Folge 20: Apollo 16 – Hochland-Abenteuer und das Zittern im Orbit
Im April 1972 steuerte die NASA das Descartes-Hochland an. Man vermutete dort vulkanisches Gestein, doch der Mond hatte eine Überraschung parat, die die Geologen am Boden verblüffen sollte.
1. Die Crew: Der Veteran und der „Moonwalker“
John Young (Kommandant): Einer der erfahrensten Männer der NASA (er flog bereits Apollo 10 um den Mond). Er war bekannt für seinen extrem niedrigen Ruhepuls, selbst in brenzligen Situationen.
Charles Duke (Pilot der Mondfähre): Die Welt kannte seine Stimme bereits – er war der Capcom bei der Landung von Apollo 11 („Wir waren hier kurz vor dem Blauwerden“).
Ken Mattingly (Pilot des Befehlsmoduls): Der Mann, der bei Apollo 13 wegen der Röteln am Boden bleiben musste, bekam nun endlich seine Chance im All.
2. Das Drama im Mondorbit: Das defekte Triebwerk
Kurz nachdem sich die Landefähre Orion vom Befehlsmodul Casper getrennt hatte, entdeckte Ken Mattingly ein technisches Problem am Haupttriebwerk der Kapsel.
Die Gefahr: Wenn das Triebwerk nicht zuverlässig funktionierte, könnten die Astronauten nach der Landung im Mondorbit stranden.
Das Warten: Young und Duke kreisten sechs bange Stunden in der Fähre um den Mond, während die Ingenieure in Houston berechneten, ob das Risiko vertretbar sei. In letzter Sekunde kam das „Go“.
3. „Grand Prix“ auf dem Mond
John Young und Charlie Duke hatten den Lunar Rover dabei und trieben ihn an seine Grenzen.
Um die Federung und Lenkung zu testen, veranstaltete John Young einen regelrechten „Grand Prix“. Er raste über die Kraterlandschaft, während Charlie Duke ihn mit der Filmkamera festhielt.
Die Bilder des hüpfenden und staubaufwirbelnden Rovers gehören zu den dynamischsten Aufnahmen des Programms.
4. Das Rätsel der Steine: Wo sind die Vulkane?
Die Wissenschaftler hatten erwartet, Lavagestein zu finden. Doch Young und Duke fanden etwas ganz anderes: Brekzien (Gestein, das durch gewaltige Meteoriteneinschläge zusammengepresst wurde).
Charlie Duke fand den größten Stein der gesamten Apollo-Ära: den „House Rock“, ein Felsbrocken so groß wie ein kleines Haus.
Diese Entdeckung zwang die Geologen auf der Erde, ihre Theorien über die Entstehung des Mondhochlands komplett umzuschreiben.
5. Das Familienfoto im Staub
Charlie Duke hinterließ eine sehr persönliche Note auf dem Mond. Er legte ein in Plastik eingeschweißtes Foto seiner Familie in den Mondstaub und fotografierte es. Auf der Rückseite stand: „Dies ist die Familie des Astronauten Duke vom Planeten Erde. Gelandet auf dem Mond, April 1972.“ Es liegt dort wahrscheinlich heute noch.
6. Die Olympischen Spiele auf dem Mond
In einer Pause versuchte Charlie Duke, den Rekord im Hochsprung zu brechen (da die Schwerkraft nur 1/6 der Erde beträgt).
Er sprang fast einen Meter hoch, verlor aber das Gleichgewicht und landete gefährlich auf seinem Rucksack (dem PLSS). Wäre dieser beschädigt worden, wäre er in Sekunden erstickt. John Young war nicht amüsiert: „Das war nicht sehr klug, Charlie.“
Die Bedeutung: Apollo 16 bewies, dass die NASA auch im schwierigen Hochland sicher operieren konnte. Die Mission brachte fast 95 kg Gestein zurück und lieferte entscheidende Daten über die chemische Zusammensetzung der Mondkruste.
Ausblick
Wir kommen nun zum großen Finale. In der nächsten Folge (die wir ja schon gemeinsam vorbereitet haben) sehen wir uns Apollo 17 an – den letzten Nachtstart, den einzigen Wissenschaftler auf dem Mond und den Abschied von einer Ära.
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