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Der Ätna ist nicht, was wir dachten Eine neue Studie klassifiziert Europas aktivsten Vulkan als riesigen "Petit-Spot" — und das ändert einiges.

  Ein Vulkan, der nicht in die Schublade passt Der Ätna raucht. Das tut er seit rund 500.000 Jahren, mit beeindruckender Regelmäßigkeit, mal mehr, mal weniger dramatisch. Europas aktivster Vulkan bricht im Schnitt mehrmals pro Jahr aus, manchmal brüllt er auch mitten in ein paar ruhige Monate hinein, wie zuletzt im Juni 2025, als er eine Wandergruppe so erschreckte, dass die Leute Hals über Kopf den Berg hinuntergerannt sind. Bekannt ist der Ätna. Gut erforscht auch. Und trotzdem — oder vielleicht gerade deswegen — konnte ihn die Vulkanologie nie wirklich sauber einordnen. Er passt nicht. Nicht in die Subduktionszone-Kategorie, nicht zu den klassischen Hotspot-Vulkanen wie Hawaii oder Island, und als reiner Stratovulkan ist er auch nur zur Hälfte korrekt beschrieben. Das hat Geologen seit Jahrzehnten beschäftigt. Jetzt liefert eine Schweizer-italienische Forschergruppe eine mögliche Antwort — und die hat es in sich. Die Studie: Ein Leck im Erdmantel Sébastien Pilet von de...

Fränkische Brennereikunst - Teil 2: Die Geschichte der Schnapsbrennereien

*Willkommen zum zweiten Teil unserer Blogserie über Frankens Getränketradition. Nach dem Bier widmen wir uns heute der nicht minder traditionsreichen Kunst des Destillierens - einer Handwerkskunst, die in Franken seit Jahrhunderten gepflegt wird.* ## Von der Medizin zum Genuss: Die Anfänge der Destillation Die Geschichte der fränkischen Brennereien beginnt im Mittelalter, als Mönche und Gelehrte die Kunst der Destillation aus dem arabischen Raum übernahmen. Was zunächst der Herstellung von Medizin und "Lebenswasser" (Aqua vitae) diente, entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Handwerkszweig. Bereits im 14. Jahrhundert entstanden in fränkischen Klöstern die ersten Brennereien. Die Mönche destillierten anfangs hauptsächlich Kräuterschnäpse und Heilelixiere, doch schon bald entdeckten sie das Potenzial der reichlich vorhandenen Obstgärten für die Schnapsproduktion. ## Die Blütezeit der Obstbrände: Franken wird zur Brennerei-Hochburg Das 18. und 19. Jahrhundert markierten die...

Fränkische Braukunst - Teil 1: Die Geschichte des Brauens in Franken

*Willkommen zur ersten Folge unserer Blogserie über die reiche Getränketradition Frankens. Heute tauchen wir ein in die jahrhundertealte Geschichte des Brauens in einer der bierreichsten Regionen der Welt.* ## Das Land der tausend Biere Wer durch Franken reist, dem begegnen sie überall: kleine Brauereigebäude mit rauchenden Schornsteinen, traditionelle Gasthäuser mit hausgebrautem Bier und Ortschaften, in denen mehr Brauereien als Einwohner zu leben scheinen. Mit über 300 aktiven Brauereien auf kleinstem Raum hält Franken einen weltweiten Rekord - nirgendwo sonst gibt es eine höhere Brauereidichte. ## Mittelalterliche Anfänge: Wenn Mönche zu Braumeistern werden Die Geschichte des fränkischen Brauens reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Bereits im 8. und 9. Jahrhundert begannen Klöster wie Weißenohe oder St. Georgen in Buttenheim mit der Bierherstellung. Was zunächst der Eigenversorgung der Mönche diente, entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Die Mönche brach...

Das Gebirge macht demütig - Ein Wochenende in Berchtesgaden — und ein kurzer Waffenstillstand mit der Welt

Ich verspreche euch: Morgen bin ich wieder der böse Haudrauf. Morgen gibt es wieder Kritik, Analyse, Schorsch-Momente und Radio-Eriwan-Logik. Aber heute nicht. Heute lasse ich etwas wirken. Das Wochenende hat mir das abverlangt. Nicht durch Überredung — sondern durch schiere Größe. Berchtesgaden: Wenn die Kulisse den Menschen kleiner macht Ich bin kein Wanderer. Das sage ich ehrlich und ohne Entschuldigung. Der Unterschied zwischen mir und dem klassischen Bergsteiger ist ungefähr so groß wie der zwischen einem Königssee-Schiff und einem Kajak. Ich bin der Turnschuhtourist — und das ist vollkommen in Ordnung. Aber auch als Turnschuhtourist kommt man in Berchtesgaden nicht ungeschoren davon. Das Gebirge lässt einen nicht in Ruhe. Es schaut auf einen herunter — im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Das Dokumentationszentrum Obersalzberg: Geschichte, die drückt Der erste Stopp war das Dokumentationszentrum Obersalzberg. Ein Ort, der schwer ist — im besten Sinne des Wortes. Die ...

Die Singer Company: Wie eine Vision die Welt des Nähens revolutionierte

Die Singer Company ist heute ein Synonym für Nähmaschinen und hat über mehr als 170 Jahre hinweg das Handwerk des Nähens grundlegend verändert. Doch wie wurde aus einer kleinen amerikanischen Firma eines der ersten globalen Unternehmen der Welt? Die Geschichte von Singer ist eine faszinierende Reise durch Innovation, Marketing-Genialität und industrielle Revolution. ## Die Anfänge: Isaac Merritt Singer und seine Vision Die Geschichte beginnt 1851 mit Isaac Merritt Singer, einem amerikanischen Erfinder und Unternehmer. Singer war nicht der erste, der eine Nähmaschine entwickelte – bereits in den 1830er Jahren gab es verschiedene Prototypen. Doch Singer erkannte die Schwächen der bestehenden Maschinen und entwickelte eine praktische, zuverlässige Lösung. Seine erste Nähmaschine kombinierte die besten Eigenschaften bereits existierender Modelle: den durchlaufenden Stich, die horizontale Arbeitsplatte und das Fußpedal zum Antrieb. Was Singers Maschine besonders machte, war ihre Benutzerfre...

27 Jahre danach: Ein Tag, der mich mehr geprägt hat als ich damals ahnte

Am 3. Mai 1999 bin ich in die Hahnenkammkaserne in Heidenheim bei Gunzenhausen eingerückt. Wehrpflichtiger, Panzerbataillon, Mittelfranken. Ich war nicht gefragt worden, ob ich das wollte. Das war auch der Sinn der Sache. Heute, 27 Jahre später, lohnt es sich, kurz innezuhalten. Nicht aus Nostalgie. Nostalgie ist eine Krankheit, die man mit ausreichend Realitätssinn in Schach halten kann. Sondern weil dieser Tag tatsächlich etwas in mir verändert hat — und weil ich glaube, dass wir als Gesellschaft gerade dabei sind, genau das zu verlernen, was mir dieser Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte beigebracht hat. Leopard 2, M113 und die Kunst, mit echten Arschlöchern klarzukommen Zehn Monate. Das war die Grundwehrdienstzeit, die mir der Staat damals abverlangte. In dieser Zeit habe ich Leopard 2, M113, Keiler, Skorpion und Fuchs kennengelernt — Fahrzeuge, deren Komplexität man nicht aus Handbüchern begreift, sondern nur dann, wenn man bei Minusgraden im Freien an ihnen arbeitet und j...

Die Geschichte der Pfaff Nähmaschinen - Ein deutscher Industriegigant

Die Geschichte der Pfaff Nähmaschinen ist eine faszinierende Reise durch mehr als 160 Jahre deutscher Ingenieurskunst und Innovation. Von den bescheidenen Anfängen eines Instrumentenmachers bis hin zum weltweit agierenden Industrieunternehmen – die Marke Pfaff hat die Nähmaschinenbranche geprägt wie kaum eine andere. ## Die Anfänge: Georg Michael Pfaff und seine Vision (1862) Alles begann im Jahr 1862, als der Instrumentenmacher Georg Michael Pfaff (1823-1893) in Kaiserslautern seine erste Nähmaschine konstruierte. Pfaff war ursprünglich Blechinstrumentenbauer und kam über die Reparatur von Nähmaschinen zum Bau eigener Maschinen. Seine erste Nähmaschine orientierte sich zunächst am System von Howe, später an dem von Singer. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bereits ein Jahr nach der Firmengründung lieferte Pfaff sein erstes Modell aus und verkaufte in den folgenden Jahren tausende Nähmaschinen. Die Geschäfte liefen so gut, dass Georg Michael Pfaff nach wenigen Jahren sein ur...