Folge 21: Apollo 17 – Das furiose Finale im Tal von Taurus-Littrow
Im Dezember 1972 bereitet sich die NASA auf den wissenschaftlich anspruchsvollsten Flug zum Mond vor. Apollo 17 war nicht nur ein Abschied, sondern der Höhepunkt jahrelanger Forschung. Es war die einzige Mission, bei der ein Profi-Geologe direkt vor Ort die Steine klopfte.
1. Ein historischer Nachtstart
Am 7. Dezember 1972 erhellte die Saturn V den Nachthimmel über Florida wie eine künstliche Sonne. Es war der einzige Nachtstart des gesamten Programms. An Bord:
Eugene „Gene“ Cernan (Kommandant): Ein erfahrener Veteran, der fest entschlossen war, das Programm mit maximaler Präzision abzuschließen.
Harrison „Jack“ Schmitt (Pilot der Mondfähre): Als promovierter Geologe war er der erste Zivilist und Wissenschaftler auf dem Mond.
Ronald Evans (Pilot der Befehlskapsel): Er hielt im Orbit der America die Stellung und stellte mit 148 Stunden den Rekord für die längste Zeit in einer Mondumlaufbahn auf.
2. Günter Wendt: Der „Dictator of the Launch Pad“
Bevor die Reise begann, gab es am Startturm kein Vorbeikommen an Günter Wendt. Der in Deutschland geborene Ingenieur war als Pad Leader legendär.
Er war der letzte Mensch, den die Astronauten sahen, bevor die Luke der Kapsel verriegelt wurde.
Wendt war verantwortlich für die Sicherheit am Turm und bekannt für seine unerbittliche Strenge – niemand durfte ohne seine Erlaubnis auch nur eine Schraube berühren. Er war die beruhigende Konstante in der hochexplosiven Umgebung der Saturn V.
3. Geologie im Fokus: Der orangefarbene Boden
Im Taurus-Littrow-Tal machte Jack Schmitt die Entdeckung der Mission: orangen Boden.
Die Bedeutung: Es war vulkanisches Glas. Dieser Fund bewies, dass der Mond eine weitaus dynamischere geologische Geschichte hatte, als viele vermutet hatten. Schmitts Fachwissen verwandelte die Exkursionen von „Sammelaktionen“ in echte wissenschaftliche Feldarbeit.
4. Vollgas auf dem Mond: Der Geschwindigkeitsrekord
Mit dem Lunar Roving Vehicle (LRV) legte die Crew insgesamt über 35 Kilometer zurück.
Der Rekord: Während einer Fahrt bergab erreichte Gene Cernan eine Geschwindigkeit von stolzen 18 km/h. Auf dem holprigen, staubigen Mondgelände bei geringer Schwerkraft war das ein halsbrecherisches Tempo.
Die Reparatur: Als ein Kotflügel des Rovers abbrach, reparierten die Astronauten ihn kurzerhand mit zusammengeklebten Mondkarten – eine der berühmtesten Improvisationen der Raumfahrt.
5. „The Blue Marble“
Auf dem Weg zum Mond schoss die Crew eines der berühmtesten Fotos der Menschheitsgeschichte: Die „Blaue Murmel“. Es war das erste Mal, dass die Erde voll beleuchtet aus der Ferne fotografiert wurde – ein Bild, das die Umweltbewegung weltweit prägte.
6. Die letzten Worte auf der Oberfläche
Bevor Gene Cernan die Leiter der Landefähre Challenger zum letzten Mal hochstieg, hinterließ er eine Botschaft, die bis heute nachhallt:
„Wir gehen, wie wir gekommen sind, und, so Gott will, werden wir zurückkehren – mit Frieden und Hoffnung für die ganze Menschheit.“
Ausblick
Die Ära der Mondlandungen ging mit Apollo 17 zu Ende. Doch die Hardware war noch da! In der nächsten Folge sehen wir uns an, wie die NASA die restlichen Saturn-Raketen nutzte, um mit Skylab das erste dauerhafte Heim im Weltraum zu bauen.
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