Feuchtwangen auf der Bundesnetzagentur-Karte: keine Spitzenposition, kein Drama
Christoph Engelhardt hat in der Facebook-Gruppe „Feuchtwangen“ auf eine neue Karte der Bundesnetzagentur hingewiesen: Sie zeigt die Versorgungsqualität der Verteilnetzbetreiber – bei uns also der Stadtwerke – und Feuchtwangen taucht dort nicht gerade in der obersten Liga auf.
Das ist erst mal eine Meldung, aus der man in fünf Minuten entweder eine Aufregerschlagzeile oder eine sachliche Einordnung machen kann. Ich versuche mich an Letzterem, auch wenn Ersteres bekanntlich mehr Klicks bringt.
Was die Karte eigentlich misst
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht pro Verteilnetzgebiet vier Kennzahlen: die Unterbrechungsminuten je Letztverbraucher, die durchschnittliche Dauer bis zur Herstellung eines neuen Netzanschlusses, den Digitalisierungsgrad des Netzbetriebs und einen daraus verdichteten Digitalisierungsindex, dargestellt als Ampelfarbe mit jeweils zehn Abstufungen. Grundlage ist das Erhebungsjahr 2024, die Karte soll künftig jährlich aktualisiert werden. Das ist im Kern nichts anderes als der alte Sunshine-Regulierungsgedanke aus der Schweiz, nur diesmal mit deutscher Gründlichkeit in Kartenform gegossen: Wer schlecht abschneidet, soll sich öffentlich erklären, ohne dass gleich ein Bußgeldbescheid folgt.
Warum kleinere Stadtwerke selten ganz oben stehen
Wer die Liste durchgeht, erkennt schnell ein Muster, das mit Missmanagement wenig, mit Geografie viel zu tun hat. Ländliche Netzgebiete haben längere Leitungen pro Kunde, mehr Freileitungen statt Erdkabel und damit mehr Angriffsfläche für Wetter und Vegetation. Kleinere Stadtwerke haben kleinere Teams, seltener ein durchgängiges Netzleitsystem und historisch weniger Kapital für automatisierte Fehlerortung übrig gehabt als ein Stadtwerk in einer Großstadt mit dichtem, vermaschtem Netz. Das ist keine Franken-Spezialität – das ist überall dort so, wo mehr Kilometer Leitung auf weniger Anschlüsse kommen. Eine gelbe oder rote Einstufung ist deshalb erst mal ein Strukturbefund, kein Charakterzeugnis.
Der Blick auf Feuchtwangen
Was das für die Stadtwerke Feuchtwangen konkret bedeutet, lässt sich aus der Karte allein nicht ablesen – dafür bräuchte man die tatsächlichen Werte für Unterbrechungsminuten und Anschlussdauer im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, und man müsste wissen, welche Bereiche des Netzbetriebs schon digitalisiert sind und wo es noch an Fernwirktechnik oder automatisierter Fehlererkennung fehlt. Genau das wäre die Hausaufgabe, bevor man sich über eine Farbe aufregt oder sie schulterzuckend abtut: erst die Zahlen anschauen, dann urteilen. Alles andere ist Kaffeesatzleserei mit Ampelfarben.
Was tatsächlich hilft
Aus der Fachdiskussion rund um die Karte lassen sich ein paar Hebel ableiten, die für jedes kleinere Stadtwerk gelten, nicht nur für Feuchtwangen: ein optimiertes Störungsmanagement mit schnellerer Fehlerortung und klaren Eskalationswegen, konsequente Digitalisierung im Netzbetrieb – Netzleitsystem, Fernwirktechnik, automatisierte Netzführung – sowie eine transparente Investitionsplanung, die Kommune und Öffentlichkeit nachvollziehbar macht, warum eine neue Schaltanlage oder ein verkabelter Abschnitt gerade jetzt nötig ist. Das ist keine Überraschung, das ist im Grunde das, was der BDEW seit Jahren predigt – nur bekommt es jetzt eine öffentliche Farbskala als Verstärker.
Fazit
Eine Karte mit Ampelfarben ist ein hervorragendes Instrument, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, und ein eher schlechtes Instrument, um Ursachen zu erklären. Dass Feuchtwangen keinen Spitzenplatz belegt, ist erst mal eine Randnotiz aus dem Erhebungsjahr 2024 – interessant wird es erst, wenn man die dahinterliegenden Zahlen kennt und sieht, wie sich das Stadtwerk im nächsten Jahrgang der Karte entwickelt. Bis dahin gilt: lieber einmal bei den Stadtwerken nachfragen, was die Zahlen konkret bedeuten, als sich über eine Farbe zu ereifern, deren Zustandekommen kaum jemand im Detail kennt.
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