Die Geschichte der Tengelmann-Märkte: Von der Barmer Butterhandlung zum Handelsriesen


Die Geschichte der Tengelmann-Gruppe ist eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten des deutschen Einzelhandels. Über 150 Jahre prägte das Familienunternehmen die deutsche Handelslandschaft und entwickelte sich von einem kleinen Kolonialwarenladen zu einem internationalen Handelskonzern.

## Die Anfänge im 19. Jahrhundert

Alles begann im Jahr 1867, als Wilhelm Schmitz-Scholl in Mülheim an der Ruhr ein kleines Lebensmittelgeschäft eröffnete. Die eigentliche Erfolgsgeschichte nahm jedoch 1873 ihren Lauf, als sein Sohn Emil Tengelmann das Geschäft übernahm und nach Wuppertal-Barmen verlegte. Dort gründete er die "Tengelmann'sche Butterhandlung", die schnell expandierte.

Emil Tengelmann erkannte früh die Bedeutung von Qualität und fairen Preisen. Mit innovativen Konzepten für die damalige Zeit legte er den Grundstein für das spätere Firmenimperium. Die Idee war revolutionär: Durch den direkten Einkauf und den Verzicht auf Zwischenhändler konnten günstigere Preise angeboten werden.

## Die Expansion im 20. Jahrhundert

In den 1920er und 1930er Jahren wuchs das Unternehmen stetig. Nach dem Zweiten Weltkrieg trieb besonders Karl Schmitz-Scholl, ein Nachfahre der Gründerfamilie, die Modernisierung voran. In den 1950er Jahren begann Tengelmann mit der Einführung von Selbstbedienungsläden nach amerikanischem Vorbild – damals eine echte Innovation im deutschen Einzelhandel.

## Der Kaiser's-Erfolg

Ein Meilenstein war die Übernahme der Kaiser's Kaffee Geschäfte in den 1970er Jahren. Kaiser's wurde zu einer der bekanntesten Supermarktketten in Deutschland, besonders stark vertreten in Berlin und anderen Großstädten. Die rot-gelben Kaiser's-Filialen prägten über Jahrzehnte das Stadtbild vieler deutscher Metropolen.

## Plus und weitere Formate

In den 1970er Jahren gründete Tengelmann zudem die Discounterkette Plus, die zeitweise zu den größten Discountern Deutschlands gehörte. Weitere bekannte Marken unter dem Tengelmann-Dach waren OBI (Baumärkte) und KiK (Textildiscounter).

## Internationalisierung

Tengelmann expandierte auch international und war unter anderem in den USA (mit A&P), Italien, Österreich und Osteuropa aktiv. Auf dem Höhepunkt beschäftigte der Konzern weltweit über 300.000 Mitarbeiter.

## Das Ende einer Ära

Ab den 2000er Jahren geriet Tengelmann zunehmend unter Druck. Der harte Wettbewerb im deutschen Lebensmitteleinzelhandel, besonders durch Discounter wie Aldi und Lidl, machte dem Konzern zu schaffen. 

2008 wurde Plus an den Konkurrenten Netto (Edeka-Gruppe) verkauft. 2015 folgte der Verkauf von Kaiser's Tengelmann an Edeka und Rewe – allerdings nicht ohne politische Kontroversen um kartellrechtliche Fragen. Mit dem Ausstieg aus dem operativen Lebensmittelhandel endete 2017 eine über 150-jährige Tradition.

## Das Erbe

Heute existiert die Tengelmann-Gruppe als Beteiligungsgesellschaft weiter und hält Anteile an verschiedenen Unternehmen. Die Familie Haub führt das Erbe fort, wenn auch in anderer Form.

Die Geschichte von Tengelmann steht stellvertretend für die Entwicklung des deutschen Einzelhandels: von kleinen Kolonialwarenläden über Supermärkte bis hin zur Discounter-Dominanz. Für viele Generationen von Deutschen waren Tengelmann-Märkte ein fester Bestandteil des Alltags – ein Stück Handelsgeschichte, das nicht vergessen werden sollte.

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