Die Geschichte von Markt und Technik - Ein Pionier des deutschen Computerjournalismus



## Einleitung

In der Geschichte des deutschen Computerjournalismus nimmt der Markt und Technik Verlag eine besondere Stellung ein. Als einer der einflussreichsten Verlage der 1980er und 1990er Jahre prägte er maßgeblich die Computerlandschaft in Deutschland und begleitete die ersten Schritte der Heimcomputer-Ära. Heute schauen wir auf die bewegte Geschichte eines Unternehmens zurück, das Generationen von Computerenthusiasten mit Wissen und Inspiration versorgte.

## Die Gründung: Ein visionärer Start (1976)

Der Markt und Technik Verlag wurde 1976 von Carl-Franz von Quadt und Otmar Weber in Haar bei München gegründet. Ursprünglich firmierte das Unternehmen unter dem Namen "Markt&Technik" - die charakteristische Schreibweise mit dem kaufmännischen Und-Zeichen, die später zum bekannteren "Markt+Technik" wurde.

Die Gründung erfolgte zu einem perfekten Zeitpunkt: Die Computertechnik steckte noch in den Kinderschuhen, aber die Zeichen der Zeit deuteten bereits darauf hin, dass Computer eine immer größere Rolle im privaten und beruflichen Leben spielen würden. Die beiden Gründer erkannten früh das Potenzial dieser neuen Technologie und positionierten sich als Bindeglied zwischen der komplexen Technik und den interessierten Nutzern.

## Die goldenen Jahre: Computerzeitschriften prägen eine Generation (1980er-1990er)

### Die legendären Magazine

In den 1980er und 1990er Jahren erreichte Markt und Technik seinen Höhepunkt und wurde durch eine Reihe legendärer Computerzeitschriften bekannt, die heute Kultstatus genießen:

**64'er** - Die Zeitschrift für Commodore 64-Besitzer wurde zu einer Institution für alle Heimcomputer-Fans. Sie bot nicht nur Tests und Berichte, sondern auch umfangreiche Programme zum Abtippen, Tutorials und Hardware-Tipps.

**Happy Computer** - Diese Zeitschrift richtete sich an ein breiteres Publikum und machte Computertechnik für jedermann zugänglich. Mit einer Mischung aus Grundlagenwissen, Produkttests und unterhaltsamen Artikeln wurde sie zu einer der wichtigsten deutschsprachigen Computerzeitschriften ihrer Zeit.

**Power Play** - Als Spezialisierung auf den Bereich Computerspiele entstand, prägte Power Play die deutsche Games-Kultur maßgeblich mit. Die Zeitschrift begleitete den Aufstieg der Videospiele von einfachen Arcade-Automaten bis hin zu den ersten Grafikwundern auf Heimcomputern.

**Computer Persönlich** - Eine weitere wichtige Publikation, die sich speziell an PC-Nutzer richtete und praktische Hilfestellung im Umgang mit der neuen Technik bot.

### Mehr als nur Zeitschriften

Neben den Magazinen entwickelte sich Markt und Technik zu einem umfassenden Anbieter für die Computer-Community. Das Verlagsprogramm umfasste:

- **Fachbücher**: Kompendien für Programmiersprachen, Handbücher für PC-Anwendungsprogramme und Ratgeber für alle Aspekte der Computertechnik
- **Software**: Der Verlag bot auch Software-Produkte an, oft in Verbindung mit den Zeitschriften oder Büchern
- **Komplettlösungen**: Von der Information über Bücher bis hin zur praktischen Anwendung - Markt und Technik deckte die gesamte Bandbreite ab

## Börsengang und Expansion (1984)

Der Erfolg der 1980er Jahre führte zu einem wichtigen Meilenstein: 1984 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und ging an die Börse. Dieser Schritt unterstrich die wirtschaftliche Bedeutung des Verlags und seine Rolle als wichtiger Player im deutschen Medienmarkt.

Der Börsengang ermöglichte es dem Unternehmen, zu expandieren und sein Angebot weiter auszubauen. Die Aktien des Markt & Technik Verlags wurden zu einem beliebten Investment für alle, die an die Zukunft der Computertechnik glaubten.

## Wandel und Transformation (1990er)

Die 1990er Jahre brachten große Veränderungen für die gesamte Computerbranche. Personal Computer wurden erschwinglicher und benutzerfreundlicher, das Internet begann seinen Siegeszug, und die Medienlandschaft veränderte sich rapide.

### Umbenennung und neue Strukturen (1994)

1994 erfolgte eine wichtige Umstrukturierung: Das Unternehmen wurde in "Magna Media Verlag Aktiengesellschaft" umbenannt. Diese Änderung spiegelte die Ausweitung der Aktivitäten über reine Computer-Themen hinaus wider.

### Übernahme durch WEKA (1996)

Bereits zwei Jahre später, 1996, wurde Magna Media (ehemals Markt & Technik) von der WEKA-Fachverlag GmbH übernommen. Dies markierte das Ende einer Ära, aber auch den Beginn einer neuen Phase unter größerer Verlagsstruktur.

## Integration in internationale Strukturen (1999)

Ein weiterer entscheidender Wendepunkt kam 1999: Aus dem Buchverlag Markt & Technik und dem Addison-Wesley-Verlag entstand der Verlag Pearson Education Deutschland GmbH, eine Tochtergesellschaft der internationalen Mediengruppe Pearson PLC.

Diese Fusion brachte zwar finanzielle Stabilität und internationale Vernetzung, bedeutete aber auch eine Abkehr von der ursprünglichen Identität als spezialisierter deutscher Computerverlag.

## Das Ende einer Ära (2013)

2013 wurden schließlich sowohl Markt & Technik als auch der Schwesterverlag Addison-Wesley aufgelöst. Der Mutterkonzern Pearson hatte sich entschieden, sich von diesen Aktivitäten zu trennen, da sie nicht mehr zu den strategischen Zielen des Unternehmens passten.

## Neubeginn: Markt+Technik heute

Doch die Geschichte war noch nicht zu Ende. Die Marke Markt+Technik lebt heute weiter - allerdings in veränderter Form. Der heutige Markt+Technik Verlag GmbH führt die Tradition des Hauses fort, wenn auch mit einem anderen Fokus als in den Gründungsjahren.

### Heutiges Programm

Das aktuelle Verlagsprogramm umfasst:
- **IT-Fachliteratur**: Bücher zu aktuellen Technologien und Programmiersprachen
- **Ratgeber**: Praktische Hilfen für Entertainment, Fotografie und Multimedia
- **Sachbücher**: Werke zu Wirtschaftsthemen und anderen Fachgebieten

Mit über 40 Jahren Erfahrung als Fachbuch-Verlag hat sich Markt+Technik an die veränderten Marktbedingungen angepasst und konzentriert sich heute primär auf Buchpublikationen statt auf Zeitschriften.

## Vermächtnis und Bedeutung

### Pionierarbeit im deutschen Computerjournalismus

Der Markt und Technik Verlag leistete Pionierarbeit bei der Popularisierung der Computertechnik in Deutschland. Zu einer Zeit, als Computer noch exotische und komplizierte Maschinen waren, schaffte es der Verlag, diese Technologie für ein breites Publikum verständlich zu machen.

### Kultureller Einfluss

Die Zeitschriften des Verlags prägten nicht nur den Umgang mit Computern, sondern auch die deutsche Computer- und Gaming-Kultur. Generationen von Programmierern, Systemadministratoren und IT-Fachkräften machten ihre ersten Schritte mit den Publikationen von Markt und Technik.

### Begleitung des technologischen Wandels

Über Jahrzehnte hinweg begleitete der Verlag den rasanten technologischen Wandel - von den ersten Heimcomputern über die PC-Revolution bis hin zum Internet-Zeitalter. Diese kontinuierliche Anpassung und Weiterentwicklung zeigt die Flexibilität und Weitsicht des Unternehmens.

## Fazit: Ein Stück deutscher Mediengeschichte

Die Geschichte von Markt und Technik ist mehr als nur die Chronik eines Verlags - sie spiegelt die Entwicklung der deutschen Computer- und Medienlandschaft wider. Von den bescheidenen Anfängen 1976 bis zur heutigen digitalen Welt hat das Unternehmen wichtige Wegmarken gesetzt und Millionen von Menschen den Zugang zur Computertechnik ermöglicht.

Obwohl die große Zeit der Computerzeitschriften vorbei ist und sich die Medienlandschaft fundamental gewandelt hat, bleibt Markt+Technik ein Begriff für Qualität und Kompetenz in der IT-Fachliteratur. Die Marke steht für über vier Jahrzehnte Erfahrung in der Vermittlung komplexer technischer Inhalte - ein Vermächtnis, das auch im digitalen Zeitalter seinen Wert behält.

Für alle, die die goldenen Jahre der Heimcomputer miterlebt haben, bleibt Markt und Technik ein nostalgischer Erinnerungsort. Für die heutige Generation steht der Name für solide Fachliteratur und verlässliche Information in einer schnelllebigen IT-Welt.

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