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Wer nicht für uns ist: Die Psychologie hinter dem Freund-Feind-Denken in Krisen

  Eine Vorbemerkung, weil das Thema es verlangt: Es geht in diesem Beitrag um einen psychologischen Mechanismus, nicht um einen historischen Vergleich der Konsequenzen. Wenn ich im Folgenden 1933 erwähne, dann nicht, um Corona-Maßnahmen oder die Frühphase des Ukrainekriegs mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen. Diese Zeit war organisierte Machtergreifung, Propagandaapparat und später physische Vernichtung Andersdenkender, eine völlig andere Größenordnung als alles, was ich hier beschreibe. Was ich vergleiche, ist ausschließlich die Mechanik, mit der Gruppen unter Druck auf Abweichler reagieren. Diese Mechanik ist erstaunlich stabil, egal in welcher historischen Verpackung sie auftritt. Eine wiederkehrende Beobachtung Mir ist aufgefallen, dass sich ein bestimmtes Muster immer wieder zeigt, wenn eine Gesellschaft sich bedroht fühlt: Entweder du bist für uns, oder du bist unser Feind. Ich habe das zu Beginn der Coronakrise erlebt und in der Frühphase des Ukrainekriegs erneut....

„In die Nazi-Ecke gestellt“: Warum in der Merkel-Zeit die wahren Extremisten woanders saßen

Ausgangspunkt: Dieser Beitrag bezieht sich auf das vielbeachtete Essay von Matthew Syed in der Sunday Times: „Angela Merkel was the true extremist of our age“. Es gibt Formulierungen, die brennen sich ein, weil sie einen Nerv treffen. Wenn man heute über die politische Kultur der Jahre 2015 und 2016 spricht, fällt oft ein Satz, der für viele damals wie eine reale Bedrohung wirkte: „Jegliche Diskussion wurde sofort in die Nazi-Ecke gestellt.“ ​Wer diesen Satz pauschal als bloße Übertreibung abtut, macht es sich zu einfach. Denn wer damals – mitten im sogenannten Sommer der Flucht – den Mut hatte, Fragen zu stellen, die nicht in das offizielle moralische Narrativ passten, erlebte eine Debattenkultur, die mit sachlicher Auseinandersetzung nicht mehr zu tun hatte. ​Der britische Publizist Matthew Syed hat in einem Aufsehen erregenden Essay in der Sunday Times eine These formuliert, die diesen Nerv genau trifft: Angela Merkel war die wahre Extremistin unserer Zeit. ​Wenn man Extremismus näm...

Die Geschichte der Tengelmann-Märkte: Von der Barmer Butterhandlung zum Handelsriesen

Die Geschichte der Tengelmann-Gruppe ist eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten des deutschen Einzelhandels. Über 150 Jahre prägte das Familienunternehmen die deutsche Handelslandschaft und entwickelte sich von einem kleinen Kolonialwarenladen zu einem internationalen Handelskonzern. ## Die Anfänge im 19. Jahrhundert Alles begann im Jahr 1867, als Wilhelm Schmitz-Scholl in Mülheim an der Ruhr ein kleines Lebensmittelgeschäft eröffnete. Die eigentliche Erfolgsgeschichte nahm jedoch 1873 ihren Lauf, als sein Sohn Emil Tengelmann das Geschäft übernahm und nach Wuppertal-Barmen verlegte. Dort gründete er die "Tengelmann'sche Butterhandlung", die schnell expandierte. Emil Tengelmann erkannte früh die Bedeutung von Qualität und fairen Preisen. Mit innovativen Konzepten für die damalige Zeit legte er den Grundstein für das spätere Firmenimperium. Die Idee war revolutionär: Durch den direkten Einkauf und den Verzicht auf Zwischenhändler konnten günstigere Preise angeboten ...

Fünf Minuten zum Packen: Wie man aus der Bibertstadt eine Weltmarke an die Wand fährt

  Es gibt Sätze, die man als Zirndorfer nie hören wollte. "Playmobil wird nur noch in Tschechien und Malta produziert" ist so einer. Ich bin in Zirndorf aufgewachsen. Wer hier groß wird, wächst mit dieser Marke auf, ob er will oder nicht. Playmobil war keine Firma, Playmobil war eine Instanz. Ein Wort, das man nicht erklären musste, wenn man irgendwo in Deutschland sagte, wo man herkommt. Man sagte Zirndorf, und das Gegenüber sagte Playmobil, und damit war die geografische Einordnung abgeschlossen. Diese Zeit ist vorbei, und zwar nicht mit einem Knall, sondern mit einer Pressemitteilung. Der Palast zwischen Leichendorf und Lind Wer wissen will, wie groß diese Sache einmal war, muss nur zwischen Leichendorf und Lind fahren. Dort steht er, der Firmensitz, den Playmobil Anfang der Neunziger auf die grüne Wiese gesetzt hat. Ein Verwaltungsbau, der in seiner Dimension und seiner Selbstsicherheit aus einer anderen Republik zu stammen scheint. Das waren, wie man so sagt, noch ...

Leib und Leben, aber bitte erst 2027

  Es gibt Momente, in denen man sich fühlt wie Klaus Kinski vor laufender Kamera, kurz bevor er dem Regisseur erklärt, was er von dessen Drehbuch hält – nur dass mein Drehbuch diesmal von der Stadt Fürth und dem Baureferat Nürnberg geschrieben wurde, und die Antwort auf die Frage „ist das ein Scherz“ tatsächlich „nein“ lautet. Fangen wir bei der Raiffeisenstraße an, jenem unscheinbaren Verbindungsstück zwischen Höfles und Buch, das seit dem 11. Mai für Kanalbauarbeiten gesperrt ist. Ursprünglich sollte die Sperrung bis 24. Juli dauern, dann bis Ende August, und jetzt – zum zweiten Mal – noch länger. Ich will niemandem unterstellen, dass man beim Öffnen eines Kanalgrabens tatsächlich überrascht sein kann, was darunter zum Vorschein kommt. Aber wenn man eine Frist zweimal reißt, ist das kein Pech mehr, das ist eine Systematik. Und dann ist da die Zirndorfer Brücke, mit der wir uns hier ja schon ausführlich beschäftigt haben. Zur Erinnerung, für alle, die zwischenzeitlich andere So...

Der Erweckungsmoment: Wie die Fürther Nachrichten den Journalismus neu erfand

  Es gibt Momente, in denen man als Leser fast andächtig wird. Man reibt sich die Augen, liest den Satz noch einmal, und tatsächlich: Da steht er, gedruckt, mit Fragezeichen versehen und in aller redaktionellen Demut – der Verdacht auf einen Interessenkonflikt bei zwei Kommunalpolitikern. Die Fürther Nachrichten, so scheint es, haben den Investigativjournalismus erfunden. Man könnte fast eine Kerze anzünden. Zur Erinnerung, falls die Pointe noch nicht angekommen ist: Der neue erste und der neue dritte Bürgermeister von Zirndorf sind gemeinsam Geschäftsführer einer Bauträgerfirma und sitzen zugleich im Bauausschuss. Das ist, unabhängig von allem, was noch folgt, tatsächlich meldepflichtig und tatsächlich eine berechtigte Frage. Nur: Seit wann interessiert sich diese Redaktion für berechtigte Fragen zu Zirndorfer Kommunalpolitik? Denn hier kommt der Teil, den die Fürther Nachrichten in ihrem Aufruf zur sachlichen Diskussion dezent unterschlagen: Es gab Jahrzehnte. Jahrzehnte, in d...

🔌 Die wechselvolle Geschichte der ProMarkt Elektromärkte

ProMarkt – dieser Name weckt bei vielen älteren Semestern in Deutschland Erinnerungen an große Elektrofachmärkte, die oft mit einem hart geführten Preiskampf und markanten Werbeslogans in Verbindung gebracht wurden. Doch hinter der Marke verbirgt sich keine einfache, geradlinige Unternehmensgeschichte, sondern ein komplexes Geflecht aus verschiedenen Handelsketten, Übernahmen und Neuanfängen. Tauchen wir ein in die Historie eines deutschen Einzelhandelsnamens, der heute weitgehend von der Bildfläche verschwunden ist. 👥 Mehrere „ProMärkte“ – Eine verwirrende Anfangszeit Was viele nicht wissen: Die Marke ProMarkt wurde im Laufe der Zeit von mehreren voneinander unabhängigen Unternehmen in verschiedenen Regionen Deutschlands genutzt. Lange Zeit gab es faktisch vier separate ProMarkt-Ketten:  * ProMarkt (Bremen): Ursprünglich die Keimzelle der Marke in Norddeutschland.  * ProMarkt (Phora/Wessendorf): Verantwortlich für Filialen in Süddeutschland.  * ProMarkt (Wegert): Eine K...