Vom Musikvideo zur Doku: Was machen die DoRo-Videoproduzenten heute?
Die Wiener Kultproduzenten Rudi Dolezal und Hannes Rossacher haben den Musikclip geprägt — und sich mit der Medienlandschaft weiterentwickelt.
Wer in den 1980er- und 1990er-Jahren Musikvideos in deutschsprachigem Fernsehen gesehen hat, ist an DoRo kaum vorbeigekommen. Hinter dem Namen stehen die Wiener Videoproduzenten Rudi Dolezal und Hannes Rossacher, die mit ihren Clips, Konzertfilmen und Künstlerporträts Musikgeschichte mitgeprägt haben. Doch was machen die beiden heute eigentlich?
Die kurze Antwort: Sie sind nicht verschwunden, sondern haben ihr Feld verändert. Statt auf das klassische Musikvideo zu setzen, arbeiten sie heute vor allem an Dokumentationen, Konzertmitschnitten und filmischen Porträts rund um Musik und Künstlerbiografien. Genau darin liegt auch ein Stück Mediengeschichte: Ein Format, das früher den Popmarkt dominierte, ist heute weitgehend von anderen Formen der Bewegtbildkommunikation abgelöst worden.
DoRo als Marke einer Ära
DoRo war lange Zeit ein Synonym für opulente, oft sehr aufwendig produzierte Musikvideos. Die Produktionen waren mehr als nur Begleitmaterial zu Songs — sie waren kleine visuelle Ereignisse. Gerade in einer Zeit, in der MTV und Musikfernsehen noch enorme Reichweite hatten, konnte ein starkes Video den Erfolg eines Songs mitbestimmen.
Rudi Dolezal und Hannes Rossacher gehörten zu den Regisseuren, die das früh verstanden haben. Sie arbeiteten mit großen internationalen Künstlern, setzten auf starke Bilder und entwickelten einen Stil, der zwischen Show, Inszenierung und Dokumentation lag. DoRo war damit nicht einfach eine Produktionsfirma, sondern ein Markenzeichen.
Warum sich das Geschäft verändert hat
Der Musikvideomarkt von damals existiert in dieser Form heute kaum noch. Früher waren Clips ein zentrales Werkzeug der Musikvermarktung, heute übernehmen Streaming, Social Media und kurze Videofragmente auf Plattformen wie YouTube, Instagram oder TikTok viele dieser Aufgaben. Klassische, große Musikvideos sind zwar nicht verschwunden, aber sie spielen eine deutlich kleinere Rolle als früher.
Für Produzenten wie DoRo bedeutete das eine Anpassung. Wer über Jahrzehnte mit Musikbildern gearbeitet hat, braucht nicht bei null anzufangen — aber das Geschäft verlagert sich. Aus dem Musikvideo wird eher das Langformat: Doku, Konzertfilm, Künstlerporträt oder mediale Begleitung eines Lebenswerks.
Was DoRo heute ausmacht
Heute steht DoRo weniger für den schnellen Clip als für erzählerische Formate mit größerem Tiefgang. Das passt gut zu einer Zeit, in der viele Zuschauerinnen und Zuschauer hinter die Kulissen blicken wollen: Wie wurde ein Künstler geprägt? Wie entstand ein Song? Welche Geschichte steckt hinter einem Lebenswerk?
Genau hier liegen die Stärken von Dokus und Musikfilmen. Sie geben Raum für Kontext, Entwicklung und Persönlichkeit. DoRo bewegt sich damit in einem Feld, das für Musikfans oft sogar spannender ist als das klassische Promo-Video: weniger Oberfläche, mehr Geschichte.
Ein Beispiel für den Wandel
Man könnte den Wandel so beschreiben: Früher war das Musikvideo oft der **Hauptakt** der Vermarktung, heute ist es eher ein Baustein in einer größeren Erzählung. DoRo hat diese Verschiebung nicht nur miterlebt, sondern offenbar auch mitvollzogen. Der Fokus liegt nun stärker auf der filmischen Begleitung von Musik statt auf dem isolierten Clip.
Das ist auch kulturgeschichtlich interessant. Denn es zeigt, wie sich Medienproduktionen an neue Plattformen und neue Sehgewohnheiten anpassen müssen. Was einmal das Zentrum der Popkultur war, kann später in einer Nische weiterleben — aber dort oft mit mehr Qualität, mehr Reife und mehr erzählerischem Anspruch.
Fazit
Die DoRo-Videoproduzenten sind also nicht „weg“, sondern in einer anderen Rolle angekommen. Aus den Machern großer Musikvideos wurden Produzenten von Dokus, Konzertfilmen und musikbezogenen Erzählformaten. Ihr Weg zeigt exemplarisch, wie sich ein kreatives Mediengeschäft über Jahrzehnte wandelt, ohne seine Handschrift ganz zu verlieren.
Wenn man heute fragt, was DoRo macht, lautet die ehrliche Antwort: Sie erzählen Musikgeschichten — nur eben anders als früher.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen