Posts

Vojtěch Kryšpín auf der Lok 383 019-7: Wer hinter dem Namen steckt

Wer in Tschechien oder an einer internationalen Strecke eine ČD-Cargo-Vectron mit dem Namen **Vojtěch Kryšpín** sieht, schaut nicht nur auf eine Lokomotive, sondern auf ein Stück Eisenbahngeschichte. Der Name erinnert an einen Ingenieur, der die tschechoslowakische Fahrzeugbezeichnung bis heute geprägt hat. Besonders spannend: Die moderne Lok 383 019-7 trägt damit den Namen eines Mannes, dessen Arbeit noch immer im Bahnbetrieb sichtbar ist. Wer war Vojtěch Kryšpín? Vojtěch Kryšpín war ein tschechischer Lokomotivkonstrukteur und Eisenbahningenieur, der von 1876 bis 1959 lebte. Er arbeitete früh in der Lokomotiventwicklung und wurde zu einer wichtigen Figur der tschechoslowakischen Eisenbahnindustrie. Sein Name ist bis heute vor allem mit dem sogenannten Kryšpín-System verbunden, also der klassischen Fahrzeugnummerierung für Lokomotiven und Triebfahrzeuge.   Das Kryšpín-System Das Kryšpín-Schema war in der Tschechoslowakei über Jahrzehnte das zentrale System zur Kennzeichnung von Lok...

Crannogs: Die geheimnisvollen künstlichen Inseln Schottlands und Irlands

Bild
Mitten in Seen und Mooren von Schottland und Irland liegen Bauwerke, die auf den ersten Blick wie kleine natürliche Inseln wirken. Doch Crannogs sind künstlich geschaffen: Sie bestehen aus Holz, Strauchwerk, Steinen und aufgeschüttetem Material und dienten über Jahrtausende als Wohn-, Schutz- und möglicherweise auch Statusorte. Besonders spannend ist, dass einige dieser Anlagen offenbar viel älter sind als lange angenommen — einzelne Beispiele reichen bis in die Jungsteinzeit zurück.  Was sind Crannogs? Der Begriff „Crannog“ bezeichnet eine künstlich errichtete Insel oder Wasserplattform. Solche Anlagen wurden meist in Seen, manchmal auch in Mooren oder küstennahen Gewässern angelegt. Ihr Aufbau konnte sehr unterschiedlich sein: Manche Crannogs bestanden vor allem aus einer Holzplattform, andere waren mit Stein, Erde und Strauchwerk verstärkt und über Stege oder Dämme mit dem Ufer verbunden.  Crannogs waren keine rein dekorativen Bauten, sondern praktische und symbolisch aufge...

Vom Musikvideo zur Doku: Was machen die DoRo-Videoproduzenten heute?

Die Wiener Kultproduzenten Rudi Dolezal und Hannes Rossacher haben den Musikclip geprägt — und sich mit der Medienlandschaft weiterentwickelt. Wer in den 1980er- und 1990er-Jahren Musikvideos in deutschsprachigem Fernsehen gesehen hat, ist an DoRo kaum vorbeigekommen. Hinter dem Namen stehen die Wiener Videoproduzenten Rudi Dolezal und Hannes Rossacher, die mit ihren Clips, Konzertfilmen und Künstlerporträts Musikgeschichte mitgeprägt haben. Doch was machen die beiden heute eigentlich? Die kurze Antwort: Sie sind nicht verschwunden, sondern haben ihr Feld verändert. Statt auf das klassische Musikvideo zu setzen, arbeiten sie heute vor allem an Dokumentationen, Konzertmitschnitten und filmischen Porträts rund um Musik und Künstlerbiografien. Genau darin liegt auch ein Stück Mediengeschichte: Ein Format, das früher den Popmarkt dominierte, ist heute weitgehend von anderen Formen der Bewegtbildkommunikation abgelöst worden. DoRo als Marke einer Ära DoRo war lange Zeit ein Synonym für opul...

Der Selbstbeweihräucherungsverein tagt wieder

  Über Podcast Awards, Haltungsposen und das große kollektive Schulterklopfen Es ist wieder soweit. Irgendwo in Deutschland – wahlweise Berlin, Hamburg oder einer dieser Städte, die sich selbst für das Zentrum des Universums halten – versammelt sich die Podcasting-Szene, um sich gegenseitig Preise zu verleihen. Für Leistungen, die sie selbst definiert haben. Nach Kriterien, die sie selbst festgelegt haben. Bewertet von Menschen, die selbst Podcasts machen. Man nennt das eine „Award-Verleihung". Ich nenne es das, was es ist: organisierter Narzissmus mit Catering. --- Das Prinzip Verstehen Sie das Grundprinzip: Eine handvoll Menschen, die sich aus demselben Milieu kennen, auf denselben Konferenzen verkehren, dieselben Newsletter lesen und dieselben Ansichten teilen, entscheiden, wer in diesem Jahr besonders toll war. Die Nominierten sind überrascht – was insofern bemerkenswert ist, als dass viele davon im Vorfeld in Jurys saßen, auf Panels sprachen oder die Veranstaltung mitorganisi...

Die Geschichte der CB-Funktechnik: Von den Anfängen bis heute

Die CB-Funktechnik (Citizens' Band Radio) hat eine faszinierende Geschichte, die eng mit der Entwicklung der drahtlosen Kommunikation und gesellschaftlichen Veränderungen verknüpft ist. Was einst als professionelles Kommunikationsmittel begann, entwickelte sich zu einem Hobby, das Millionen von Menschen weltweit verbindet. ## Die Anfänge: 1940er und 1950er Jahre Die Wurzeln des CB-Funks liegen in den 1940er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte die amerikanische Federal Communications Commission (FCC) den Bedarf an einem Funkdienst für Privatpersonen und kleine Unternehmen. 1945 wurde erstmals ein Frequenzbereich für den "Citizens Radio Service" reserviert, allerdings noch im UHF-Bereich um 460 MHz. Der entscheidende Durchbruch kam 1958, als die FCC 23 Kanäle im 27-MHz-Bereich (11-Meter-Band) für den CB-Funk freigab. Diese Frequenzen waren ideal: Sie boten eine gute Reichweite bei relativ einfacher Technik und erschwinglichen Geräten. ## Der große Boom: 1970er Jahre...

Kupreanof in Alaska auf Gelb: Was hinter der Unruhe am Vulkan steckt

  Mount Kupreanof auf der Alaska-Halbinsel steht seit dem 12. Mai 2026 auf **YELLOW / ADVISORY**. Nach Angaben des Alaska Volcano Observatory und des USGS haben seismische Aktivität und Schwefeldioxid-Emissionen in den vergangenen Monaten zugenommen; als wahrscheinlichste Ursache gilt eine magmatische Intrusion unter dem Vulkan. Für den Moment ist das vor allem ein Fall für die Überwachung, nicht für Alarmismus. Die Behörden betonen ausdrücklich, dass die aktuellen Daten **nicht** darauf hindeuten, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht, und dass vor einer Eruption weitere Anzeichen verstärkter Unruhe zu erwarten wären. Was derzeit beobachtet wird Die Unruhe an Kupreanof wurde seit Februar 2026 registriert und umfasst anhaltende Erdbebenaktivität sowie nachgewiesene Schwefeldioxid-Emissionen. In der offiziellen Warnmeldung nennt das USGS unter anderem SO2-Raten von etwa 100 bis 1.000 Tonnen pro Tag und ordnet diese Signale als Hinweis auf frisches Magma im Untergrund ein. Wichtig...

KI im Lokaljournalismus: Besser spät als nie — oder besser nie?

Ute hat mich auf einen Beitrag von kress.de aufmerksam gemacht, der mich ehrlich gesagt nicht sonderlich überrascht, aber dennoch zum Nachdenken bringt. Der Verlag Nürnberger Presse — also der Laden hinter den Nürnberger Nachrichten — automatisiert seinen Lokaljournalismus mit KI. Das Ergebnis laut Eigenaussage: Vier Blattmacher sollen künftig das vollständige Printprogramm mit täglich 100 bis 150 Seiten produzieren. Früher beschäftigte man dafür bis zu 43 Mitarbeitende — ein Rückgang des personellen Aufwands um rund 90 Prozent. Stellvertretender Chefredakteur Armin Jelenik nennt das eine „Renaissance des Lokalen". Schöner Begriff. Mal sehen, ob er stimmt. Konkret funktioniert das Ganze so: Über ein Upload-Tool können registrierte Autorinnen und Autoren — Vereinsschreiber, Organisationen oder freie Mitarbeitende — Texte und Bilder einstellen. Eine KI unterstützt bei der Textproduktion und weist per Faktencheck auf Unstimmigkeiten hin. Eine Layout-Engine platziert die Inhalte ans...