Was mir die Einheit positives gebracht hat



Die Deutsche Einheit – für viele von uns ist sie längst selbstverständlich geworden. Doch wenn ich zurückblicke auf meine persönliche Geschichte, wird mir bewusst, wie sehr sie mein Leben bereichert hat. Nicht politisch oder theoretisch, sondern ganz konkret, ganz menschlich.

In meinem frühen Berufsleben Mitte der späten 90er und frühen 2000er Jahre hatte ich mit den Leuten aus den neuen Bundesländern – Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern – kaum Berührungen. Eine Ausnahme war Matthias, einer meiner heute ältesten Freunde. Ein Feingeist und jemand, mit dem man trefflich die großen Fragen des Lebens besprechen kann. Bei der Bundeswehr hatte ich zwar einige Kameraden aus Thüringen, aber bestenfalls ein paar Frotzeleien und relativ wenig echte Berührungspunkte.

Das sollte sich grundlegend ändern.

## Die Reichsbahner

Erst als ich bei einem großen deutschen Logistikkonzern mit zwei Buchstaben anfing, lernte ich sie wirklich kennen und schätzen: die werten Kollegen aus dem Osten. Maik, der leider nicht mehr unter uns weilt. René. Frank. Christina. Ralf. Peter. Um nur einige zu nennen.

Das waren echte Reichsbahner. Menschen mit einem unglaublichen Arbeitsethos, mit Pragmatismus und gleichzeitig mit einer Herzlichkeit, die ich so nicht erwartet hatte. Es war mir ein sehr persönliches Blümchenpflücken, mit ihnen arbeiten zu dürfen. Sie brachten eine andere Perspektive mit, eine andere Art, Probleme anzugehen. Weniger Bürokratie im Kopf, mehr gesunder Menschenverstand. Und diese besondere Mischung aus Humor und Ernst, die ich heute nicht mehr missen möchte.

## Weitblick aus der Baubranche

Später kamen noch einige dazu, vor allem aus der Baubranche. Stellvertretend möchte ich hier Dirk nennen – ein toller Kollege mit unfassbarem Weitblick und viel Ahnung. Von ihm konnte ich enorm viel für mich mitnehmen. Diese Kollegen hatten oft Lebensläufe, die von Umbrüchen geprägt waren, von Neuanfängen nach der Wende. Das machte sie resilient, anpassungsfähig und oft erstaunlich gelassen in stressigen Situationen.

## Was bleibt

Wenn ich heute zurückblicke, wird mir klar: Die Einheit hat mir diese Menschen geschenkt. Kollegen, die zu Freunden wurden. Perspektiven, die meinen Horizont erweitert haben. Geschichten, die mir zeigten, dass es mehr als eine Wahrheit gibt, mehr als einen Weg, Dinge zu sehen.

Die Deutsche Einheit ist für mich keine abstrakte historische Zäsur mehr. Sie ist Maik, René, Frank, Christina, Ralf, Peter, Dirk und Matthias. Sie ist die Bereicherung meines Lebens durch Menschen, die ich ohne sie nie kennengelernt hätte.

Und dafür bin ich dankbar.

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