Die Flodders 2026: Aufgewärmt, aber ohne Dreck
Am 3. September ist sie zurückgekehrt, die Familie Flodder, in einer neuen Generation und einer neuen Serie bei RTL, RTL+ und WOW. Ich habe mir die sechs Folgen angesehen, weil ich es dem Original schuldig war. Und weil ich, anders als viele, die das Ganze nur als drollige Assi-Comedy abtun, in der ursprünglichen „Flodder“-Trilogie von Dick Maas tatsächlich einen kulturellen Fixpunkt sehe. Für mich war das kein Trash zum Ablachen, sondern eine der präzisesten Klassensatiren, die das niederländische Kino je hervorgebracht hat.
1986, als Opa, Ma und der Rest der Sippe in die noble Siedlung einzogen, war das ein echter Tabubruch. Die Flodders waren nicht stilisiert prollig, sie waren einfach so, ungeschminkt, ungewaschen, unangepasst, und genau darin lag die Komik: im Kontrast zwischen echtem sozialen Elend und den Ordnungsvorstellungen des Bürgertums. Diese Fallhöhe, dieser Bruch zwischen Milieu und Kulisse, war das eigentliche Kapital des Films. Ohne ihn hätte es, da bin ich mir sicher, auch die ästhetische und humoristische Blaupause für die New Kids nie gegeben. De Ridder und Steve Huff sind ohne die Flodders schlicht nicht denkbar, das Prinzip der überzeichneten Unterschicht als Stilmittel wurde hier erfunden, dort nur zugespitzt und ins Absurde überdreht.
Und jetzt also die Neuauflage. Kees Junior erbt eine Villa in der feinen Siedlung Eyckendael, zieht mit ihrem eigenen Chaos-Clan ein, die Nachbarn sind entsetzt, die Grundkonstellation ist eins zu eins recycelt. Das wäre an sich kein Problem, gute Stoffe darf man wiederholen. Mein Problem ist ein anderes: Die neue Familie sieht nicht mehr heruntergekommen aus, sie sieht gestylt aus. Schrille Frisuren, knappe Kleidung, demonstratives Proll-Gehabe, alles sitzt zu gut, alles wirkt kuratiert statt gelebt. Was 1986 als bewusstes Abbild einer gesellschaftlichen Unterschicht funktionierte, ist heute Alltagsbild in jeder deutschen Fußgängerzone, und ausgerechnet dieses Alltagsbild reicht nicht mehr, um jemanden zu schockieren.
Damit fehlt der Serie genau das, was das Original ausgemacht hat: die Reibung.
Ohne echten Dreck bleibt nur ein sauber produziertes Sitcom-Gerüst mit Wiedererkennungswert, ein Abziehbild, das sich am Namen und an der Nostalgie der Zuschauer bedient, die 1986 im Kino saßen oder in den Neunzigern vor der Serie. Das ist ein Muster, das ich aus anderen Bereichen zur Genüge kenne, man nehme einen einst kompromisslosen Stoff, feile alle Kanten glatt, damit er massentauglich und werbefreundlich wird, und verkaufe das Ergebnis als Comeback der Kultfamilie. Am Ende steht dann keine Provokation mehr, sondern ein Franchise-Management-Produkt.
Ich will nicht so weit gehen und der Serie jede Existenzberechtigung absprechen, dafür sind erste sechs Folgen zu wenig, und die Neubesetzung, allen voran Tatjana Šimić in der Rolle, die vor vierzig Jahren ihre eigene war, verdient durchaus Respekt. Aber der Vergleich mit dem Original fällt mir schwer zugunsten der Neuauflage aus. Die Flodders waren nie dazu gedacht, sympathisch zu sein. Sie sollten unbequem sein. Genau das ist ihnen 2026 abhandengekommen.
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