinde Genappe in der wallonischen Provinz Brabant. Es liegt an der Kreuzung der Straße von Charleroi nach Brüssel (N5) und der Straße von Nivelles nach Namur. [Wikipedia](https://en.wikipedia.org/wiki/Quatre_Bras) Mehr als ein Ortsschild und ein paar Denkmäler findet man hier nicht – und genau das macht Quatre Bras zu einem so eigentümlichen Ort. Die Geschichte ist allgegenwärtig, das Leben geht aber weitgehend unbeeindruckt daran vorbei. ## Die Schlacht, die den Weg nach Waterloo ebnete Am 16. Juni 1815 war diese unscheinbare Kreuzung der strategisch ...

Die Kiebitze: Was nach dem letzten Wenz übrig bleibt

  Vor ein paar Tagen habe ich hier über den Nachruf geschrieben, den Don Alphonso in der Welt auf Hubert Aiwanger verfasst hat. Über den Defiliermarsch, über das Bierzelt und über den Wenz, den der Hubsi politisch gespielt hat: allein gegen drei, mit dem Unter als einzigem Trumpf. Ich hatte damals einen Satz eher beiläufig eingebaut, nämlich dass es neben den Beileidsbekundungen auch die Häme derer gab, die selbst an so einem Tag die Finger nicht von der Tastatur lassen können. Inzwischen weiß ich, dass dieser Nebensatz eigentlich einen eigenen Beitrag verdient. Beim Schafkopfen gibt es noch eine vierte Rolle Wer Schafkopf kennt, kennt auch den Kiebitz. Das ist der, der nicht mitspielt, aber hinter dem Stuhl steht, in die Karten schaut und hinterher genau weiß, wie man es hätte besser machen können. Beim Wirt wird der Kiebitz geduldet, solange er den Mund hält. Fängt er an, das Spiel zu kommentieren, fliegt er raus. Das ist eine alte Wirtshausregel, und sie hat einen guten Gru...

Die unendliche Brücke: Asbest, Hotelnächte und das Nichts am Kanal

  Warum die Zirndorfer Brücke längst ihren eigenen Soundtrack hat Manchmal weiß ich bei Nachrichten aus der Heimat nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Bei der jüngsten Meldung zur Zirndorfer Brücke habe ich mich für beides entschieden, schön nacheinander. Im Hintergrund lief dabei ein Lied, das sich von selbst aufdrängt: Limahl, „Never Ending Story“, 1984, der Titelsong zu Wolfgang Petersens Verfilmung der „Unendlichen Geschichte“. Ich weiß. Aber manche Soundtracks sucht man sich nicht aus, die suchen einen. Wer hier regelmäßig mitliest, kennt die Vorgeschichte. Im Beitrag „Leib und Leben, aber bitte erst 2027“ ging es schon um die Vollsperrung im November 2025, um die Notfallrhetorik mit dem Verweis auf die Dresdner Carolabrücke und um die Frage, warum am Ende trotzdem alles beim ohnehin geplanten Termin landet. Jetzt gibt es ein neues Kapitel. Und wie es sich für eine unendliche Geschichte gehört, schließt es nichts ab, sondern verweist auf das nächste. Kapitel eins: Der ...