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Ist Haltungsjournalismus eigentlich Journalismus?

Im Prinzip nein — und der Vertrauensverlust ist vollkommen berechtigt Im Prinzip ja, antwortete Radio Eriwan einst auf fast alles — aber dieses Mal muss der Sender eine Ausnahme machen. Im Prinzip nein. Was heute in vielen deutschen Redaktionen unter dem stolzen Namen »Haltungsjournalismus« firmiert, ist Journalismus ungefähr so, wie eine Postkutsche ein Raumschiff ist: Man sitzt zwar drin, bewegt sich auch irgendwie fort — aber man landet nicht dort, wo man hingehört. ▶ Anfrage aus dem Hörerkreis Hörer Meyer aus Bielefeld fragt: »Lieber Radio Eriwan, stimmt es, dass Haltungsjournalisten die Wahrheit berichten?« ◀ Antwort des Senders Im Prinzip ja — aber nur die Wahrheit, die sie vorher selbst hineingelegt haben. Das ist ungefähr so, wie wenn man ein Osterei versteckt, es dann sucht und triumphierend ausruft: »Seht her, ich habe die Natur entdeckt!« “ Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er...

Erdbeben-Alarm in Colorado: Was hinter dem Beben bei Stonewall Gap steckt

Stell dir vor: Mitten in den zerklüfteten Bergen Colorados bebt der Boden – 18 Kilometer südlich von Stonewall Gap, einem idyllischen Gap in Las Animas County. Am 10. April 2026 um 08:59 Uhr Ortszeit (06:59 UTC) schlug das USGS Alarm: Ein Erdbeben der Stärke 3,5 erschütterte die Region. Spürbar, aber harmlos – doch was bedeutet das für eine scheinbar ruhige Ecke der USA? **Die Fakten: Kürzliche Beben-Serie**   Das M 3,5-Beben bei 36.994°N 104.968°W (Tiefe 7,6 km) ist kein Einzelfall. In Las Animas County gab es seit 2025 über 70 Nachbeben bis M 3,9, darunter:   - M 2,8 am 11. März, 16 km SSE von Stonewall Gap. - M 3,2 am 5. April, nahe der County. - M 2,5 am 4. April in der Umgebung. Stand 11. April: Nur schwache M 1,2-Nachzügler. Keine Schäden, aber Social Media explodierte mit Berichten. **Geologische Hintergründe: Der Rio Grande Rift**   Colorado ist kein "Ruhepol" – dank des Rio Grande Rifts, einem 28 Millionen Jahre alten Grabenbruch östlich der Sangre...

Die Geheime Sprache der Meere: Eine kurze Geschichte des Flaggenalphabets

Bevor es Funk, Satellitentelefone und E-Mails gab, gab es auf den Weltmeeren nur eine Sprache, die jeder Seemann verstehen musste: die Sprache der Flaggen.  Das Internationale Flaggenalphabet, auch als "International Code of Signals" (INTERCO) bekannt, ist ein faszinierendes Kommunikationssystem, das die Schifffahrt über Jahrhunderte geprägt hat.  Es ist nicht nur ein Überbleibsel aus alten Zeiten, sondern auch heute noch ein wichtiger Bestandteil der maritimen Sicherheit. Die Anfänge: Ein Durcheinander der Signale In den Anfängen der Seefahrt war die Kommunikation zwischen Schiffen chaotisch. Jede Nation und sogar jede Flotte hatte ihre eigenen, oft geheimen, Signalcodes. Das führte zu Missverständnissen und war besonders in Gefahrensituationen fatal. Die Notwendigkeit eines standardisierten Systems wurde immer offensichtlicher, als der Seehandel und die Kriegsführung auf den Ozeanen zunahmen. Ein Meilenstein war das System von Admiral Sir Home Popham, das in der Schlacht vo...

MISSION ACCOMPLISHED!

 Was für ein Anblick! Das Bild der drei perfekt entfalteten, orange-weißen Fallschirme vor dem Abendhimmel über dem Pazifik wird als das Bild des Jahrzehnts in die Geschichte eingehen. Um punkt **20:07 Uhr (EDT)** hat die Orion-Kapsel mit einem gewaltigen "Platsch" die Meeresoberfläche berührt. Die Menschheit ist offiziell zurück von ihrem Ausflug in die Tiefe des Alls. Hier ist das **große Finale** für deinen Blog – der Beitrag, der alles zusammenfasst, von der harten Technik bis zu den Tränen der Rührung: # Splashdown! Artemis II ist sicher im Pazifik – Willkommen zu Hause, Helden! 🌊🛰️🍫 Es ist vollbracht. Während wir hier auf unseren Sofas und in den Fitnessstudios dieser Welt den Atem angehalten haben, haben Reid, Victor, Christina und Jeremy die gefährlichste Phase ihrer Reise überstanden. Die Orion-Kapsel schwimmt sicher im Pazifik, und die Bergungsflotte der US Navy schließt gerade den Kreis um die Rückkehrer. ### 1. Das perfekte Finale: Ein Sieg der Präzision Der **...

Ein Klick für gesunden Boden: Wie ein digitales Tool Landwirten die Entscheidung abnimmt

Boden ist nicht nur „Ackerfläche“ – er ist ein lebendiges Ökosystem, auf dem unsere Ernährung basiert. Doch durch intensive Bewirtschaftung, Klimawandel und extreme Wetterlagen gerät das Fundament der Landwirtschaft immer stärker unter Druck.  Ein neues digitales Werkzeug vom **Helmholtz‑Zentrum für Umweltforschung (UFZ)** in Leipzig soll genau hier ansetzen: **BODIUM4Farmers** hilft Landwirten dabei, ihre Böden zu schonen und langfristig stabile Erträge zu erzielen.  ### **Wie funktioniert BODIUM4Farmers?** BODIUM4Farmers baut auf dem Bodenmodell **BODIUM** auf und verknüpft hochaufgelöste Standortdaten mit Wetter‑ und Bodenkarten. Landwirte können in der Webanwendung ihre eigenen Ackerflächen auswählen, ihre aktuelle Bewirtschaftungspraxis eintragen – etwa Fruchtfolge, Düngung und Bodenbearbeitung – und dann verschiedene Szenarien durchspielen.  Das Tool rechnet dann aus, wie sich zum Beispiel der Ertrag, die Kohlenstoffspeicherung im Boden, die Wasserspeicherkapazität ...

Die geheime Sprache der Flaggen: Die Geschichte des Winkeralphabets

In der heutigen Zeit, in der Kommunikation fast augenblicklich und global erfolgt, ist es schwer vorstellbar, dass Informationen früher mit bloßen Augen über weite Distanzen übermittelt wurden. Doch genau das war die Funktion des Winkeralphabets, auch bekannt als Semaphor oder Flaggen-Telegrafie. Es ist ein faszinierendes Kommunikationssystem, das lange vor dem Funk die Herzen von Seefahrern und Militärs eroberte. Von den Bergen auf die Meere: Die Anfänge Die Idee, Nachrichten mit visuellen Signalen zu übermitteln, ist uralt. Schon in der Antike nutzten Völker Rauchsignale, Fackeln oder Signalfeuer. Die direkte Vorform des Winkeralphabets war der optische Telegraph, der im späten 18. Jahrhundert in Frankreich entwickelt wurde. Dieses System, bei dem große Holzflügel an Türmen befestigt waren, konnte in kurzer Zeit Nachrichten über ganze Länder senden – allerdings nur bei Tag und gutem Wetter. Das Winkeralphabet ist eine Weiterentwicklung dieses optischen Telegraphen und wurde speziell ...

Flight Day 9: Kofferpacken bei 30.000 km/h – Die Ruhe vor dem Sturm 🛰️🔥

  Während die Orion-Kapsel unaufhaltsam auf die Erde zustürzt, herrscht an Bord eine seltsame Mischung aus Vorfreude und Hochspannung. Morgen Abend (nach unserer Zeit in der Nacht auf Samstag) wird es ernst. Aber was macht man eigentlich an seinem letzten Tag im tiefen Weltraum? 1. Das große Aufräumen (Stowage) In der Schwerelosigkeit ist alles, was nicht niet- und nagelfest ist, eine potenzielle Gefahr. Wenn die Kapsel morgen in die Atmosphäre eintaucht, wirken enorme G-Kräfte. Jede Kamera, jeder Löffel und jedes iPad muss in speziellen Taschen verstaut und verzurrt werden. Ein vergessener Kugelschreiber würde beim Wiedereintritt zum gefährlichen Projektil. Funfact: Auch der „Zero-G Indicator“ (meistens ein kleines Stofftier, das den Astronauten die Schwerelosigkeit anzeigt) muss jetzt in seine „Sitzschale“. 2. Abschied vom treuen Begleiter: Das ESM aus Bremen Kurz vor dem Wiedereintritt passiert etwas Wehmütiges: Die Orion-Kapsel trennt sich vom European Service Module (ESM) . D...