Interflug Serie - Teil 1: Aufbruch in den Himmel


## Die Gründung der DDR-Airline (1958-1963)

*Eine fünfteilige Serie über die Geschichte der Interflug - von den Anfängen bis zum Ende*

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### Prolog: Ein Traum wird wahr

Es ist der 18. September 1958. In einem unscheinbaren Büro in Ost-Berlin wird Geschichte geschrieben. Mit der Gründung der "Deutschen Lufthansa der DDR" - später umbenannt in Interflug - erfüllt sich ein lang gehegter Traum: Die DDR bekommt ihre eigene nationale Fluggesellschaft. Was mit wenigen Propellermaschinen beginnt, wird zu einer der bekanntesten Airlines des Ostblocks heranwachsen.

### Aus den Trümmern des Krieges

Die Geschichte der Interflug beginnt nicht 1958, sondern bereits in den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Nach 1945 war der deutschen Zivilluftfahrt jegliche Aktivität untersagt. Während im Westen bereits 1955 die neue Lufthansa gegründet wurde, musste die DDR länger warten.

1954 entstand die "Deutsche Verkehrsflug GmbH" (DVL) als erster Schritt zurück in die Lüfte. Mit sowjetischen Lizenz-Flugzeugen vom Typ Antonov An-2 begann der bescheidene Neuanfang. Doch die DVL war nur ein Zwischenschritt - das eigentliche Ziel war eine vollwertige nationale Airline.

### Die Geburtsstunde einer Legende

Am 18. September 1958 war es soweit: Die "Deutsche Lufthansa der DDR" wurde offiziell gegründet. Der Name war bewusst gewählt - man wollte an die Tradition der legendären Lufthansa der Vorkriegszeit anknüpfen und zugleich den Anspruch auf die gesamtdeutsche Luftfahrttradition erheben.

**Die Gründungsväter:**
- **Walter Diehl** - erster Generaldirektor und Visionär der DDR-Luftfahrt
- **Hans Reichelt** - technischer Direktor, Ex-Luftwaffe-Pilot
- **Kurt Liebknecht** - Verwaltungsdirektor und SED-Mann

Die Airline startete mit gerade einmal:
- 3 Iljuschin Il-14 Passagierflugzeugen
- 8 Antonov An-2 für Regionalverbindungen
- 180 Mitarbeitern
- Einem Startkapital von 10 Millionen Mark der DDR

### Politische Turbulenzen und Namensstreit

Kaum war die "Deutsche Lufthansa der DDR" in die Luft gegangen, folgte der erste Rückschlag. Die westdeutsche Lufthansa klagte erfolgreich gegen die Namensverwendung. Am 1. März 1963 musste die DDR-Airline ihren Namen ändern.

Aus der "Deutschen Lufthansa der DDR" wurde **Interflug** - ein Name, der Programm war: "Inter" für international, "flug" für die Kernkompetenz. Der neue Name sollte die Ambitionen der DDR-Airline unterstreichen: Man wollte nicht nur regional, sondern international fliegen.

### Die ersten Schritte in die Welt

Die ersten Jahre waren geprägt von bescheidenen, aber wichtigen Schritten:

**Inlandsverkehr (1958-1960):**
- Berlin-Dresden-Leipzig
- Berlin-Rostock
- Verbindungen zu den Ostseebädern

**Erste internationale Routen (1960-1963):**
- **Prag** (1960) - die erste internationale Destination
- **Warschau** (1961) - Aufbau des Ostblock-Netzwerks
- **Budapest** (1962) - weitere sozialistische Bruderländer
- **Moskau** (1963) - der große Durchbruch

### Technik und Flotte der Pionierzeit

Die technische Ausstattung war in den ersten Jahren noch bescheiden, aber funktional:

**Iljuschin Il-14 "Kreta"**
- 18-28 Passagiere
- Reichweite: 1.400 km
- Geschwindigkeit: 350 km/h
- Das Arbeitspferd der frühen Jahre

**Antonov An-2 "Dolly"**
- 10-12 Passagiere
- Reichweite: 845 km
- Geschwindigkeit: 190 km/h
- Perfekt für kurze Regionalstrecken

Die Flugzeuge trugen liebevolle Spitznamen und wurden zu den ersten "Stars" der DDR-Luftfahrt. Jeder Flug war noch ein kleines Ereignis - Fliegen war Luxus, den sich nur wenige leisten konnten.

### Herausforderungen der ersten Stunde

Die Gründungsphase war nicht ohne Probleme:

**Technische Hürden:**
- Veraltete Flugzeuge aus sowjetischer Produktion
- Mangel an Ersatzteilen
- Begrenzte Wartungskapazitäten

**Personal-Engpässe:**
- Wenige erfahrene Piloten
- Ausbildung musste komplett neu aufgebaut werden
- Konkurrenz zum Militär um qualifiziertes Personal

**Politische Zwänge:**
- Beschränkung auf sozialistische Länder
- Westliche Technologie schwer zugänglich
- Devisenmangel limitierte Expansion

### Ein Blick in die Zukunft

Trotz aller Schwierigkeiten waren die Grundsteine gelegt. Mit 180 Mitarbeitern im Jahr 1958 begann eine Erfolgsgeschichte, die die Airline auf über 5.000 Beschäftigte anwachsen lassen würde. Die bescheidenen drei Iljuschin Il-14 waren der Beginn einer Flotte, die einmal über 50 Flugzeuge umfassen würde.

Walter Diehl, der Gründungsdirektor, formulierte bereits 1960 die Vision: "Interflug soll die DDR mit der ganzen Welt verbinden." Was damals wie ein kühner Traum klang, würde in den folgenden Jahrzehnten Realität werden.

### Ausblick auf Teil 2

Die Grundlagen waren geschaffen, der Name gefunden, die ersten internationalen Routen eröffnet. Doch die wahre Expansion der Interflug sollte erst in den 1960er und 70er Jahren beginnen. Im nächsten Teil unserer Serie schauen wir auf die Zeit des großen Aufbruchs: neue Flugzeuge, neue Destinationen und den Beginn der Konkurrenz zur westdeutschen Lufthansa.

**Bleiben Sie dabei, wenn wir in Teil 2 erzählen:** "Eiserner Vorhang, offener Himmel - Die Expansionsphase der Interflug"

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*Dies ist Teil 1 der fünfteiligen Serie über die Geschichte der Interflug. Haben Sie Erinnerungen an die frühen Jahre der DDR-Airline oder Fotos aus dieser Zeit? Wir freuen uns über Ihre Kommentare und Ergänzungen.*

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