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Feuchtwangen auf der Bundesnetzagentur-Karte: keine Spitzenposition, kein Drama

Christoph Engelhardt hat in der Facebook-Gruppe „Feuchtwangen“ auf eine neue Karte der Bundesnetzagentur hingewiesen: Sie zeigt die Versorgungsqualität der Verteilnetzbetreiber – bei uns also der Stadtwerke – und Feuchtwangen taucht dort nicht gerade in der obersten Liga auf.  Das ist erst mal eine Meldung, aus der man in fünf Minuten entweder eine Aufregerschlagzeile oder eine sachliche Einordnung machen kann. Ich versuche mich an Letzterem, auch wenn Ersteres bekanntlich mehr Klicks bringt. Was die Karte eigentlich misst Die Bundesnetzagentur veröffentlicht pro Verteilnetzgebiet vier Kennzahlen: die Unterbrechungsminuten je Letztverbraucher, die durchschnittliche Dauer bis zur Herstellung eines neuen Netzanschlusses, den Digitalisierungsgrad des Netzbetriebs und einen daraus verdichteten Digitalisierungsindex, dargestellt als Ampelfarbe mit jeweils zehn Abstufungen. Grundlage ist das Erhebungsjahr 2024, die Karte soll künftig jährlich aktualisiert werden. Das ist im Kern nichts a...

Wenn Pflicht Legende wird: Olds, James, Withers und Tuxford

Es gibt Momente in der Geschichte, in denen Männer nicht aus Ruhmsucht handelten, sondern weil jemand eine Aufgabe erfüllen musste. Vier Namen stehen exemplarisch für diese Haltung: Robin Olds, Daniel "Chappy" James, Martin Withers und Bob Tuxford. Ihre Geschichten zeigen uns, dass wahre Größe oft darin liegt, den Job zu machen – nicht weil man zur Legende werden will, sondern weil es eben einer tun muss. ## Robin Olds und Chappy James: Führung durch Vorbild Als Colonel Robin Olds 1966 das Kommando über die 8th Tactical Fighter Wing in Thailand übernahm, stand er vor einer demoralisierten Einheit. Die Verluste über Nordvietnam waren hoch, die Erfolgsquote niedrig. Olds hätte sich auf seine Position zurückziehen können – stattdessen flog er selbst die gefährlichsten Missionen. An seiner Seite: Lieutenant Colonel Daniel "Chappy" James Jr., sein Stellvertreter. Die Partnerschaft zwischen dem weißen Colonel und dem schwarzen Deputy Commander war 1966 alles andere als se...

Warum "Jeder muss studieren" der falsche Weg ist

  Es gibt einen Irrglauben in unserer Gesellschaft, der sich hartnäckig hält: Nur wer studiert hat, ist wirklich qualifiziert. Nur ein Hochschulabschluss öffnet die Türen zu einer erfolgreichen Karriere. Diese einseitige Sichtweise halte ich nicht nur für falsch, sondern auch für gefährlich – für junge Menschen und für unsere Wirtschaft gleichermaßen. Mein Weg: Ausbildung als Fundament In den 90er Jahren habe ich eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel absolviert. Später folgten Weiterbildungen zum Fachwirt, Betriebswirt und Techniker über Fachschulen. Dieser Weg war keineswegs ein Umweg oder eine Notlösung – er war eine bewusste Entscheidung, die sich ausgezahlt hat. Heute fühle ich mich mindestens genauso gut auf jegliche berufliche Herausforderungen vorbereitet wie Kolleginnen und Kollegen mit Hochschulabschluss. Die Stärke der dualen Ausbildung: Praxis von Tag eins Was macht eine Ausbildung – ob gewerblich oder kaufmännisch – so wertvoll? Es ist die Verbindun...

Wer Neandertaler sucht und ein Erdbeben findet

Manchmal gräbt man nach der Vergangenheit der Menschheit und stößt stattdessen auf die Launen der Erdkruste. Genau das ist 1993 bei einer archäologischen Rettungsgrabung in Beauvais passiert, rund 75 Kilometer nördlich von Paris, an einer Fundstelle namens „La Justice". Gesucht wurde nach Spuren des Paläolithikums. Gefunden wurden auf über 1.000 Quadratmetern Störungen in eiszeitlichen Sedimenten. Damals hat man das dokumentiert, archiviert und im Wesentlichen liegen lassen. Erst jetzt, mehr als 30 Jahre später, hat ein Team um Stéphane Baize die alten Grabungsunterlagen tektonisch neu ausgewertet und im Juni 2026 in den Comptes Rendus Géoscience der Académie des Sciences veröffentlicht. Das Ergebnis ist eine der spannenderen geologischen Randnotizen des Jahres: eine der seismisch ruhigsten Regionen Westeuropas hat offenbar vor rund 45.000 bis 60.000 Jahren ein kräftiges Erdbeben erlebt, und die Störung, die es verursacht hat, gilt seither eigentlich als tot. Der Befund im Det...

Der Pfahl, die Masse und eine Störung namens Rodl – Ostbayerns Untergrund im Porträt

Wer durch den Bayerischen Wald fährt, sieht Wald. Viel Wald. Und wenn man Glück hat, einen weiß schimmernden Felszügel, der aussieht, als hätte jemand mit dem Lineal eine Mauer durch die Landschaft gezogen und dann das Interesse daran verloren. Genau das ist im Grunde passiert – nur hat es 275 Millionen Jahre gedauert und niemand hat ein Lineal benutzt. Ich habe mir die drei Begriffe, die in Ostbayerns Untergrund für Ordnung sorgen (oder eben für das Gegenteil davon), noch einmal genauer angesehen: die Böhmische Masse, den Bayerischen Pfahl und die Rodl-Störung. Die Böhmische Masse – das Fundament, das keiner sieht Die Böhmische Masse ist das kristalline Grundgebirge, auf dem große Teile Ostbayerns buchstäblich stehen. Ihre älteste Bauzeit begann bereits im Proterozoikum, also vor beinahe einer Milliarde Jahren, als in einem tiefen Meeresbecken Sande, Tone und Mergel abgelagert wurden. Die sanken bis in 30 Kilometer Tiefe ab, wurden dort ordentlich durchgeknetet und tauchten irgend...

Wenn der Flügel fällt: Windkraft zwischen Havarie, Brandschutz und Entsorgungsnotstand Havarien, Brände, Partikel, Rückbau und Entsorgung von Windenergieanlagen — ein Blick auf die Fälle Waldhausen, Alfstedt und Weiden

  Drei Meldungen aus den letzten zwölf Monaten reichen, um zu verstehen, warum dieses Thema mehr verdient als die übliche Empörungsschleife aus Kommentarspalten. Am 5. Juli 2026 verliert eine neunzehn Jahre alte Anlage im Windpark Waldhausen bei Aalen ein komplettes Rotorblatt. Im niedersächsischen Alfstedt verteilen sich seit Jahren Glasfasersplitter über Äcker, weil ein abgebrochener Flügel monatelang am Turm hängen bleibt. Und in Weiden in der Oberpfalz sitzt seit August 2025 ein Entsorgungsunternehmer in Untersuchungshaft, weil er über Jahre Windradschrott illegal nach Tschechien und Polen verklappt haben soll. Drei völlig unterschiedliche Vorfälle, ein gemeinsamer Nenner: Was mit einem Rotorblatt passiert, wenn es bricht, brennt oder ausgedient hat, ist technisch und organisatorisch offenbar deutlich schwerer zu beherrschen als der Bau der Anlage selbst. Ich will hier keine Kampagne gegen Windkraft fahren, das überlasse ich anderen Blogs mit anderem Publikum. Aber die Frage,...

Ein Grollen im Dreiländereck Was ein Beben der Stärke 1,8 bei Volary über den Untergrund des Bayerischen Waldes erzählt

 Am 19. Juli 2026, kurz nach 13 Uhr, hat sich die Erde im Dreiländereck Deutschland – Tschechien – Österreich ein kleines Stück bewegt. Nicht dramatisch, nicht folgenreich, aber immerhin messbar: ein Erdbeben der Magnitude 1,8, Epizentrum knapp südlich der tschechischen Stadt Volary, etwa zehn Kilometer östlich von Haidmühle im Landkreis Freyung-Grafenau. Das Hypozentrum lag rund zehn Kilometer tief, also mitten in der oberen Erdkruste, dort, wo solche Ereignisse in dieser Region typischerweise entstehen. Für die allermeisten Menschen in Haidmühle, Bischofsreut oder auf der tschechischen Seite bei Volary dürfte der 19. Juli ein Tag wie jeder andere gewesen sein. Meldungen über eine spürbare Erschütterung liegen bislang nicht vor, und das überrascht wenig. Eine Magnitude von 1,8 bewegt sich am unteren Rand dessen, was seismologische Netze überhaupt noch zuverlässig registrieren. Trotzdem lohnt sich der zweite Blick, denn kleine Beben sind Boten größerer geologischer Zusammenhänge –...