Folge 1: Der große Bruch – Als die Welt ihr Gesicht verlor


​Stellen Sie sich vor, Sie könnten ein Flugticket buchen, das nicht nur Kontinente, sondern auch die Zeit überbrückt. Wir landen vor etwa 200 Millionen Jahren. Ihr GPS würde völlig durchdrehen. Es gibt kein „Links den Atlantik“ und „Rechts den Pazifik“. Es gibt nur Pangäa.
​Ein einziger, gigantischer Superkontinent, umspült von einem unendlichen Ozean namens Panthalassa. Eine Welt ohne Grenzen, aber auch eine Welt vor dem Umbruch.
​Die Erde hat Hummeln im Hintern
​Auch wenn es sich unter unseren Füßen so solide anfühlt: Die Erdkruste ist kein massiver Panzer. Sie ist eher wie die Kruste einer Crème Brulée, die auf einem heißen, zähflüssigen Pudding schwimmt.
​Unter Pangäa staute sich die Hitze des Erdmantels. Wie in einem Topf mit kochendem Nudeltierchen entstanden gewaltige Strömungen – die Mantelkonvektion. Der Superkontinent wirkte wie eine Isolierdecke, bis der Druck zu groß wurde.
​Der Riss, der alles veränderte
​Es begann nicht mit einem lauten Knall, sondern mit einem schleichenden Zerfall:
​Der Atlantik wird geboren: Zwischen dem heutigen Nordamerika, Europa und Afrika bildeten sich tiefe Gräben. Magma drang nach oben, kühlte ab und schob die Landmassen wie langsame Autoscooter auseinander.
​Die Fingernagel-Geschwindigkeit: Die Kontinente drifteten mit etwa 2 bis 10 cm pro Jahr auseinander. Das klingt nach nichts, aber über Jahrmillionen entstehen so Ozeane, in denen heute ganze Flotten versinken können.
​Fun Fact: Würden wir heute noch auf Pangäa leben, könnten Sie theoretisch von New York nach Casablanca laufen – vorausgesetzt, Sie haben sehr bequeme Wanderschuhe und viel Zeit.
​Was das für uns bedeutet
​Dieser Aufbruch war der Startschuss für die biologische Vielfalt. Durch die Trennung der Landmassen entwickelten sich Flora und Fauna isoliert voneinander. Ohne den Zerfall von Pangäa gäbe es heute vielleicht keine Kängurus in Australien oder Lemuren auf Madagaskar. Wir verdanken unsere Vielfalt einem gigantischen geologischen Scheidungsprozess.
​Ausblick auf die nächste Folge
​Im nächsten Teil schauen wir uns an, wo die Erde heute noch „frisch gerissen“ ist. Wir reisen nach Ostafrika, wo der Kontinent gerade dabei ist, sich buchstäblich selbst zu zerteilen.

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