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Folge 7: Freiberger Brauerei - Silberstadt-Tradition seit 1266

*Eine Blogserie über DDR-Brauereien: Geschichte, Gegenwart und Zukunft* --- ## 758 Jahre Braukunst: Eine der ältesten Brauereien Deutschlands In einer Zeit, als Marco Polo gerade von seinen Reisen nach China zurückkehrte und in Deutschland die ersten gotischen Kathedralen entstanden, begann in Freiberg bereits eine Tradition, die bis heute andauert: das Bierbrauen. 1266 wurde der Freiberger Brauerei das Braurecht verliehen – damit ist sie eine der ältesten noch produzierenden Brauereien Deutschlands. Die Geschichte der Freiberger Brauerei ist untrennbar mit der Geschichte ihrer Stadt verbunden. Freiberg, einst die reichste Stadt Sachsens dank ihrer Silberminen, erlebte Höhen und Tiefen, Kriege und Krisen, politische Umbrüche und wirtschaftliche Wandlungen. Durch all diese Jahrhunderte hindurch blieb die Brauerei ein konstanter Faktor – mal mehr, mal weniger erfolgreich, aber stets ein Stück Freiberger Identität. Was macht eine Brauerei so langlebig? Wie übersteht ein Unternehmen fast a...

Top-Down im Sand: Warum Ute Mündlein vormacht, wie es anders geht

Ein Kommentar zur Digitalisierungs-Folklore in der Provinz Das bekannte Muster Es gibt ein Muster, das man in der deutschen Provinz inzwischen im Schlaf erkennt. Eine politische Ebene entdeckt ein Thema – Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Innovation, beliebig austauschbar – und startet eine Initiative. Pressetermin, Banner, Fördermittelbescheid, Auftaktveranstaltung mit drei Reden zu viel. Der Anspruch ist immer der gleiche: Leuchtturm, Vorreiterrolle, Modellregion. Was danach kommt, ist seltener dokumentiert, aber genauso vorhersehbar. Die Struktur, die top-down aufgesetzt wurde, hat kein organisches Publikum, keine gewachsene Trägerschaft und keinen Mechanismus, der sie ohne Förderlogik am Leben hält. Sobald die Förderperiode endet oder die verantwortliche Person die Stelle wechselt, löst sich das Ganze auf – entweder lautlos im Sand, oder mit einer kurzen Pressemitteilung, die das Projekt formal beendet, ohne dass jemand außerhalb des Verteilers etwas davon merkt. Das Grundpr...

Folge 6: Der Pilsener Streit - Bier-Diplomatie zwischen ČSSR und DDR

*Eine Blogserie über DDR-Brauereien: Geschichte, Gegenwart und Zukunft* --- ## Wenn Bier zur Staatsaffäre wird Es war ein Streit, der die Beziehungen zwischen zwei sozialistischen "Bruderländern" über Jahre hinweg belastete. Ein Konflikt, der in Ministerien ausgetragen, in diplomatischen Noten festgehalten und auf höchster politischer Ebene verhandelt wurde. Und worum ging es? Um Bier. Genauer gesagt: um das Recht, ein Bier "Pilsener" zu nennen. Der "Pilsener Streit" zwischen der Tschechoslowakei und der DDR von den 1960er bis in die 1980er Jahre ist eines der kuriosesten Kapitel der deutsch-tschechischen Geschichte. Er zeigt, wie sehr sich die sozialistischen Länder um Prestige, Exporterfolge und nationale Symbole stritten – und wie ein scheinbar harmloses Getränk zur diplomatischen Waffe werden konnte. Diese Geschichte ist mehr als nur eine Anekdote aus der Zeit des Kalten Krieges. Sie offenbart die Mechanismen sozialistischer Planwirtschaft, die Bedeutu...

Ende der Walze, Anfang der Fuge?Was der Betonfertigteil-Hype beim Thema Blowup einfach ausspart

Ingenieur.de hat am 15. Juni einen Artikel veröffentlicht, der mir gut gefallen hat — und genau deshalb stört mich, was darin fehlt. Titel: „Ende der Walze? Warum immer mehr Straßen nicht mehr auf der Baustelle entstehen“. Es geht um Betonfertigteile, die im Werk produziert und vor Ort nur noch montiert werden. Busbahnhöfe, Containerterminals, Flughäfen. Schnellere Bauzeiten, kürzere Sperrungen, sofort belastbar. Klingt nach Fortschritt, und ist es in vielen Fällen auch. Was der Artikel ordentlich aufarbeitet: Lebenszykluskosten, CO₂-Bilanz, die Frage Lastverteilung versus Einzelplatte, das Beispiel Bad Soden am Taunus. Solide journalistische Arbeit, nichts daran auszusetzen. Nur an einer Stelle wird es dünn, und das ist ausgerechnet die Stelle, die mich als jemand, der seit 2013 mit Tiefbau zu tun hat, sofort hängen geblieben ist: Blowup wird mit keinem Wort erwähnt. Was ein Blowup eigentlich ist Beton dehnt sich bei Hitze aus, das ist keine neue Erkenntnis. Bei klassischen Betonfahrb...

46 Meter Wolfram – was an der Meldung aus Portugal wirklich dran ist

Eine Schlagzeile macht aktuell die Runde: Eine 46 Meter dicke Lagerstätte aus „hochwertigem Wolfram“, entdeckt bei einer Tiefbohrung. Das klingt nach Goldrausch. Es lohnt sich trotzdem, einmal genau hinzuschauen, bevor man in Begeisterung verfällt. Die Geologie ist nämlich nüchterner, als es die Meldung suggeriert – und genau deshalb auch interessanter. Worum es tatsächlich geht Hinter der Meldung steckt das Borralha-Wolframprojekt im Norden Portugals, rund 60 Kilometer östlich von Braga. Betreiber ist die kanadische Allied Critical Metals Inc., die dort eine ehemals produzierende Wolfram-Mine wiederbelebt. Im Rahmen des laufenden Bohrprogramms an der sogenannten Santa Helena Breccia wurde Bohrloch Bo_RC_27/25 veröffentlicht, und das ist der Ursprung der „46 Meter“: Bohrloch Intervall Gehalt WO₃ Bo_RC_27/25 46,0 m ab 204,0 m Tiefe 0,22 % (Durchschnitt) davon 22,0 m ab 228,0 m 0,35 % davon 6,0 m ab 228,0 m 1,02 % Wichtig für das Verständnis: 46 Meter ist die Mächtigkeit des mineralisier...

Geologisches Gedächtnis: Ein Fluss in Quebec, ein Berg auf Teneriffa

Warum zwei vermeintlich unzusammenhängende Erdbebenmeldungen dieser Woche dieselbe Geschichte erzählen – die Geschichte davon, dass die Erde nichts vergisst Diese Woche kamen zwei geologische Meldungen über den Ticker, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Ein Beben der Magnitude 4,4 nordwestlich von Quebec, das niemandem etwas getan hat. Und eine seit Monaten anhaltende Serie von Mikrobeben unter dem Teide auf Teneriffa, die niemand spürt, die aber Vulkanologen seit Februar nicht mehr aus den Augen lassen. Beide Ereignisse haben mit akuter Gefahr wenig zu tun. Beide haben sehr viel mit etwas zu tun, das mich an meinem Schreibtisch im Landkreis Fürth genauso beschäftigt wie das Egerbecken: Geologische Systeme arbeiten in Zeiträumen, die mit unserem Nachrichtenzyklus nichts gemein haben. Ein System, das seit Jahrmillionen „ruhig“ erscheint, kann trotzdem hochaktiv sein. Man muss nur lange genug hinschauen. Teil 1: Warum der St.-Lorenz-Strom genau da liegt, wo er liegt...

Zwei Dachstühle, eine Vermutung: Was die PV-Brände in Polling und Fürth mit Fachkräftemangel zu tun haben könnten

Ein Brand, den ich aus der Nähe gesehen habe Am 29. Mai 2026 brannte der Dachstuhl der Hauptrettungswache des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Fürth, Henri-Dunant-Straße. Meterhohe Flammen schlugen aus dem Dach. Ich war zufällig vor Ort und habe die Löscharbeiten mitbekommen. Die Polizei geht von einem Schaden im niedrigen sechsstelligen Bereich aus. Verletzt wurde niemand, das BRK-Personal hatte das Gebäude rechtzeitig verlassen. Schon am Tag selbst war klar, wo der Brandherd lag: im Bereich der Photovoltaikanlage auf dem Dach. Das THW musste in den Tagen danach ein Gerüst an der Fassade errichten, um die beschädigten Module sicher demontieren zu lassen – Folgebrände und herabstürzende Teile sollten vermieden werden. Knapp drei Wochen später, am 20. Juni 2026, brannte in Polling im Landkreis Mühldorf am Inn ebenfalls ein Dachstuhl komplett aus. Schaden bis zu 100.000 Euro, kein Verletzter, laut Polizei ein „mutmaSslicher technischer Defekt“. Hier muss ich ehrlich sein, was Fakt und ...