Folge 3: Eurasien – Wenn Giganten kollidieren
In den letzten beiden Folgen sahen wir, wie das Auseinanderbrechen von Pangäa neue Ozeane schuf. Heute betrachten wir das genaue Gegenteil. Wir reisen an einen Ort, an dem ein Ozean verschwand und stattdessen die höchsten Gipfel der Welt entstanden: der Himalaya.
Diese Folge ist die Geschichte einer der gewaltigsten Karambolagen der Erdgeschichte.
Geologie: Der Kontinent, der nicht bremsen wollte
Stellen Sie sich vor, Indien war einst ein geologischer Raser. Nach dem Zerfall von Pangäa trennte es sich von Madagaskar und raste mit der (geologisch astronomischen) Geschwindigkeit von über 15 Zentimetern pro Jahr nach Norden.
Ihr Ziel: Eurasien.
Das Tethys-Meer verschwindet: Zwischen Indien und Eurasien lag ein riesiger Ozean, die Tethys. Als Indien nach Norden drückte, wurde der Ozeanboden unter Eurasien gedrückt (Subduktion).
Der Aufprall: Vor etwa 50 Millionen Jahren war der Ozean weg. Indien knallte frontal in Eurasien. Aber Kontinente sind zu leicht, um in den Mantel abzutauchen. Also gab es nur einen Weg: nach oben.
Die Hebung: Die Erdkruste faltete sich auf wie die Motorhaube eines Autos bei einem Unfall. Das Ergebnis ist das Tibeter Plateau und der Himalaya, die noch heute um etwa 5 Millimeter pro Jahr wachsen.
Wussten Sie schon? Der Gipfel des Mount Everest besteht aus Kalkstein, der sich einst am Boden eines warmen, flachen Meeres gebildet hat. Die Tektonik hat Meeresfossilien auf den höchsten Punkt der Erde befördert.
Tierwelt: Überleben in der Todeszone
Diese gewaltige Hebung schuf eine völlig neue Umwelt. Wo früher tropisches Meer war, entstand eine eisige, sauerstoffarme Hochwüste. Die Tierwelt musste sich radikal anpassen oder sterben.
Spezialisten der Höhe: Der Himalaya ist die Heimat einzigartiger Tiere wie des Schneeleoparden, der mit seinem dichten Fell und den breiten Pfoten perfekt an das Leben im Steilhang und im Schnee angepasst ist. Oder der Streifenkopfgans, die auf ihrem Vogelzug den Mount Everest überfliegt – in Höhen, in denen ein Mensch ohne Sauerstoffmaske sterben würde.
Klimamotor für Asien: Die Entstehung des Himalaya veränderte das Weltklima. Das riesige Tibeter Plateau heizt sich im Sommer auf und saugt feuchte Luft vom Indischen Ozean an. Das ist der Ursprung des Asiatischen Monsuns, der heute das Leben von Milliarden Menschen und unzähligen Tierarten bestimmt.
Ausblick auf Folge 4
Wir verlassen die eisigen Höhen und reisen nach Westen, in die Neue Welt. Dort betrachten wir zwei Kontinente (Nord- und Südamerika), die lange getrennt waren und deren dramatische Vereinigung die Meeresströmungen der Welt für immer veränderte.
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