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De-Mail ist tot. Überraschung. Und die anderen auch

Es gibt Momente, in denen man nicht weiß, ob man lachen oder einfach zur Tagesordnung übergehen soll. Der Bundestag hat vergangene Woche das Ende von De-Mail beschlossen. Nach 15 Jahren, hohen Betriebskosten und aufwändigen Prüfverfahren. Das Ende kommt zum 31. Dezember 2026. Falls der Bundesrat zustimmt — und es gibt keinen erkennbaren Grund, warum er es nicht täte. Das ist keine Neuigkeit. Das ist die Bestattung eines Patienten, der seit Jahren tot ist. Aber De-Mail steht nicht allein. Es ist Teil einer Reihe. Und die Reihe hat eine Struktur, die man kennen sollte. Das Muster Die Grundannahme lautet jedes Mal: Wenn Deutschland — oder Europa — es selbst baut, wird es besser, sicherer, souveräner. Unabhängiger von den Amerikanern. Der Subtext ist nationaler Stolz verkleidet als Technologiepolitik. Das Ergebnis ist meistens dasselbe. Fall 1: Paydirekt / Giropay (2015–2024) PayPal startete im Jahr 2000. Es dauerte stolze 16 Jahre, bis die deutsche Kreditwirtschaft eine Antwort darauf ent...

Interflug Serie - Teil 1: Aufbruch in den Himmel

## Die Gründung der DDR-Airline (1958-1963) *Eine fünfteilige Serie über die Geschichte der Interflug - von den Anfängen bis zum Ende* --- ### Prolog: Ein Traum wird wahr Es ist der 18. September 1958. In einem unscheinbaren Büro in Ost-Berlin wird Geschichte geschrieben. Mit der Gründung der "Deutschen Lufthansa der DDR" - später umbenannt in Interflug - erfüllt sich ein lang gehegter Traum: Die DDR bekommt ihre eigene nationale Fluggesellschaft. Was mit wenigen Propellermaschinen beginnt, wird zu einer der bekanntesten Airlines des Ostblocks heranwachsen. ### Aus den Trümmern des Krieges Die Geschichte der Interflug beginnt nicht 1958, sondern bereits in den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Nach 1945 war der deutschen Zivilluftfahrt jegliche Aktivität untersagt. Während im Westen bereits 1955 die neue Lufthansa gegründet wurde, musste die DDR länger warten. 1954 entstand die "Deutsche Verkehrsflug GmbH" (DVL) als erster Schritt zurück in die Lüfte. Mit sowjetische...

Campi Flegrei: Der Supervulkan zählt die Jahre Ein neues Preprint liefert einen Zeitrahmen für einen „Regimewechsel“ unter Neapel. Was bedeutet das — und wie gefährlich ist es wirklich?

Wer sich regelmäßig mit Vulkanologie beschäftigt, hat eine gewisse Toleranz gegenüber Schlagzeilen entwickelt, die den unmittelbar bevorstehenden Untergang Neapels verkünden. Die Phlegräischen Felder — auf Italienisch Campi Flegrei, auf Latein so viel wie "brennende Felder" — sind ein dankbares Objekt für Katastrophenjournalismus. Der größte aktive Supervulkan Europas liegt unter einer Metropolregion mit mehr als einer Million Einwohnern. Das gibt sich als Thema quasi von selbst. Ein aktuelles Preprint von Davide Zaccagnino und Kollegen, erschienen auf arXiv im Mai 2026, verdient allerdings mehr als den üblichen reflexhaften Abgesang. Die Forschenden vom Nationalen Vulkanologischen Institut in Rom und der Southern University of Science and Technology in Shenzhen haben nicht einfach neue Messdaten präsentiert. Sie haben eine mathematische Kategorisierung des Aktivitätsmusters vorgenommen — und kommen zu einem Ergebnis, das nachdenklich macht. Was die Daten sagen Seit 2005 s...

Haustür, Glasfaser und die Grenze zur Nötigung

Die Nürnberger Nachrichten berichten heute über eine Hauseigentümerin im Nürnberger Nordosten, die mit Vertretern im Auftrag der Deutschen Telekom Erfahrungen gemacht hat, die sie offenbar zur Androhung anwaltlicher Schritte veranlasst haben. Der Artikel spricht von "unlauteren Methoden" bei der Haustürakquise für den Glasfaserausbau. Mehr ist hinter der Paywall, aber der Teaser reicht, um das Muster zu erkennen — denn das Muster ist bekannt. Der Glasfaserausbau in Deutschland ist ein infrastrukturpolitisch wichtiges Projekt. Das steht außer Frage. Was ebenso außer Frage steht: Der Vertrieb rund um diesen Ausbau hat in Teilen Methoden entwickelt, die mit seriösem Geschäftsgebaren wenig zu tun haben. Subunternehmen, die im Namen großer Netzbetreiber auftreten, stehen unter erheblichem Akquisedruck. Das überträgt sich auf das Verhalten gegenüber Eigentümern und Mietern. Was passiert konkret? Vertreter erscheinen unangekündigt an der Haustür. Sie präsentieren Vertragsunterlagen....

Abschied von Huxe

Es gibt Produkte, über die man nie einen Beitrag schreiben würde, solange sie funktionieren. Huxe war so eines. Man öffnet die App, sie tut, was sie soll, und irgendwann merkt man, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt — weil es einfach funktioniert. Das ist das höchste Lob, das man einer Anwendung aussprechen kann. Am 21. Mai verschwand Huxe aus dem App Store und dem Play Store. Am 28. Mai um 10 Uhr pazifischer Zeit endet der Dienst. Am 29. Mai werden alle Nutzerdaten gelöscht. Das Huxe-Team hat die Einstellung auf X bekanntgegeben — sachlich, ohne Marketing-Geschwätz, mit einer Zeile, die man selten liest: „Dass Sie es genutzt haben, Freunden davon erzählt, uns Ihre Vorschläge und Ideen geschickt haben, hat es so wirken lassen, als hätten wir es gemeinsam aufgebaut." Das ist eine ehrliche Aussage. Und sie macht den Abschied nicht leichter. Wer Huxe nicht kannte: Es war eine neue Art der Nachrichtengestaltung. Keine passive Timeline, in der ein Algorithmus entscheidet, was ma...

Eine Ode an die V60: Die Rangierlok mit unverwüstlichem Charakter

Sie ist nicht die schönste, nicht die schnellste und auch nicht die modernste – und doch hat die Baureihe V60 einen ganz besonderen Platz in den Herzen der Eisenbahner erobert. Diese kompakte Diesellok mit ihrer charakteristischen, gedrungenen Silhouette verkörpert wie kaum eine andere Baureihe das, was man als „ehrliche Eisenbahnromantik" bezeichnen könnte. ## Ein Arbeitstier mit Seele Seit 1955, als die ersten Exemplare der V60 ihren Dienst antraten, hat sich diese Lok als wahres Arbeitstier erwiesen. Insgesamt 942 Stück wurden gebaut – eine beeindruckende Zahl, die bereits für sich spricht. Doch was macht diese Maschine so besonders? Es ist ihr unverwechselbarer Charakter. Die V60 ist eine Lok, die nicht mit Eleganz oder Geschwindigkeit beeindruckt, sondern mit Verlässlichkeit und Ausdauer. Sie ist die Verkörperung des deutschen Ingenieursgeistes der Nachkriegszeit: robust, praktisch und für die Ewigkeit gebaut. ## Das charakteristische Ziehen und Zerren Jeder, der schon einmal...

Das Mittelmeer, die Flut, die nicht kam — Ein Beitrag über wissenschaftliche Konsensmodelle, geologische Geduld und die Kunst, an der falschen Stelle zu suchen

Am 6. Oktober 1970 kehrte das Tiefseebohrschiff Glomar Challenger in den Hafen von Lissabon zurück. In seinen Bohrkernbehältern steckte das, was die Geologie des Mittelmeers für die nächsten fünfzig Jahre definieren sollte: Gips, Halit, Muschelreste aus hochkonzentrierter Salzlake. Das Mittelmeer, so lautete die Schlussfolgerung, war vor etwa sechs Millionen Jahren ausgetrocknet. Eine riesige, salzgefüllte Senke, bis zu zwei Kilometer tief unter dem globalen Meeresspiegel. Und dann, eine halbe Million Jahre später, soll der Atlantik durch die heutige Straße von Gibraltar eingebrochen sein — in einem Wasserfall, der nach Angaben der Entdecker hundertmal größer gewesen wäre als die Victoriafälle. Klingt nach großem Kino. David Attenborough drehte eine Dokumentation darüber. Gibraltar gab eine Briefmarke heraus. Der Konsens war geboren. Und jetzt, im Mai 2026, erscheint in Spektrum der Wissenschaft ein Artikel mit dem Titel: „Die Sintflut, die nicht stattfand.“ Was die neue Forschung...