Damals Nachrichten, heute Erziehung? Warum mir Lueg und Nowottny fehlen


Es gibt Nächte, da liegt man wach und die Gedanken kreisen nicht um die Arbeit oder den Einkaufzettel, sondern um die Vergangenheit. Vergangene Zeiten, vergangene Werte. Mir ging es heute Nacht so mit zwei Namen, die für viele von uns untrennbar mit dem Wort „Journalismus“ verbunden sind: Ernst Dieter Lueg und Friedrich Nowottny.

Und je länger ich wach lag, desto klarer wurde mir: Ich vermisse sie. Und ich vermisse ihre Art, Journalismus zu betreiben.

Die Bonner Nebel vs. die Berliner Blase

Wenn Friedrich Nowottny früher im „Bericht aus Bonn“ die Augenbraue hob oder Ernst Dieter Lueg einen Politiker in die Zange nahm, dann war das großes Kino. Aber es war informatives Kino.

Die beiden waren Typen. Kantig, eigen, hochprofessionell.

  • Nowottny, der Grandseigneur, der mit feiner Ironie und dem berühmten „Auf Wiedersehen“ die Absurditäten der Politik kommentierte, ohne sie uns moralisch um die Ohren zu hauen.

  • Lueg, der „Terrier“, der sich von einem polternden Herbert Wehner nicht einschüchtern ließ („Herr Wöhner...“), sondern ruhig und hartnäckig blieb, bis die Antwort da war.

Was heute anders ist

Was mir heute oft fehlt – und warum ich an die beiden denken musste – ist der Respekt vor dem Zuschauer. Lueg und Nowottny haben berichtet. Sie haben analysiert. Sie haben Fragen gestellt, die wehtaten.

Aber sie haben uns nicht erzogen.

Wenn ich heute den Fernseher einschalte, habe ich oft das Gefühl, ich lande in einer Volkshochschule für „richtiges Denken“. Es wird nicht mehr nur berichtet, was passiert ist. Es wird oft gleich mitgeliefert, wie ich das bitteschön zu finden habe. Dieser belehrende Unterton, der erhobene Zeigefinger, diese Attitüde von „Wir erklären euch jetzt mal die Welt, weil ihr es alleine nicht versteht“ – das gab es bei den alten Bonner Haudegen nicht.

Sehnsucht nach Handwerk statt „Haltung“

Versteht mich nicht falsch: Journalismus muss kritisch sein. Er muss einordnen. Aber der Unterschied liegt in der Distanz. Lueg und Nowottny hatten Distanz zur Macht, aber sie machten sich nicht gemein mit einer Sache.

Heute wird „Haltung“ oft größer geschrieben als „Handwerk“.

Damals galt: Der Zuschauer ist mündig. Man liefert ihm die Fakten, das harte Interview, die Analyse – und das Urteil bildet er sich selbst auf dem Sofa.

Heute fühlt es sich oft an wie „Betreutes Denken“.

Fazit

Vielleicht ist es nur Nostalgie. Vielleicht war früher auch nicht alles Gold, was glänzte. Aber diese Professionalität, diese Nüchternheit gepaart mit Charakterköpfen, die wussten, dass sie Berichterstatter sind und keine Missionare – das fehlt mir.

Ich würde viel dafür geben, noch einmal zu sehen, wie Lueg einem heutigen Politiker eine Frage stellt, der nur mit auswendig gelernten Floskeln antworten will. Er würde einfach so lange nachhaken, bis die heiße Luft raus ist. Ohne Moralpredigt. Einfach nur Journalismus.


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