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Currywurst, Grilletta, Kettwurst, Hotdog und Co. – Die Geschichte des Fastfood im geteilten und vereinten Deutschland

Die deutsche Imbisskultur erzählt eine faszinierende Geschichte von Teilung, Eigenständigkeit und Wiedervereinigung. Während in West-Berlin die Currywurst zum Symbol der Wirtschaftswunderjahre wurde, entwickelte die DDR ihre ganz eigenen Fastfood-Varianten. Ein Blick auf die Würstchenbuden diesseits und jenseits der Mauer offenbart mehr über Deutschland als man zunächst vermuten würde. ## Die Currywurst: Westdeutsche Legende Die Geburtsstunde der Currywurst ist legendenumwoben. Herta Heuwer soll 1949 an ihrem Imbissstand in Berlin-Charlottenburg Tomatenmark, Currypulver und weitere Gewürze zu einer Sauce vermischt und über eine Brühwurst gegossen haben. Ob diese Geschichte in allen Details stimmt, ist umstritten, doch die Currywurst wurde zweifellos zur kulinarischen Ikone Westdeutschlands. In den Wirtschaftswunderjahren stand die Currywurst für den schnellen Happen zwischendurch, für Arbeiter auf Baustellen und für den neuen Wohlstand. Besonders im Ruhrgebiet und in West-Berlin entwic...

Deutscher Radiopreis 2026: Ein Verein feiert seine Mitglieder

Die Nominierungskommission des Grimme-Instituts hat verkündet, was ohnehin feststand: Die deutsche Radiobranche hat sich wieder selbst nominiert. 139 Radioprogramme reichten 430 Beiträge ein, verteilt auf neun Kategorien mit je drei Finalisten, dazu fünfzehn Nachwuchskräfte in der Kategorie Newcomer. Am 10. September wird das im Theater an der Elbe in Hamburg mit der gebotenen Feierlichkeit verkündet. Ich habe mir die Meldung durchgelesen, und selten hat ein Text so zuverlässig belegt, wovon ich seit Jahren rede. Was auf den ersten Blick wie Berichterstattung aussieht, ist bei genauerem Hinsehen vor allem eine Aneinanderreihung von Selbstauskünften. Ein Sender wird nominiert, der Sender gibt eine Stellungnahme heraus, in der er sich selbst zur Nominierung beglückwünscht, und diese Stellungnahme wird anschließend von der Fachpresse eins zu eins weitergereicht. Ein geschlossenes System: Wer den Preis stiftet, kommt aus derselben Branche, die nominiert wird, wer nominiert wird, feiert sic...

Die große Bratwurst-Reise: Von Nürnberg bis Thüringen

Wenn es um kulinarische Traditionen geht, steht die Bratwurst ganz oben auf der Liste deutscher Spezialitäten. Doch Bratwurst ist nicht gleich Bratwurst – zwischen Franken und Thüringen gibt es feine, aber entscheidende Unterschiede, die jede Sorte zu einem eigenen Erlebnis machen. ## Die Nürnberger Rostbratwurst: Klein, aber oho Die kleinste im Bunde ist zugleich eine der berühmtesten: Die Nürnberger Rostbratwurst darf nur fingerlang sein – maximal neun Zentimeter bei einem Gewicht von 20 bis 25 Gramm. Seit 2003 genießt sie EU-weiten Herkunftsschutz und darf nur in Nürnberg hergestellt werden.  Das Geheimnis liegt in der Würzung: Majoran dominiert, ergänzt durch Pfeffer, Salz, Knoblauch und manchmal eine Prise Muskat. Das Fleisch stammt traditionell vom Schwein, und die Würste werden über Buchenholz gegrillt. Serviert werden sie klassisch zu drei, sechs oder zwölf Stück – entweder auf Sauerkraut oder im knusprigen Brötchen als "Drei im Weggla". In der Vorweihnachtszeit sind ...

Die faszinierende Geschichte der Registrierkasse

Die Registrierkasse ist aus dem modernen Einzelhandel nicht wegzudenken. Doch wie entstand dieses unverzichtbare Gerät, das heute in Millionen von Geschäften weltweit steht? ## Der Anfang: Ein Saloon-Besitzer wird erfinderisch Die Geschichte der Registrierkasse beginnt im Jahr 1879 in Dayton, Ohio. James Ritty, Besitzer eines Saloons, hatte ein Problem: Seine Angestellten stahlen regelmäßig aus der Kasse. Auf einer Europareise beobachtete Ritty ein mechanisches Gerät, das die Umdrehungen der Schiffsschraube zählte. Diese Beobachtung inspirierte ihn zu einer bahnbrechenden Idee. Zurück in den USA entwickelte Ritty zusammen mit seinem Bruder John die erste mechanische Registrierkasse. Das Gerät namens "Ritty's Incorruptible Cashier" sollte jede Transaktion aufzeichnen und so Diebstahl verhindern. Es verfügte über Tasten für verschiedene Geldbeträge und eine Glocke, die bei jedem Verkauf läutete – daher stammt übrigens die Redewendung "klingelnde Kassen". ## Die Är...

Wenn die Nazca-Platte sich räuspert: Das Beben von Chocó

10./11. August 2026 – Kolumbien, Magnitude 7,4 Am Montagmorgen um 7:34 Uhr Ortszeit hat es im Westen Kolumbiens ordentlich gescheppert. Epizentrum: nahe San José del Palmar im Departamento Chocó, Herdtiefe rund 103 Kilometer, Magnitude 7,4. Zum Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe, spricht der städtische Verbund Asocapitales von 132 Toten, der frisch vereidigte Präsident Abelardo de la Espriella nannte zuvor die Zahl 111. Die Differenz zwischen beiden Angaben sagt mehr über den Zustand der Lagemeldungen zwei Tage nach einem Starkbeben aus als jede Pressemitteilung: Man zählt noch, und die Zahl wird weiter steigen. In Pereira, das bislang die meisten Opfer beklagt, sind 58 Gebäude vollständig eingestürzt. In Cali, der Millionenstadt südlich des Epizentrums, meldet man drei eingestürzte Krankenhäuser, rund 40 zerstörte Gebäude und 188 Vermisste. Sechs Flughäfen sind außer Betrieb, Strom- und Telefonnetz sind löchrig, und in Manizales hat es die Kathedrale erwischt – falls jemand n...

Die Geschichte der Erdbeben in Italien seit 1900

Italien liegt in einer der seismisch aktivsten Zonen Europas, geprägt durch die Kollision der afrikanischen und eurasischen tektonischen Platten. Seit 1900 haben zahlreiche schwere Erdbeben das Land erschüttert und tiefe Spuren in seiner Geschichte hinterlassen. ## Die verheerendsten Katastrophen des 20. Jahrhunderts Das Messina-Erdbeben von 1908 markiert einen der dunkelsten Momente in Italiens Geschichte. Am 28. Dezember erschütterte ein Beben der Stärke 7,1 die Straße von Messina zwischen Sizilien und Kalabrien. Der darauf folgende Tsunami verschlimmerte die Situation dramatisch. Schätzungen zufolge forderte die Katastrophe zwischen 75.000 und 200.000 Menschenleben und zerstörte die Städte Messina und Reggio Calabria nahezu vollständig. ## Das Friaul-Erdbeben von 1976 Am 6. Mai 1976 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,4 die Region Friaul im Nordosten Italiens. Das Beben forderte 989 Menschenleben und verletzte etwa 2.400 Menschen. Rund 157.000 Menschen wurden obdachlos. Besonders...

Die Geschichte der Geldautomaten: Von der Revolution bis zur Selbstverständlichkeit

Heute sind sie an jeder Straßenecke zu finden und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken: Geldautomaten. Doch die Möglichkeit, rund um die Uhr Bargeld abzuheben, ist eine relativ junge Errungenschaft. Die Geschichte dieser Maschinen ist eine faszinierende Reise durch technologische Innovation und gesellschaftlichen Wandel. ## Die Geburtsstunde des Geldautomaten Die Frage, wer den ersten Geldautomaten erfunden hat, ist überraschend umstritten. Am 27. Juni 1967 installierte die Barclays Bank in London den ersten funktionsfähigen Geldautomaten der Welt. Entwickelt wurde er von John Shepherd-Barron, einem schottischen Erfinder, dem die Idee angeblich kam, als er zu spät zur Bank kam und kein Geld mehr abheben konnte. Die Parallele zu Schokoriegelautomaten inspirierte ihn: Warum nicht auch Geld auf diese Weise ausgeben? Dieser erste Automat war noch weit entfernt von den heutigen Geräten. Statt Plastikkarten verwendeten Kunden radioaktiv markierte Schecks, die von der Maschine erkannt wu...