Der Enkel meldet sich zu Wort – Update Nr. 2
Anak Krakatau: Der Alltag nach dem Ausnahmezustand
Eine knappe Woche nach dem großen Paroxysmus vom 4./5. September lässt sich eine Zwischenbilanz ziehen, die ich so vor einer Woche nicht unbedingt erwartet hätte: Der Vulkan selbst wird leiser, während die Folgen seines Auftritts erst jetzt in voller Größe sichtbar werden. Zwei parallele Geschichten also, und beide verdienen ein Update.
Der Berg: Rutsche statt Rakete
Am 8. September bestätigte die Leiterin der PVMBG, Rita Susilawati, offiziell, was sich in den Messwerten bereits abgezeichnet hatte: Die Aktivität ist in die strombolianische Phase zurückgekehrt, und es besteht keine Tsunamigefahr. Ganz vorbei ist die Sache damit ausdrücklich nicht. Am 10. September um 9:10 Uhr Ortszeit gab es einen weiteren Einzelausbruch – 47 Millimeter Amplitude, 17 Sekunden Dauer, Kolonhöhe wegen Nebels nicht beobachtbar –, dazu am selben Morgen drei Hybridbeben und anhaltenden, schwachen Dauertremor. Das ist, gemessen an den 174 Eruptionsbeben und den 15-Kilometer-Aschesäulen der Vorwoche, das vulkanologische Äquivalent eines Nachbebens: unbedeutend für sich genommen, aber ein klares Signal, dass unter der Insel weiterhin Druck steht. Die Behörde selbst warnt ausdrücklich davor, den Rückgang der Werte mit einem Ende der Gefahr zu verwechseln – eine Formulierung, die ich bei zwei Updates in Folge inzwischen fast wörtlich zitieren kann, was für sich genommen auch schon eine Aussage ist. Alarmstufe III und Dreikilometerzone bleiben unverändert bestehen.
Die Infrastruktur: Die eigentliche Wucht kam am Boden an
Interessanter als der abklingende Vulkan ist inzwischen das Ausmaß dessen, was er in der Luftfahrt angerichtet hat. In der Spitze waren acht Flughäfen zeitweise geschlossen, darunter Soekarno-Hatta als zweitgrößter Airport Südostasiens sowie Halim, Bandung und Lampung. In Summe wurden rund 2.300 Flüge annulliert, mehr als 268.000 Passagiere waren betroffen – Zahlen, die eher an eine große Sturmlage in Europa erinnern als an das, was man sich unter einem Vulkanausbruch mit Alarmstufe III gemeinhin vorstellt. Die indonesische Katastrophenschutzbehörde BNPB hat daraufhin Cloud Seeding angekündigt, also das gezielte Herbeiführen von Regen, um die in der Atmosphäre hängende Asche buchstäblich herunterzuwaschen. Ob das im industriellen Maßstab funktioniert, wird man sehen; als Idee passt es jedenfalls gut zu einem Land, das mit Wettermodifikation bereits bei Starkregenlagen in Jakarta Erfahrung gesammelt hat, nur eben mit umgekehrtem Vorzeichen.
Die Zahl, die international zitiert wird
Für alle, die es genauer mögen: Der Vulkanologe Simon Carn hat anhand von Satellitendaten des NOAA-20-Instruments OMPS errechnet, dass allein bis zum Morgen des 5. September rund 0,2 Teragramm Schwefeldioxid in die obere Troposphäre injiziert wurden. Das ist eine Größenordnung, die man normalerweise nur bei ausgewachsenen VEI-4-Ereignissen sieht, und der Grund, warum sich neben den Vulkanologen inzwischen auch Klimaforscher die Daten genauer ansehen – SO₂ in dieser Höhe wird zu Sulfat-Aerosolen, die messbar, wenn auch in diesem Fall wohl nur regional und kurzfristig, auf Strahlungshaushalt und Sonnenuntergangsfärbung wirken können.
Zwischenstand
Der Vulkan hat seinen Höhepunkt hinter sich, räuspert sich aber weiterhin fast täglich. Die eigentliche Aufräumarbeit findet inzwischen nicht mehr am Krater statt, sondern in den Abfertigungshallen von Soekarno-Hatta und in den Modellrechnungen der Atmosphärenforscher. Ich halte die Lage für das, was sie ist: eine lang auslaufende Unruhephase mit gelegentlichen Erinnerungen daran, dass „abklingend“ nicht dasselbe ist wie „vorbei“. Sollte sich daran etwas ändern, gibt es ein drittes Update.
Quellen: Badan Geologi / PVMBG via MAGMA Indonesia (Lageberichte vom 8. und 10. September 2026), Jakarta Globe, ANTARA News, CNBC, CIMSS Satellite Blog / Simon Carn (NOAA-20 OMPS), IQAir Newsroom.
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