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Auch der Herr Dr. kennt jetzt die Schlange

Dirk Schümer hat in der Welt einen Beitrag geschrieben, der einen bemerkenswerten Satz enthält: Gesegnet, wer einen Trecker fahren kann. Verflucht, wer aus der Kanzlei fliegt und keinen Job mehr findet. Man muss das zweimal lesen, weil es so selbstverständlich klingt — und dabei so ungewohnt ist. Schümer beschreibt, wie sich Akademiker zum ersten Mal seit sehr langer Zeit beim Arbeitsamt einreihen. Ingenieure. IT-Spezialisten. Leute, denen man als Kind gesagt hat: Studiere, damit etwas aus dir wird. Die Reaktionsfolge, die er zitiert — erst überrascht, dann beschämt, dann enttäuscht — ist klinisch präzise. Wer sein ganzes Leben in der stillen Gewissheit gelebt hat, dass ein Abschluss eine Art Lebensversicherung ist, dem fehlt schlicht das mentale Werkzeug für diesen Moment. Das ist keine neue Arroganz. Schümer zeigt das kurz, aber treffend: Die Bildungskaste hat sich seit dem Mittelalter immer irgendwie durchgewunden. Wer lesen und schreiben konnte, hatte Macht über die, die es nicht k...

Mexiko-Stadt versinkt – und man ist überrascht

Es gibt Meldungen, die einen ratlos zurücklassen. Nicht weil der Inhalt neu wäre, sondern weil der Ton, in dem sie präsentiert werden, so tut, als ob er es wäre. Mexiko-Stadt sinkt ab. Das ist seit Jahrzehnten bekannt. Dass es jetzt Satellitendaten gibt, die das besonders präzise messen können, ist technisch interessant – aber keine Sensation. Trotzdem wird darüber berichtet, als hätte man gerade einen neuen Kontinent entdeckt. Fangen wir also von vorne an. Eine Stadt auf dem falschen Untergrund Mexiko-Stadt liegt auf dem Grund eines ehemaligen Sees. Das klingt pittoresk. Es ist in Wirklichkeit eines der ambitioniertesten Bauprojekte der Menschheitsgeschichte – und eines der rücksichtslosesten. Die Azteken haben Tenochtitlán auf künstlichen Inseln im Texcoco-See errichtet, die Spanier haben nach der Conquista den See schrittweise trockengelegt und die Stadt darüber gebaut. Was blieb, ist ein Untergrund aus weichen, wassergesättigten Tonsedimenten, der sich unter Last und Wasserentzug v...

Schneider Technologies: Die vergessene deutsche Computer-Pioniergeschichte

Die Geschichte der deutschen Computerindustrie ist geprägt von mutigen Unternehmern und innovativen Ideen. Eines der faszinierendsten Kapitel schrieb die Schneider Technologies AG aus dem bayerischen Türkheim – ein Unternehmen, das vom Holzwaschmaschinen-Hersteller zu einem der erfolgreichsten deutschen PC-Produzenten der 1980er Jahre avancierte. ## Von der Holzwaschmaschine zum Hi-Fi-Imperium Die Wurzeln der späteren Schneider Technologies AG reichen bis ins Jahr 1889 zurück, als Felix Schneider in Türkheim im Landkreis Unterallgäu mit der Fabrikation von Holzwaschmaschinen begann. Was heute kurios erscheinen mag, war der Grundstein für ein Unternehmen, das über ein Jahrhundert später die deutsche Computergeschichte mitprägen sollte. Auf die Produktion von Unterhaltungselektronik stellte die Firma unter Firmenchef Leo Schneider 1965 um, als die ersten Musikschränke produziert wurden. Es folgten weitere Meilensteine: 1971 kamen Musik-Kompaktanlagen hinzu und 1983 TV-Geräte mit eigenem ...

🌋 Update: Unterwasser-Vulkanausbruch in der Bismarcksee eskaliert – Größte Eruption 2026

Kurzzusammenfassung Ein **submariner Vulkan im zentralen Bismarck-Meer** (Papua-Neuguinea) führt eine explosive Eruption durch, die mittlerweile die **größte des Jahres 2026** darstellt. Der schottische Vulkan hat bereits ausgedehnte Bimsstein-Floße produziert und eine Eruptionswolke, die bis zu **14.000 ft (4.300 m)** über die Ozeanoberfläche aufstieg. ***  📍 Geografische Details | Parameter | Wert | |-----------|------| | **Position** | 3° Süd, 147,8° Ost | | **Tiefe** | ~770 Meter unter Wasser | | **Entfernung** | 128 km südöstlich von Lorengau (Manus-Provinz) | | **Offizieller Name** | Central Bismarck Sea (Vn: 250030) | | **Provisorischer Name** | "Titan Ridge Volcano" (noch nicht offiziell anerkannt) | ***  🌊 Aktuelle Eruptionsdaten (Stand: 16./17. Mai 2026) Zeitliche Entwicklung: - **08./09. Mai 2026**: Eruptionsbeginn mit Erdbebenschwarm (10 Beben mit Magnitude 4,6–5,6 in 10–41 km Tiefe) [1] - **11. Mai 2026**: Erste rätselhafte Aschewolke detektiert [2] - **12. Mai...

El Niño und die Propheten des Untergangs

Es gibt Menschen, die aus dem Wetter ein Geschäftsmodell gemacht haben. Nicht das Wetter selbst — das wäre ja legitim — sondern die Angst vor dem Wetter. Und kaum ein Begriff eignet sich dafür besser als El Niño. Klingt exotisch, ist klimatologisch tatsächlich relevant, und lässt sich hervorragend mit großen Zahlen garnieren, die niemand einordnen kann. Das Muster ist immer dasselbe: Ein El-Niño-Jahr wird angekündigt. Klimarekorde werden zitiert. Karten werden gezeigt, auf denen Europa in einem Farbspektrum zwischen Dunkelorange und Feuerrot leuchtet. Und dann wartet man — auf den Sommer, auf den Winter, auf irgendetwas, das die Vorhersage rechtfertigt. Manchmal trifft es sogar zu. Manchmal nicht. Das Entscheidende: Es wird hinterher selten ordentlich abgerechnet. Was El Niño wirklich ist — und was nicht El Niño ist eine periodische Erwärmung des tropischen Pazifiks, die das globale Klimasystem beeinflusst. Das ist Fakt, das ist Wissenschaft, das ist unbestritten. Auswirkungen auf Nied...

Die Geschichte der stabo Elektronik GmbH: Von den Anfängen bis heute

Die stabo Elektronik GmbH blickt auf eine über 60-jährige Erfolgsgeschichte zurück, die mit einem visionären Unternehmer begann und sich zu einem der führenden Anbieter von Funktechnik in Deutschland entwickelte. ## Die Gründung (1962) Die Geschichte von stabo begann am 14. März 1962, als Hans Kolbe das Unternehmen "Hans Kolbe & Co." in Hildesheim gründete. Der Name "stabo" selbst entwickelte sich aus dieser ursprünglichen Firmierung. Hans Kolbe, der unter Funkamateuren mit seinem Rufzeichen DL3LO bekannt war, erkannte früh das Potenzial der aufkommenden Funktechnik und Elektronik. ## Die ersten Jahre: Vielseitigkeit als Stärke (1960er Jahre) In den Anfangsjahren zeichnete sich stabo durch eine bemerkenswerte Produktvielfalt aus. Das Unternehmen produzierte nicht nur Funktechnik, sondern wagte sich auch in andere Bereiche der Elektronik und sogar des Spielzeugs vor: ### Experimentierbaukästen In den sechziger Jahren stellte stabo Experimentierbaukästen mit dem S...

Vojtěch Kryšpín auf der Lok 383 019-7: Wer hinter dem Namen steckt

Wer in Tschechien oder an einer internationalen Strecke eine ČD-Cargo-Vectron mit dem Namen **Vojtěch Kryšpín** sieht, schaut nicht nur auf eine Lokomotive, sondern auf ein Stück Eisenbahngeschichte. Der Name erinnert an einen Ingenieur, der die tschechoslowakische Fahrzeugbezeichnung bis heute geprägt hat. Besonders spannend: Die moderne Lok 383 019-7 trägt damit den Namen eines Mannes, dessen Arbeit noch immer im Bahnbetrieb sichtbar ist. Wer war Vojtěch Kryšpín? Vojtěch Kryšpín war ein tschechischer Lokomotivkonstrukteur und Eisenbahningenieur, der von 1876 bis 1959 lebte. Er arbeitete früh in der Lokomotiventwicklung und wurde zu einer wichtigen Figur der tschechoslowakischen Eisenbahnindustrie. Sein Name ist bis heute vor allem mit dem sogenannten Kryšpín-System verbunden, also der klassischen Fahrzeugnummerierung für Lokomotiven und Triebfahrzeuge.   Das Kryšpín-System Das Kryšpín-Schema war in der Tschechoslowakei über Jahrzehnte das zentrale System zur Kennzeichnung von Lok...