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Slavkov u Brna (Austerlitz) heute - Ein historischer Ort im modernen Tschechien

**Wo einst Napoleon Geschichte schrieb, pulsiert heute das Leben einer charmanten südmährischen Kleinstadt** Slavkov u Brna – den meisten unter seinem deutschen Namen Austerlitz bekannt – ist weit mehr als nur ein Schauplatz einer der bedeutendsten Schlachten der europäischen Geschichte. Die Stadt mit etwa 7.300 Einwohnern in der südmährischen Region Tschechiens hat sich zu einem lebendigen Ort entwickelt, der Geschichte und Moderne auf faszinierende Weise verbindet. ## Das barocke Juwel: Schloss Slavkov Das Herzstück der Stadt ist zweifellos das prächtige Schloss Slavkov, ein beeindruckendes Barockmonument aus dem 17. Jahrhundert. Der italienische Architekt Domenico Martinelli verwandelte die ehemalige Renaissance-Residenz in eines der ältesten erhaltenen Adelsschlösser Mährens. Heute beherbergt das Schloss eine bedeutende Sammlung von Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie eine umfassende Ausstellung zur Schlacht von Austerlitz. Besonders eindrucksvoll ist der historische Sal...

Der Twister-Effekt: Wie ein Hollywood-Film eine Wissenschaft neu erfand – und mich gleich mit

  Sommer 1996. Ich sitze im Kino, und auf der Leinwand fliegt eine Kuh durchs Bild. Zweimal, muss man der Ehrlichkeit halber sagen – die Regie fand den Gag beim ersten Mal offenbar so gut, dass sie ihn wiederholt hat. „Twister“ lief an, und mit ihm begann bei mir ein Interesse, das bis heute nicht verschwunden ist: Wetter, genauer gesagt die Frage, warum die Atmosphäre manchmal beschließt, sich in einen sich drehenden Trichter aus Zerstörung zu verwandeln. Dass dieses Interesse nicht folgenlos blieb, sieht man an diesem Blog: Von Vulkanausbrüchen über Erdbebenschwärme bis zu El Niño war hier in den letzten Monaten einiges dabei, das sich mit gutem Willen auf einen Kinobesuch vor bald dreißig Jahren zurückführen lässt. Befeuert wurde das Ganze im deutschen Fernsehen übrigens von einer Figur, die damals noch niemand kannte, aber schon auffiel: ein gewisser Jörg Kachelmann, der zur gleichen Zeit anfing, das deutsche Wetter mit einer Ernsthaftigkeit und Detailfreude zu moderieren, di...

Medicane in Sicht: Erst die Fakten, dann die Märchenjungen

  Kommende Woche könnte sich über dem Mittelmeer ein Medicane bilden. Ich weiß das nicht, weil irgendein Boulevard-Wetterfrosch mit hochgezogenen Augenbrauen ins Mikrofon raunt, sondern weil das großartige Team von Kachelmannwetter es in seinem heutigen Wettervideo erwähnt hat – so, wie man dort eigentlich alles erwähnt: nüchtern, eingeordnet, ohne Ausrufezeichen im Tonfall. Ganz ähnlich unaufgeregt hat der von mir sehr geschätzte lpindie auf YouTube darüber berichtet. Zwei Quellen, ein Duktus: Da deutet sich etwas an, man schaut es sich an, man wartet die Modelle ab. Fertig. Das ist genau der Punkt, an dem ich einhaken will, bevor die Truppe der notorischen Panikmacher – ich nenne sie inzwischen nur noch Märchenjungen – ihre gewohnte Nummer abzieht: Satellitenbild mit rotem Kreis drum, drei Ausrufezeichen, „Jahrhundertsturm“ in der Überschrift, und spätestens am Sonntag ist aus einer Modelltendenz eine „apokalyptische Unwetterkatastrophe“ geworden, die dann doch als laues Tiefau...

Holzkirchen wackelt wieder – und die übliche Frage stellt sich von selbst

Gestern Nachmittag, gegen 15 Uhr, hat es im Großraum München wieder einmal gewackelt. Laut Auswertungen von Erdbebennews, die mir Jens Skapski dankenswerterweise zugetragen hat, lag das Epizentrum bei Holzkirchen im Landkreis Miesbach, die Magnitude wurde mit 1,6 angegeben, die Herdtiefe mit rund 7 Kilometern. Für die Region eines der stärkeren Ereignisse der letzten Jahre – was streng genommen mehr über die übliche Ruhe dort aussagt als über die Wucht des aktuellen Bebens. Spürbar dürfte davon, wenn überhaupt, nur sehr wenig gewesen sein – vereinzelt vielleicht ein leises Grollen in unmittelbarer Epizentrumsnähe. Meldungen dazu liegen bislang nicht vor, was bei M1,6 auch nicht anders zu erwarten ist: Solche Magnituden bewegen sich meist unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle und werden fast ausschließlich seismometrisch registriert. Eine Anlage mit Vorgeschichte Interessant wird es, sobald man sich den Ort des Geschehens genauer ansieht. Denn Holzkirchen ist keine unbesc...

Der Deutsche Radiopreis, oder: Wie man sich selbst eine Trophäe für Tapferkeit im Dienst am eigenen Sender überreicht

  Es ist wieder soweit. Am Donnerstagabend haben sich rund tausend Menschen im Hamburger Stage Theater an der Elbe versammelt, um sich gegenseitig dafür zu applaudieren, dass sie ein Mikrofon bedienen können. Der Deutsche Radiopreis, mittlerweile zum siebzehnten Mal verliehen, ist damit wieder erwachsen genug, um selbst ein Führerschein zu machen – handwerklich hat er sich seit der Jugend allerdings nicht wesentlich weiterentwickelt. Für alle, die es verpasst haben: Aus über 400 Einreichungen hat eine unabhängige Jury des Grimme-Instituts die Besten der Branche gekürt. Unabhängig ist hier ein interessantes Wort für ein Gremium, das Programme bewertet, die von genau den Sendern eingereicht wurden, die anschließend Pressemitteilungen über ihre eigene Grandiosität verschicken. Das ist, als würde man den Elternabend die Hausaufgaben benoten lassen, die die eigenen Kinder eingereicht haben, und sich anschließend wundern, dass alle eine Eins bekommen. Rotes Sofa für eine Branche, ...

Île Bonaventure: Eine Insel aus Gebirgsschutt, die zum größten Vogelfelsen der Welt wurde

  Wer nach Île Bonaventure sucht, bekommt vor allem Basstölpel vorgesetzt: gut 280.000 Tiere, die dichteste und am besten zugängliche Kolonie ihrer Art weltweit, dicht an dicht auf steilen Klippen im Golf von Sankt-Lorenz. Zweifellos ein beeindruckendes Bild. Mich interessiert an dieser Stelle aber, wie gewohnt, weniger das Federvieh als der Fels, auf dem es sitzt. Île Bonaventure liegt rund 3,5 Kilometer vor der Südküste der Gaspésie-Halbinsel in Québec, fünf Kilometer südöstlich des Städtchens Percé, mit dem sie sich seit 1985 einen gemeinsamen Nationalpark teilt. Und das ist bereits die erste Pointe der Geschichte: Die Insel und ihr berühmter Nachbar, der durchlöcherte Rocher Percé, sehen auf Fotos aus wie zwei Geschwister derselben Küstenlandschaft. Geologisch trennen sie mindestens 60, eher 90 Millionen Jahre. Beide liegen in den nördlichen Appalachen, jener Gebirgskette, die sich von Neufundland bis Alabama zieht und deren Werdegang in Québec mit der Öffnung und Schließung...

Vom Verfluchen zum Aufhängen: Kinderfotos und ihre Halbwertszeit

  Es gibt Dinge, die man als Kind mit einer Inbrunst hasst, die man später selbst kaum noch nachvollziehen kann. Bei mir waren das die Kinderfotos. Bei Oma an der Wand, bei Tanten und Onkeln auf der Kommode, gerne auch im goldenen Rahmen und mit einer Beleuchtung versehen, die jedes noch so poséenhafte Babyfoto in den Rang eines Museumsstücks hob. Meine, die meiner beiden Brüder, die der Cousinen und Cousins. Ich fand es fürchterlich. Nicht ein bisschen unangenehm, sondern regelrecht fürchterlich. Wahrscheinlich, weil man mit zwölf oder vierzehn Jahren jede Erinnerung an die eigene Wehrlosigkeit als persönlichen Angriff wertet. Heute hängen bei mir Kinderfotos. Die meiner Patenkinder, meiner Nichten und Neffen. Ich bin also genau der geworden, den ich damals am liebsten aus jeder Wohnung verbannt hätte. Das ist eine dieser Volten, die das Leben ganz beiläufig hinlegt, ohne Ankündigung und ohne die Höflichkeit, einem vorher Bescheid zu geben. Ich will an dieser Stelle nicht ins S...