Der Gummibärchen Lader: Wie ZeroBrain mich zum Haribo-Kunden gemacht hat


Es gibt Momente im Leben, in denen man sich fragt, wie man an einen bestimmten Punkt gelangt ist. Ich sitze gerade an meinem Schreibtisch, und neben meinem Rechner steht ein USB-Ladegerät. Mit Haribo-Branding. Ich habe es gekauft. Das war so nicht geplant.

Die Schuld — oder je nach Betrachtungsweise: das Verdienst — trägt ZeroBrain.

Wer ZeroBrain nicht kennt: Das ist ein YouTuber, dessen Selbstbeschreibung bereits alles sagt, was man wissen muss. Er zerlegt und zerstört gerne Dinge bei seinen Tests, denn Unboxings sind was für Weicheier. [YouTube](https://www.youtube.com/@Zerobrain) Das ist eine Haltung, mit der ich gut leben kann. Wer ein Gerät wirklich verstehen will, muss hineinschauen. Alles andere ist Produktfotografie.

Als ZeroBrain also das Haribo-Ladegerät auf den Tisch legte — der sogenannte "Gummibärchen Lader" — war meine erste Reaktion: Haribo macht jetzt Elektronik. Natürlich. Warum nicht. Solange sie die Goldbären nicht anfassen, können sie machen, was sie wollen.

Meine zweite Reaktion war Skepsis. Begründete Skepsis. Denn bei solchen Lizenzprodukten stammen Geräte oftmals von einem chinesischen Fertiger, der das Branding eingekauft hat, und das Ergebnis ist meist nicht mehr als ein überteusertes Werbegeschenk. [Techtest](https://techtest.org/ein-ladegeraet-von-haribo-das-haribo-100w-usb-c-ladegeraet-im-test/) Das Muster kennt man. Man kauft den Namen, nicht die Technik. Die Technik ist dann das, was übrig bleibt, wenn der Name nichts mehr trägt.

ZeroBrain hat es trotzdem zerlegt. Und genau das hat mich dann doch zum Nachdenken gebracht.

Das Gerät — das RCE-10002, ein 100-Watt-4-Port-USB-Ladegerät — konnte über sechs Stunden hinweg konstant 100 Watt ausgeben, zeigte im Belastungstest keine Auffälligkeiten und hat eine vollständige PPS-Unterstützung. [Techtest](https://techtest.org/ein-ladegeraet-von-haribo-das-haribo-100w-usb-c-ladegeraet-im-test/) Das ist keine Marketingaussage, das ist eine Messung. Und Messungen lügen weniger als Produktbeschreibungen.

Was mich letztlich überzeugt hat, war nicht das Haribo-Design — das durchgezogene Branding ist eher ein Running Gag als ein Kaufargument —, sondern die Tatsache, dass jemand hineingeschaut hat. Buchstäblich. Das Gehäuse geöffnet, die Platine begutachtet, die Schaltung bewertet. Das ist der Unterschied zwischen einem Review und einer Produktvorstellung. ZeroBrain macht Reviews.

Ich bin also dankbar. Dankbar dafür, dass es Leute gibt, die den Schraubenzieher ansetzen, bevor sie ein Urteil fällen. Und dankbar, dass das Ergebnis in diesem Fall positiv war — denn sonst hätte ich mir das Teil natürlich trotzdem nicht gekauft.

Haribo macht also jetzt Ladegeräte. Es hätte schlimmer kommen können. Die Goldbären jedenfalls sind unangetastet.


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