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Piep, piep – die vergessene Revolution der Pager

*Technikgeschichte · ca. 8 min Lesezeit* Lange bevor das Smartphone unser Leben auf den Kopf stellte, sorgte ein handflächengroßes Gerät mit einem schlichten Piepston für eine stille Revolution in der Kommunikation. Der Pager – auch Funkrufempfänger oder Beeper genannt – war das erste Gerät, das Menschen ortsunabhängig und in Echtzeit erreichbar machte. Was bescheiden begann, sollte die Welt für immer verändern. **Die Geburtsstunde: New York, 1950** Die Idee, Menschen drahtlos auf sich aufmerksam zu machen, ist älter als man denkt. Bereits 1921 experimentierte die Detroit Police Department mit einem einseitigen Funksystem für ihre Streifenwagen. Doch der erste kommerzielle Pager im modernen Sinne wurde 1950 vom Pionier Al Gross erfunden – demselben Mann, der auch das Walkie-Talkie und das Schnurlostelefon mitentwickelte. Den offiziellen Startschuss gab das New Yorker Krankenhaus Alexian Brothers, das ein Kommunikationssystem einsetzte, um Ärzte im Gebäude zu erreichen. Das System war s...

Vogeltränken: Wenn der Bauhof sich nicht traut

  Über gebrochenes Gefälle, stehendes Wasser und eine Bauabnahme, die keine war Vorher war die Straße eben, und das Wasser floss ab. Nachher war die Straße immer noch da, der Gehweg auch, aber das Wasser blieb stehen. Und zwar an unzähligen Stellen, in kleinen, ordentlich gesetzten Mulden, über die sich jeder Spatz freut. Diese Beobachtung stammt von einem Mann, der es wissen muss. Er war viele Jahre Straßenmeister und arbeitet heute in einem Bauamt im fränkischen Raum. Er gehört zu denen, die mich überhaupt erst auf die Idee gebracht haben, ein Buch über den Glasfaserausbau zu schreiben. In seinem Wohnort war gerade Glasfaser verlegt worden, und mit der Glasfaser kamen die Vogeltränken. Wie aus einem Graben eine Pfütze wird Ein Graben ist ein Eingriff, und zwar ein ziemlich grober. Wird er verfüllt, muss das Material lagenweise eingebracht und verdichtet werden. Geschieht das nicht sauber, setzt es sich, sobald Regen, Frost und Verkehr ihre Arbeit tun. Die Oberfläche folgt d...

Die Geschichte der Standardisierung: Wie Normen die Welt zusammenhielten

*Von der Schraube bis zum Internet – Standardisierung ist eine der unterschätztesten Triebkräfte der modernen Zivilisation. Ohne sie wäre weder die Industrialisierung noch das digitale Zeitalter möglich gewesen.* --- ## Was ist ein Standard – und warum brauchen wir ihn? Ein Standard ist eine vereinbarte, häufig schriftlich festgelegte Regel, die beschreibt, wie Dinge gemacht, gemessen oder bezeichnet werden sollen. Standards können technischer Natur sein – etwa die Gewindegröße einer Schraube – oder organisatorischer Natur, wie die Buchführungsregeln eines Unternehmens. Ihr Kern ist immer derselbe: Verlässlichkeit durch Einheitlichkeit. Ohne Standards würde jede Interaktion zwischen Fremden erheblichen Aufwand erfordern. Jedes Mal, wenn zwei Parteien zusammenarbeiten wollen, müssten sie von Null anfangen und Begriffe, Maße und Methoden aushandeln. Standards nehmen uns diese Arbeit ab – sie sind gleichsam die unsichtbare Infrastruktur der Zusammenarbeit. --- ## Die Antike: Erste Schritt...

Ein Flüstern im Conflent: Das Mini-Beben bei Prades und der Schatten von 1428

Wackler an der Grenze – diesmal ganz wörtlich Montagabend, 20:05 Uhr. Während in Franken die Leute den Fernseher anschalten, zuckt in den östlichen Pyrenäen kurz die Erde. Stärke 1,24, rund 21 Kilometer westlich von Prades im Département Pyrénées-Orientales, Region Okzitanien. Gemeldet hat es Volcano Discovery, die Primärdaten stammen vom französischen Erdbebendienst RéNaSS. Zwölf Stationen haben das Ereignis registriert, die Tiefe wird mit 10 Kilometern angegeben, gespürt hat es niemand. Bei so einer Meldung gibt es zwei Reaktionen. Die eine lautet: Was soll man über ein Beben schreiben, das nicht einmal die Katze bemerkt hat. Die andere lautet: Gerade deshalb. Ich habe hier vor zwei Wochen über Plaidt in der Osteifel geschrieben, mit Magnituden von 1,6 und 0,8. Die Regel gilt weiter: Ein kleines Beben ist kein Ereignis, aber es ist ein Fingerzeig. Interessant ist nicht, wie stark es war, sondern wo. Wo genau das eigentlich liegt Prades ist der Hauptort des Conflent, jener Talschaft a...

Rudern auf dem Krokodilfluss: Wie Rockhampton olympische Sicherheit neu definiert

Es gibt Entscheidungen, die man nur verstehen kann, wenn man akzeptiert, dass Sportpolitik und Risikobewertung manchmal in getrennten Räumen verhandelt werden, ohne dass jemand die Tür zwischen ihnen aufmacht. Die Wahl des Fitzroy River bei Rockhampton als Ruderstrecke für die Olympischen Spiele 2032 ist ein Lehrstück dafür. Der Fitzroy River ist, das bestreitet inzwischen niemand mehr ernsthaft, ein anerkanntes Krokodilhabitat. 2017 wurde in der Nähe von Rockhampton die Leiche eines 5,2 Meter langen Salzwasserkrokodils aus dem Fluss geborgen. Sichtungen großer Exemplare gehören zum laufenden Betrieb, nicht zur Ausnahme. Trotzdem hat die Fitzroy Rowing Club-Präsidentin Sarah Black die mediale Zuspitzung als übertrieben zurückgewiesen und auf regelmäßige Abstimmungen mit den Umweltbehörden verwiesen. Man kenne das Verhalten der Tiere, sagte sie, das sei alles risikogesteuert und werde im Sport ziemlich gut gehandhabt. Das ist eine bemerkenswerte Formulierung für ein Gewässer, in dem Ti...

Drei Runden, ein Muster: Schaeffler und der leise Abschied aus Deutschland

  Warum beim Stellenabbau in Herzogenaurach nicht nur der Vorstand am Tisch sitzt Von meiner Haustür bis zum Schaeffler-Campus in Herzogenaurach sind es ein paar Kilometer. Man fährt an Feldern vorbei, an Gewerbegebieten, und irgendwann taucht dieses Firmengelände auf, das für die Region über Jahrzehnte so etwas wie eine Lebensversicherung war. Wer bei Schaeffler unterkam, hatte es geschafft. Das hat man in Franken so gesagt, und man hat es auch so gemeint. Heute früh kam die nächste Meldung. Und ich merke, dass sie mich nicht mehr überrascht. Das ist vielleicht das eigentlich Bemerkenswerte daran. Die Zahlen Schaeffler will in Europa weitere 3460 Stellen streichen, davon 2660 in Deutschland. Vier deutsche Standorte sollen geschlossen oder aufgegeben werden: Dortmund mit 430 Beschäftigten, Morbach mit 160, Berlin mit rund 270 und Schwalbach mit 385, wobei ein Großteil der Schwalbacher nach Frankfurt wechseln soll. Betroffen sind insgesamt 16 Standorte in Europa. Für Franken h...

Alpine Divorce, dritter Akt: Diesmal ging es bergab

  Nachtrag zu „Alpine Divorce, zweiter Akt: Diesmal ging es bergauf“ Am Sonntag habe ich mich über den Hochkönig aufgeregt. Über zwei Begleiter, die einen 20-Jährigen aus dem Nürnberger Raum am Königsjodler auf 2600 Metern zurückließen und weiter Richtung Gipfel stiegen, während er den Notruf absetzte. Ich dachte, damit sei das Thema für diesen Herbst durch. Dann las ich die Sammelmeldung zum Wochenende, und es stellte sich heraus: Am selben Allerheiligentag, ein paar Bergketten weiter westlich, hatte jemand die Variante in die andere Richtung ausprobiert. Was am Stopselzieher passiert ist Ein 21-Jähriger aus Bayern und eine 17-Jährige aus Baden-Württemberg brechen am 1. November gegen halb zwei Uhr nachts in Ehrwald auf. Ziel ist der Sonnenaufgang auf der Zugspitze, Route ist der Klettersteig Stopselzieher. Auf rund 2500 Metern stecken sie im teils kniehohen Schnee fest, das Weitergehen ist zu gefährlich. Dann trennen sie sich. Er steigt ins Tal ab. Sie bleibt oben und setzt d...