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Warum der freien Wirtschaft ein "Spieß" fehlt - Die Mutter der Kompanie als vermisstes Führungsprinzip

Inspiriert durch Wolf Gregis pointierte Beobachtungen und meine eigenen Erfahrungen mit Oberstabsfeldwebeln wie Rölli und Spinrath wird eines deutlich: Der deutschen Wirtschaft fehlt eine zentrale Führungsfigur, die beim Militär selbstverständlich ist – der Spieß, die "Mutter der Kompanie". ## Was macht einen echten Spieß aus? Der Kompaniefeldwebel – im Soldatenjargon liebevoll oder gefürchtet "Spieß" genannt – ist weit mehr als eine Hierarchiestufe. Er ist: **Der Kümmerer im System**: Während Offiziere strategisch denken und befehlen, sorgt der Spieß dafür, dass der Laden *tatsächlich* läuft. Er kennt jeden seiner Leute persönlich, weiß wer gerade Probleme zu Hause hat, wer überlastet ist, und wer noch Potenzial hat. **Die Brücke zwischen oben und unten**: Der Spieß übersetzt die abstrakten Befehle der Führung in machbare Realität und kommuniziert gleichzeitig die Realität der Mannschaft nach oben – ungefiltert und direkt. **Der Praktiker mit Rückgrat**: Er hat jah...

Die Computerspielkrise von 1983: Als die Branche fast unterging

Die Videospielindustrie war Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre auf einem beispiellosen Höhenflug. Atari dominierte den Markt, Arcade-Hallen schossen wie Pilze aus dem Boden, und Videospiele schienen die Zukunft der Unterhaltung zu sein. Doch dann kam 1983 – und mit ihm eine der verheerendsten Krisen, die die Branche je erlebt hat. ## Der Aufstieg vor dem Fall Um die Krise zu verstehen, muss man sich den Boom der frühen 1980er Jahre vor Augen führen. Nach dem durchschlagenden Erfolg von Spielen wie "Pong", "Space Invaders" und "Pac-Man" wollte jeder ein Stück vom Kuchen abhaben. Der Heimkonsolenmarkt explodierte förmlich, angeführt von Ataris legendärem 2600-System. Die Gewinne waren astronomisch. Atari wurde zu einem Synonym für Videospiele und erreichte 1982 Umsätze von über zwei Milliarden Dollar. Investoren und Unternehmen witterten das schnelle Geld, und plötzlich wollte jeder Spieleentwickler werden – unabhängig von Qualifikation oder Qualitä...

Aus der Zentrale für Hörerfragen: Die Lösung für alle Fachkräfte-Sorgen?

  Frage an Radio Eriwan: Hörer S. aus Mittelfranken möchte wissen: Ist es korrekt, dass sächsische Unternehmen vor lauter Verzweiflung über den Fachkräftemangel bereits händeringend darauf warten, hochqualifizierte Ingenieurinnen aus Indien mit einem Willkommenspaket aus 3-seitigen PDFs zu empfangen? Antwort von Radio Eriwan: Im Prinzip ja. Allerdings mit ein paar kleinen Ausnahmen: Erstens warten die Unternehmen meist händeringend auf ganz andere Dinge – zum Beispiel darauf, dass man erst einmal das vorhandene Potenzial vor Ort qualifiziert und den eigenen Nachwuchs oder Umschüler an die Hand nimmt, statt weltweite Fernreisen per PowerPoint zu planen. Zweitens ist das größte Problem oft nicht das fehlende Willkommenspaket, sondern die Tatsache, dass manche Ratschläge aus dem sonnigen Homeoffice auf Mallorca offenbar jeden Blick für die reale Basis in der deutschen Provinz vermissen lassen. Und drittens: Wer seit Jahren glaubt, mit theoretischen HR-Ratgebern und Ratschlägen von d...

Warum "Absolute Beginners" der perfekte Popsong der 80er Jahre ist

Es gibt Songs, die eine ganze Ära einfangen – und dann gibt es "Absolute Beginners" von David Bowie. Dieser 1986 veröffentlichte Titel ist, abgesehen von Phil Collins' Meisterwerken, vielleicht der definitive Popsong der 80er Jahre. Aber warum? ## Die perfekte Balance zwischen Kitsch und Klasse Die 80er Jahre waren eine Zeit der Extreme: überproduzierte Synthesizer, dramatische Gesten, pompöse Arrangements. "Absolute Beginners" nimmt all diese Elemente und verwandelt sie in etwas Zeitloses. Der Song schwelgt in seinem 80er-Sound, ohne jemals peinlich zu wirken – eine Kunst, die nur wenige Künstler dieser Dekade beherrschten. ## Bowies emotionale Reife Anders als viele seiner Zeitgenossen schafft es Bowie hier, echte Verletzlichkeit zu zeigen. Die Textzeile "I've nothing much to offer, there's nothing much to take" ist von einer Ehrlichkeit durchzogen, die in der oft oberflächlichen Pop-Landschaft der 80er selten war. Es ist ein Liebeslied, aber...

Die Hollies: Eine zeitlose Reise durch die Rockgeschichte

Wenn von den großen britischen Bands der 1960er Jahre die Rede ist, fallen meist sofort Namen wie die Beatles, die Rolling Stones oder The Who. Doch eine Band, die seit über sechs Jahrzehnten mit bemerkenswerter Beständigkeit die Musiklandschaft prägt, verdient mindestens ebenso viel Anerkennung: The Hollies. ## Die Anfänge in Manchester Die Geschichte der Hollies beginnt 1962 in Manchester, als Allan Clarke und Graham Nash – Freunde seit Kindertagen – beschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Mit Tony Hicks, Eric Haydock und Don Rathbone formten sie eine Band, die schon bald für ihre makellosen mehrstimmigen Harmonien bekannt werden sollte. Der Name „Hollies" war eine Hommage an Buddy Holly, einen ihrer großen Helden. Bereits 1963 gelang ihnen mit „(Ain't That) Just Like Me" der Einstieg in die britischen Charts, doch es war erst der Anfang. Songs wie „Stay" (1963), „Just One Look" (1964) und „Here I Go Again" (1964) etablierten sie als feste Größe der Briti...

Der Aktendeckel als Nationalheiligtum: Eine Liebeserklärung an die deutsche Bürokratie

Das Ifo-Institut hat gefragt, was deutschen Unternehmen am meisten wehtut, und die Antwort war eindeutig: die Bürokratie, mit 50 Prozent klar vor den Energiepreisen (27 Prozent) und den Arbeitskosten (22 Prozent). Man könnte meinen, das sei ein Alarmsignal. Ich sehe darin eher ein Missverständnis. Die deutsche Bürokratie ist kein Fehler im System. Sie ist das System, und sie hat es verdient, endlich als das gewürdigt zu werden, was sie ist: unser erfolgreichstes Exportprodukt der letzten dreißig Jahre, nur leider mit Zielrichtung nach innen. Stellen wir uns kurz vor, es wäre anders. Ein Land, in dem eine Genehmigung in zwei Wochen erteilt wird statt in acht Monaten. In dem ein Formular einmal ausgefüllt und nicht fünfmal in leicht variierter Fassung bei fünf verschiedenen Stellen eingereicht werden muss, die sich gegenseitig nicht kennen. Klingt nach Anarchie. Klingt nach einem Land, das seine Werte verraten hat. Wir sind besser als das. Wir sind ein Land, das seit Jahrzehnten National...

Die Geschichte der Rewe Extra Supermärkte

Die Extra-Supermärkte sind vielen Menschen in Deutschland ein Begriff – doch ihre Geschichte ist eng mit der Entwicklung des deutschen Einzelhandels und der Rewe Group verknüpft. ## Die Anfänge Die Extra-Märkte entstanden als Teil der Rewe Group, einem der größten Handels- und Touristikkonzerne Deutschlands. Rewe selbst wurde 1927 als Genossenschaft gegründet, und im Laufe der Jahrzehnte entwickelte das Unternehmen verschiedene Vertriebslinien, um unterschiedliche Kundensegmente zu bedienen. ## Das Konzept Extra-Supermärkte positionierten sich als preisaggressive Discount-Märkte, die eine Alternative zu den klassischen Rewe-Supermärkten darstellten. Das Konzept war klar: niedrigere Preise durch ein schlankeres Sortiment und eine reduzierte Ladenausstattung. Damit wollte Rewe im hart umkämpften Discount-Segment gegen etablierte Ketten wie Aldi und Lidl antreten. Die Märkte führten sowohl Markenprodukte als auch günstige Eigenmarken und richteten sich vor allem an preisbewusste Kunden. D...