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Wackler an der Grenze, Nachtrag zu Teil 4: Innsbruck legt nach, diesmal auf der anderen Talseite

  Teil 4 war kaum fertig, da hat es im Inntal wieder gerumpelt. Freitagmorgen, 6:46 Uhr, östlich von Innsbruck. Ein Nachtrag, weil das neue Beben zweierlei liefert: eine Bestätigung, die noch fehlte, und eine Frage, die es vorher nicht gab. Was passiert ist Am Freitag, 9. Oktober 2026, um 6:46 Uhr bebte es im Raum Innsbruck-Hall erneut. VolcanoDiscovery führt das Ereignis mit Magnitude 3,1 und verortet es knapp sechs Kilometer östlich von Innsbruck, etwa einen Kilometer ostsüdöstlich von Rum, zwei Kilometer südlich von Thaur und vier Kilometer westlich von Hall in Tirol. Bis zum frühen Nachmittag gingen dort 445 Wahrnehmungsmeldungen ein, die meisten aus Innsbruck, Hall und Rum. Die Schilderungen kennt man inzwischen: erst ein Knall, dann ein tiefes Grollen, klirrende Gläser. Wer noch schlief, war danach wach. Ein Beben, neun Auswertungen Die 3,1 stammt vom amerikanischen USGS. Wer die Vergleichsliste auf derselben Seite liest, findet für dasselbe Beben neun Auswertungen mi...

Kanton Übrig: Als Vorarlberg fast Schweizer geworden wäre

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Stell dir vor, du fährst von Bregenz nach Feldkirch und merkst plötzlich, dass du statt Euro mit Franken bezahlst, die Autobahnvignette ganz anders aussieht und die Nationalhymne nicht „Land der Berge“, sondern der „Schweizerpsalm“ ist. Was heute wie ein absurdes Gedankenexperiment klingt, war vor gut 100 Jahren kurz davor, Realität zu werden. Willkommen zur Geschichte des „Kantons Übrig“. 1919: Ein Land am Scheideweg Wir schreiben das Jahr 1919. Der Erste Weltkrieg ist vorbei, die mächtige Habsburgermonarchie ist in sich zusammengebrochen. Österreich, wie wir es heute kennen, steckte noch in den Kinderschuhen und kämpfte mit massiver Not, Hunger und politischer Instabilität. In Vorarlberg herrschte eine bittere Stimmung. Man fühlte sich vom fernen Wien im Stich gelassen. Die wirtschaftlichen Kontakte zur Schweiz waren ohnehin eng, und die kulturelle Nähe (beide teilen den alemannischen Dialekt) war weitaus größer als die zum bairisch geprägten Restösterreichs. Die „Sause“ zur Abstimmu...

Nachtrag zur Vulkankarte: Der Abschlussbericht ist da, und die Rhön sitzt in der zweiten Reihe

  Im März habe ich hier über die Frage geschrieben, wo in Deutschland in ferner Zukunft wieder Vulkane entstehen könnten. Anlass war damals ein Artikel von Jens Skapski auf erdbebennews.de über eine Arbeit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, kurz BGR. Jetzt macht auf Facebook eine Meldung der BGR selbst die Runde, mit Deutschlandkarte, bunten Flecken und dem Hinweis auf den Abschlussbericht zum Projekt „Magmatismus“. Die Kommentarspalten tun, was Kommentarspalten tun. Ich habe mir angesehen, was daran neu ist. Dieselbe Karte in anderer Verpackung Die kurze Antwort: wenig. Hinter der Meldung steht dieselbe Arbeitsgruppe wie im März, nämlich Alexander Bartels, Lisa Rummel und Franz May von der BGR in Hannover. Das Projekt „Magmatismus“ lief von 2019 bis Ende 2024. Unterwegs sind mehrere Berichte entstanden, darunter 2023 ein Ergebnisbericht mit den ersten deutschlandweiten Karten. Die englische Fassung der Methode ist am 2. März 2026 als Kapitel C des USGS Prof...

Nachtrag: Der Schläfer dreht sich im Bett um

  Schläfer unter Europa – Egerbecken, Stand 8. Oktober 2026 Am 8. Oktober 2026 hat sich das Egerbecken zweimal bemerkbar gemacht, wobei „bemerkbar“ ein großes Wort ist. Um 8:27 Uhr MESZ registrierte das tschechische Messnetz WEBNET des Geophysikalischen Instituts der Akademie der Wissenschaften ein Beben der Magnitude 0,3 bei Luby, dem früheren Schönbach, in 8,7 Kilometern Tiefe. Genau anderthalb Stunden später, um 9:57 Uhr, folgte eines mit Magnitude 0,2 bei Markneukirchen auf der sächsischen Seite, diesmal in 15,6 Kilometern Tiefe. Gespürt hat das niemand. Bei diesen Werten wackelt nicht einmal die Kaffeetasse, da braucht es empfindliche Seismometer, um überhaupt etwas zu sehen. Ein Schwarm ist das auch nicht, denn dafür müssten sich Dutzende bis Hunderte Ereignisse in kurzer Zeit am selben Herd drängen. Genau das ist hier nicht der Fall, und die Tiefen zeigen es. Die 8,7 Kilometer bei Luby liegen dort, wo man sie erwartet: Der Neujahrsschwarm saß nach Angaben des sächsischen...

Wackler an der Grenze, Teil 4: Eine Nacht, zwei Berge, keine bequeme Erklärung

  Innsbruck legt elf Tage nach dem 3,8er mit einer 3,7 nach, und am Hochstaufen stampft es hundertfach – ausgerechnet nach Monaten, in denen es dort zu wenig geregnet hat. Teil 3 dieser Reihe war als vorläufiger Schlusspunkt gedacht. Die Erdkruste hält sich allerdings nicht an Redaktionspläne, und so sitze ich keine zwei Wochen später wieder vor den Meldungen von Jens Skapski aus der Gruppe „Erdbeben in Deutschland“. Diesmal sind es gleich drei, und sie betreffen beide Schauplätze, die hier schon zu Gast waren: das Inntal bei Innsbruck und den Hochstaufen bei Bad Reichenhall. In derselben Nacht, im selben Zeitfenster, rund 120 Kilometer voneinander entfernt. Innsbruck, 3:02 Uhr In der Nacht auf den 7. Oktober bebte es südöstlich von Innsbruck gegen 3:02 Uhr mit einer Magnitude von 3,7. Das Beben wurde im Inntal deutlich verspürt und hat viele Anwohner aus dem Schlaf geholt. Im äußersten Süden Bayerns, rund um Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen, könnten Ausläufer angekomme...

Wackler ohne Grenze: Warum es mitten auf der australischen Platte bebt

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Sven sagt · Erdbeben bei Korumburra, Victoria, 3. Oktober 2026 Wer in dieser Reihe mitgelesen hat, kennt das Muster. Worms, das Egerbecken, der Hochstaufen, Innsbruck: Jedes Mal ließ sich der Wackler irgendeiner Naht zuordnen, einem Graben, einem Gebirgsrand, einer Stelle, an der zwei Dinge aneinander reiben. Am vergangenen Wochenende hat sich ein Beben gemeldet, das diese bequeme Ordnung ignoriert. Es liegt rund 16.000 Kilometer entfernt, und die nächste Plattengrenze ist von dort aus ungefähr so weit weg wie von Franken aus die Sahara. Was passiert ist Am Samstag, 3. Oktober 2026, um 2:01 Uhr Ortszeit bebte die Erde in South Gippsland im australischen Bundesstaat Victoria. Bei uns war es da Freitagabend, 18:01 Uhr. Geoscience Australia gibt die Magnitude mit 4,8 an, der US-Dienst USGS mit 4,7, die Herdtiefe lag bei rund zehn Kilometern. Das Epizentrum saß bei dem Dörfchen Arawata, etwa sechs Kilometer nordöstlich von Korumburra und rund 100 Kilometer Luftlinie südöstlich von Mel...

Immer dasselbe: Wenn die Glasfaserbohrung die Gasleitung findet

  Obermichelbach ohne Gas, vier alte Fragen und eine, die in dieser Branche niemand stellt Am Mittwochabend, dem 7. Oktober, hat in Obermichelbach eine Erdbohrung für den Glasfaserausbau eine Gasleitung getroffen. Nicht irgendeine, sondern nach Angaben des Netzbetreibers infra Fürth eine Hochdruckleitung, und zwar in der Rothenburger Straße. Der Betreiber hat die Hauptleitung in der Nacht komplett abgeriegelt, die Feuerwehr hat gesperrt und gemessen, das Restgas durfte bis tief in die Nacht kontrolliert entweichen. Seit Donnerstagmorgen gräbt ein Spezialunternehmen nach der Schadstelle. Der ganze Ort ist bis auf Weiteres ohne Gas, und wann sich das ändert, kann derzeit niemand sagen. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand laut Behörden nicht. Das ist die gute Nachricht, und sie ist nicht selbstverständlich. Obermichelbach liegt im Landkreis Fürth, also in meinem Landkreis. Ich baue seit 2013 Glasfaser. Ich lese solche Meldungen deshalb mit einem Gefühl, das irgendwo zwischen F...