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Folge 4: Wernesgrüner - Tradition aus dem Vogtland

*Eine Blogserie über DDR-Brauereien: Geschichte, Gegenwart und Zukunft* --- ## Eine Legende lebt: Das vogtländische Original "Wernesgrüner – Eine Legende lebt." Mit diesem Slogan wirbt die Brauerei heute für ihr Bier. Doch diese Legende hätte beinahe nicht überlebt. Die Geschichte von Wernesgrüner ist eine Geschichte des Durchhaltens gegen alle Widerstände, des Beharrens auf Qualität in schwierigen Zeiten und der Rückbesinnung auf regionale Wurzeln in einer globalisierten Welt. Im Dreiländereck zwischen Sachsen, Bayern und Böhmen, wo sich die Kulturen mischen und die Grenzen fließend sind, liegt Wernesgrün. Ein Ort, der ohne seine Brauerei vermutlich nie über die Regionalgrenzen hinaus bekannt geworden wäre. Doch das Bier aus dem kleinen vogtländischen Dorf schaffte es, sich gegen alle Widrigkeiten zu behaupten – durch die Wirren der deutschen Geschichte, durch die Planwirtschaft der DDR und durch die Herausforderungen der Marktwirtschaft. Heute ist Wernesgrüner ein Paradebei...

Bauwesen trifft KI: Was vom ConStructAI Hackathon der THWS hängen bleibt

Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt hat mit „Bauwesen trifft KI“ zu einem Hackathon eingeladen, dessen Titel ConStructAI lautete. Ich war dabei. Vorweg die ehrliche Einordnung: Für mich als Mann des Tiefbaus und der Telekommunikationsinfrastruktur war die Veranstaltung nicht punktgenau zugeschnitten. Es ging vor allem um Hochbau. Wer Wände hochzieht, Grundrisse plant oder Statik berechnet, war hier deutlich besser bedient als jemand, der Leitungstrassen verlegt. Trotzdem: Wichtiger als die Passgenauigkeit für mein eigenes Tagesgeschäft ist die schlichte Tatsache, dass das Thema jetzt endlich angefangen wird. Künstliche Intelligenz und Bauwesen waren bislang zwei Welten, die sich allenfalls auf Konferenzfolien berührt haben. Dass eine Hochschule das in Form eines Hackathons konkret macht, ist ein Fortschritt, den man nicht kleinreden sollte, auch wenn die erste Ausbaustufe naturgemäß bei dem ansetzt, was am sichtbarsten ist: dem Hochbau. Für meinen Bereich, den Tiefbau und in...

40 Jahre Invisible Touch

  Das Album, an dem sich alles entschied — und das alles richtig gemacht hat Am 6. Juni 1986 erschien in den Vereinigten Staaten das dreizehnte Studioalbum von Genesis. Vier Jahrzehnte später steht fest: Invisible Touch war nicht einfach ein weiteres Album. Es war der Moment, in dem eine Band, die schon mehrmals neu erfunden worden war, ihren eigenen Hochpunkt definierte — kommerziell, handwerklich und als kulturelles Artefakt der Achtziger. Für mich persönlich ist das kein kontroverser Satz. Invisible Touch ist das Genesis-Album. Es ist der Punkt, auf den alles davor hinauslief, und nach dem alles folgerichtig war. Wer das anders sieht, ist herzlich eingeladen, seinen Fall zu machen. Aber er sollte wissen, dass er schlechte Karten hat. Keine Notizen. Keine Vorproduktion. Nur die drei. Das Interessante an Invisible Touch beginnt bereits vor der ersten Note. Die Band kam im Oktober 1985 in ihr eigenes Studio — The Farm in Chiddingfold, Surrey — und brachte buchstäblich ...

Folge 3: Köstritzer Schwarzbier - Das schwarze Gold aus Thüringen

*Eine Blogserie über DDR-Brauereien: Geschichte, Gegenwart und Zukunft* --- ## Malzig, süffig, gesund? Die Legende vom Schwarzbier "Köstritzer macht müde Männer munter" – dieser Werbespruch aus den 1990er Jahren hätte auch aus der DDR stammen können. Denn schon zu sozialistischen Zeiten galt Köstritzer Schwarzbier als besonders gesund, als Aufbaumittel für Schwangere und Rekonvaleszenten, als dunkles Elixier mit fast magischen Kräften. Köstritzer ist mehr als nur ein Bier – es ist ein Phänomen. Keine andere deutsche Biersorte ist so eng mit Gesundheitsmythen verbunden, keine andere hat sich so erfolgreich in einer Nische behauptet. Die Geschichte dieser Brauerei aus dem thüringischen Bad Köstritz ist eine Geschichte des Überlebens: Überleben in der DDR-Planwirtschaft, Überleben im härter werdenden Biermarkt, Überleben durch Besinnung auf das Besondere. Heute ist Köstritzer Deutschlands Schwarzbier Nummer eins. Doch der Weg dorthin war alles andere als gradlinig – er führte du...

Die Umsteigestation Offingen: Mein April-Beitrag, zwei Monate später eingelöst

Manchmal schreibt man etwas, glaubt selbst nicht ganz daran, dass es jemand umsetzt, und dann liest man zwei Monate später eine Pressemitteilung aus dem Landkreis Günzburg. Im April habe ich hier über das Verschwinden der Bahnhofskultur geschrieben – darüber, dass mit jedem geschlossenen Bahnhof nicht nur ein Verkehrsknotenpunkt verschwindet, sondern ein Stück öffentlicher Raum, ein neutraler Treffpunkt, an dem sich eine Gemeinde noch begegnen konnte. Und ich habe damals vier Dinge vorgeschlagen, die man stattdessen tun könnte: multifunktionale Nutzung der Gebäude, ehrenamtliche Betreuung, regionale Partnerschaften zur Kostenteilung, moderne Technik wie WLAN und zeitgemäße Wartebereiche. In Offingen, Landkreis Günzburg, ist genau das entstanden. Aus dem alten Bahnhofsgebäude direkt am Gleis wurde die „Umsteigestation" – ein Name, der mehr kann als nur Bahnsteig-Funktion zu beschreiben. Coworking-Plätze mit WLAN und Bildschirmarbeitsplätzen für Leute, die kein eigenes Büro brauchen...

Folge 2: Radeberger Pilsener - Der König unter den Bieren

*Eine Blogserie über DDR-Brauereien: Geschichte, Gegenwart und Zukunft* --- ## Vom sächsischen Exportschlager zur Premium-Marke "Radeberger - Ein König unter den Bieren." Dieser Slogan aus den 1990er Jahren mag wie moderne Marketingprosa klingen, doch er hat historische Wurzeln, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Keine andere Biermarke der ehemaligen DDR verkörpert so eindrucksvoll den Spagat zwischen Tradition und Moderne, zwischen sächsischer Heimatverbundenheit und internationaler Ausstrahlung wie das Radeberger Pilsener. Die Geschichte dieser Brauerei ist zugleich ein Spiegel deutscher Geschichte: Gründerzeit und Kaiserreich, Weimarer Republik und Nazi-Diktatur, DDR-Sozialismus und deutsche Einheit. Durch alle Epochen hindurch behauptete sich Radeberger als Synonym für sächsische Braukunst – mal mehr, mal weniger erfolgreich, aber stets mit dem Anspruch auf Besonderheit. ## Die Anfänge: Innovation trifft auf Tradition (1872-1918) Am 1. Januar 1872 eröffnete die ...

Der größte Börsengang der Geschichte – und was er wirklich bedeutet

Am 12. Juni 2026 ist SpaceX an die Nasdaq gegangen. Ticker SPCX, Ausgabepreis 135 US-Dollar je Aktie, Emissionsvolumen rund 75 Milliarden US-Dollar, Bewertung rund 1,75 Billionen US-Dollar. Damit hat SpaceX den bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco (2019, rund 1,7 Billionen Dollar) übertroffen – und das ist gleichzeitig der einzige Satz in diesem Beitrag, bei dem alle Beteiligten einig sind. Der Rest ist Interpretation. Und über die lohnt es sich nachzudenken. Was SpaceX heute ist – und was es vorgibt zu sein Wer das S-1-Prospekt liest, das SpaceX am 20. Mai 2026 bei der SEC eingereicht hat, stößt auf eine interessante Selbstbeschreibung. SpaceX ist dort kein Raketenunternehmen mehr. Es ist eine „globale Datenplattform“, ein „KI-Infrastrukturkonzern“ und der potenzielle erste Betreiber orbitaler Rechenzentren der Geschichte. Das klingt nach Vision. Es klingt aber auch nach einem klassischen Bewertungs-Upgrade kurz vor dem Börsengang. Tatsächlich hat SpaceX mit Starlink etwas gebaut, das...