Warum Harald Schmidt im deutschen Fernsehen wirklich fehlt



Es ist schon paradox: Da entdecke ich durch Zufall den "About Schmidt Show" Podcast mit Manuel Andrack und Mike Neu – zwei Namen, die mich sofort in eine Zeit zurückversetzen, als deutsches Fernsehen noch überraschen konnte – und mir wird schmerzlich bewusst, was der deutschen TV-Landschaft seit Jahren fehlt: Harald Schmidt.

## Eine Ära geht zu Ende

Wer die Harald Schmidt Show zwischen 1995 und 2014 verfolgt hat, weiß: Das war mehr als nur Late-Night-Entertainment. Das war eine Institution. Eine scharfzüngige, intelligente, manchmal auch gemeine Institution, die sich erlaubte, was heute kaum noch denkbar scheint: unvorhersehbar zu sein.

Schmidt war nie der nette Onkel, der alle gleichermaßen umarmte. Er war der brillante Beobachter, der mit chirurgischer Präzision die Schwächen der Gesellschaft sezierte – und dabei so unterhaltsam war, dass man ihm auch die bösesten Spitzen verzieh. Oder gerade deshalb zuhörte.

## Was Manuel Andrack und der Podcast wieder wecken

Der "About Schmidt Show" Podcast mit Manuel Andrack und Mike Neu ist wie ein Fenster in diese vergangene Zeit. Andrack, der treue Sidekick, der Jahre an Schmidts Seite verbrachte und dessen trockenen Humor perfekt konterte, lässt diese Ära wieder lebendig werden. Wenn die beiden über alte Zeiten plaudern, spürt man förmlich, was damals im deutschen Fernsehen möglich war: Spontaneität, Intelligenz und vor allem – Mut zur Unpopularität.

## Die Sehnsucht nach echter Meinung

Was mir heute im deutschen Fernsehen am meisten fehlt, ist genau das: jemand, der eine echte, ungeschminkte Meinung hat und diese auch vertritt, ohne ständig zu schielen, ob das jetzt "problematisch" sein könnte. Schmidt war politisch unkorrekt, bevor es cool war, politisch unkorrekt zu sein. Aber er war es mit Stil, mit Witz und vor allem: mit Verstand.

Heute haben wir Talk-Shows, in denen alle sehr höflich sind. Wir haben Moderatoren, die stets den Konsens suchen. Wir haben Entertainment, das niemandem wehtun will. Das ist sicher netter – aber ist es auch interessanter?

## Die Kunst der gepflegten Boshaftigkeit

Harald Schmidt beherrschte die hohe Kunst der gepflegten Boshaftigkeit. Er konnte vernichtend über Prominente herziehen, ohne dass es je persönlich oder kleinkariert wirkte. Es war Gesellschaftskritik durch die Hintertür – verpackt in so brillante Pointen, dass auch die Opfer seiner Spötteleien noch lachen mussten.

Diese Art von Humor ist aus dem deutschen Fernsehen nahezu verschwunden. Stattdessen haben wir Comedians, die ihre Witze in Fokusgruppen testen lassen könnten, so berechenbar sind sie.

## Ein Plädoyer für mehr Schmidt

Vielleicht ist das auch der Grund, warum der "About Schmidt Show" Podcast so nostalgisch stimmt: Er erinnert uns daran, dass Fernsehen mal anders war. Unberechenbarer. Gefährlicher. Intelligenter.

Deutschland bräuchte wieder einen Harald Schmidt. Nicht unbedingt ihn persönlich – obwohl das auch schön wäre –, sondern jemanden mit seinem Mut zur Kontroverse, seiner Liebe zur deutschen Sprache und seinem Gespür für die Absurditäten unserer Zeit.

Bis dahin bleibt uns der Podcast mit Andrack und Mike Neu als schöne Erinnerung daran, wie gut deutsches Fernsehen sein kann, wenn es sich traut. Und die Hoffnung, dass irgendwann wieder jemand den Mut fasst, so kompromisslos unterhaltsam zu sein wie Harald Schmidt.

*Denn seien wir ehrlich: Ein bisschen mehr gepflegte Boshaftigkeit würde dem deutschen Fernsehen gut tun.*

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