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Folge 10: Mahn & Ohlerich - Thüringer Brautradition aus Nordhausen

*Eine Blogserie über DDR-Brauereien: Geschichte, Gegenwart und Zukunft* --- ## Die vergessene Brauerei: Tradition am Rande des Harzes Wenn von den großen DDR-Brauereien die Rede ist, fallen meist die bekannten Namen: Radeberger, Köstritzer, Wernesgrüner. Doch es gab auch die kleineren, die regionalen Brauereien, die weniger Schlagzeilen machten, aber trotzdem wichtige Teile der ostdeutschen Bierkultur waren. Eine von ihnen war Mahn & Ohlerich aus Nordhausen. Die Geschichte dieser Brauerei ist exemplarisch für viele mittlere DDR-Betriebe: Traditionsreiche Anfänge im 19. Jahrhundert, Überleben durch zwei Weltkriege, Verstaatlichung in der DDR, schließlich das Scheitern nach der Wende. Es ist eine Geschichte von Aufstieg und Fall, von regionaler Verbundenheit und wirtschaftlichen Zwängen, von der Macht der Geschichte und der Härte des Marktes. Nordhausen, am südlichen Rand des Harzes gelegen, war jahrhundertelang für seinen Korn bekannt. Doch auch Bier hatte hier eine lange Tradition....

Folge 9: Rostocker Brauerei - Hansestadt-Bier an der Ostsee

*Eine Blogserie über DDR-Brauereien: Geschichte, Gegenwart und Zukunft* --- ## Meereswind und Brauereikultur: Die Hansestadt und ihr Bier Rostock – die größte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, Hansestadt mit jahrhundertelanger Tradition, Tor zur Ostsee und Heimat einer der bewegtesten Brauereigeschichten Norddeutslands. Die Rostocker Brauerei verkörpert wie kaum eine andere das Auf und Ab der deutschen Brauwirtschaft: Von mittelalterlichen Anfängen über hanseatische Blütezeiten, durch die Wirren der DDR-Planwirtschaft bis hin zu den turbulenten Jahren nach der Wende. Was die Rostocker Brauerei besonders macht, ist ihre maritime Prägung. Hier, wo die Warnow in die Ostsee mündet, wo Seeleute aus aller Welt anlegten und hanseatischer Fernhandel betrieben wurde, entstand ein Bier mit nordischem Charakter. Ein Bier für Menschen, die den weiten Horizont gewohnt sind, die salzige Luft und rauen Wind. Die Geschichte dieser Brauerei ist eine Geschichte der Extreme: von glanzvoller Hansezeit bis zu...

Folge 8: Lübzer Brauerei - Mecklenburger Tradition

*Eine Blogserie über DDR-Brauereien: Geschichte, Gegenwart und Zukunft* --- ## Zwischen Seen und Feldern: Das norddeutsche Original "Lübzer - Natürlich aus Mecklenburg." Dieser Slogan bringt auf den Punkt, was die Brauerei aus dem kleinen mecklenburgischen Städtchen Lübz auszeichnet: die tiefe Verwurzelung in einer Landschaft, die wie geschaffen scheint für ein besonderes Bier. Zwischen den Mecklenburger Seen, umgeben von weiten Feldern und unter dem weiten norddeutschen Himmel, entsteht seit 1877 ein Bier, das den Charakter seiner Heimat widerspiegelt. Die Geschichte der Lübzer Brauerei ist die Geschichte eines Underdog. Keine königlichen Privilegien wie bei Radeberger, kein jahrhundertealter Ruhm wie bei Freiberger, keine internationale Ausstrahlung wie bei Hasseröder. Stattdessen die Geschichte einer Brauerei, die sich durch alle Wirren der deutschen Geschichte gekämpft hat, die mehrfach vor dem Aus stand und trotzdem überlebt hat. Heute ist Lübzer eine der erfolgreichsten...

Folge 7: Freiberger Brauerei - Silberstadt-Tradition seit 1266

*Eine Blogserie über DDR-Brauereien: Geschichte, Gegenwart und Zukunft* --- ## 758 Jahre Braukunst: Eine der ältesten Brauereien Deutschlands In einer Zeit, als Marco Polo gerade von seinen Reisen nach China zurückkehrte und in Deutschland die ersten gotischen Kathedralen entstanden, begann in Freiberg bereits eine Tradition, die bis heute andauert: das Bierbrauen. 1266 wurde der Freiberger Brauerei das Braurecht verliehen – damit ist sie eine der ältesten noch produzierenden Brauereien Deutschlands. Die Geschichte der Freiberger Brauerei ist untrennbar mit der Geschichte ihrer Stadt verbunden. Freiberg, einst die reichste Stadt Sachsens dank ihrer Silberminen, erlebte Höhen und Tiefen, Kriege und Krisen, politische Umbrüche und wirtschaftliche Wandlungen. Durch all diese Jahrhunderte hindurch blieb die Brauerei ein konstanter Faktor – mal mehr, mal weniger erfolgreich, aber stets ein Stück Freiberger Identität. Was macht eine Brauerei so langlebig? Wie übersteht ein Unternehmen fast a...

Top-Down im Sand: Warum Ute Mündlein vormacht, wie es anders geht

Ein Kommentar zur Digitalisierungs-Folklore in der Provinz Das bekannte Muster Es gibt ein Muster, das man in der deutschen Provinz inzwischen im Schlaf erkennt. Eine politische Ebene entdeckt ein Thema – Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Innovation, beliebig austauschbar – und startet eine Initiative. Pressetermin, Banner, Fördermittelbescheid, Auftaktveranstaltung mit drei Reden zu viel. Der Anspruch ist immer der gleiche: Leuchtturm, Vorreiterrolle, Modellregion. Was danach kommt, ist seltener dokumentiert, aber genauso vorhersehbar. Die Struktur, die top-down aufgesetzt wurde, hat kein organisches Publikum, keine gewachsene Trägerschaft und keinen Mechanismus, der sie ohne Förderlogik am Leben hält. Sobald die Förderperiode endet oder die verantwortliche Person die Stelle wechselt, löst sich das Ganze auf – entweder lautlos im Sand, oder mit einer kurzen Pressemitteilung, die das Projekt formal beendet, ohne dass jemand außerhalb des Verteilers etwas davon merkt. Das Grundpr...

Folge 6: Der Pilsener Streit - Bier-Diplomatie zwischen ČSSR und DDR

*Eine Blogserie über DDR-Brauereien: Geschichte, Gegenwart und Zukunft* --- ## Wenn Bier zur Staatsaffäre wird Es war ein Streit, der die Beziehungen zwischen zwei sozialistischen "Bruderländern" über Jahre hinweg belastete. Ein Konflikt, der in Ministerien ausgetragen, in diplomatischen Noten festgehalten und auf höchster politischer Ebene verhandelt wurde. Und worum ging es? Um Bier. Genauer gesagt: um das Recht, ein Bier "Pilsener" zu nennen. Der "Pilsener Streit" zwischen der Tschechoslowakei und der DDR von den 1960er bis in die 1980er Jahre ist eines der kuriosesten Kapitel der deutsch-tschechischen Geschichte. Er zeigt, wie sehr sich die sozialistischen Länder um Prestige, Exporterfolge und nationale Symbole stritten – und wie ein scheinbar harmloses Getränk zur diplomatischen Waffe werden konnte. Diese Geschichte ist mehr als nur eine Anekdote aus der Zeit des Kalten Krieges. Sie offenbart die Mechanismen sozialistischer Planwirtschaft, die Bedeutu...

Ende der Walze, Anfang der Fuge?Was der Betonfertigteil-Hype beim Thema Blowup einfach ausspart

Ingenieur.de hat am 15. Juni einen Artikel veröffentlicht, der mir gut gefallen hat — und genau deshalb stört mich, was darin fehlt. Titel: „Ende der Walze? Warum immer mehr Straßen nicht mehr auf der Baustelle entstehen“. Es geht um Betonfertigteile, die im Werk produziert und vor Ort nur noch montiert werden. Busbahnhöfe, Containerterminals, Flughäfen. Schnellere Bauzeiten, kürzere Sperrungen, sofort belastbar. Klingt nach Fortschritt, und ist es in vielen Fällen auch. Was der Artikel ordentlich aufarbeitet: Lebenszykluskosten, CO₂-Bilanz, die Frage Lastverteilung versus Einzelplatte, das Beispiel Bad Soden am Taunus. Solide journalistische Arbeit, nichts daran auszusetzen. Nur an einer Stelle wird es dünn, und das ist ausgerechnet die Stelle, die mich als jemand, der seit 2013 mit Tiefbau zu tun hat, sofort hängen geblieben ist: Blowup wird mit keinem Wort erwähnt. Was ein Blowup eigentlich ist Beton dehnt sich bei Hitze aus, das ist keine neue Erkenntnis. Bei klassischen Betonfahrb...