Seegefecht und Schwefeldampf: Die Sundastraße im März 1942


Es gibt Schauplätze, an denen Geschichte sich nicht die Mühe macht, ihre Ebenen zu trennen. Die Sundastraße ist so ein Fall. In der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 1942 liefern sich dort alliierte und japanische Kriegsschiffe ein Gefecht, das mit dem Untergang von HMAS Perth und USS Houston endet. Beide Wracks liegen heute, geschützt als Kriegsgräber, 40 bis 50 Kilometer von einem Vulkan entfernt, der zu diesem Zeitpunkt längst nicht still war.

Die geografische Ausgangslage

HMAS Perth ruht auf etwa 35 Metern Tiefe vor St. Nicholas Point, rund 42 Kilometer von Anak Krakatau entfernt. USS Houston liegt flacher, 15 bis 30 Meter, nahe Pulau Panjang in der Bantam-Bucht, etwa 48 Kilometer vom Vulkan. Beide Distanzen liegen damit in einer Größenordnung, die für einen Vulkan dieses Kalibers durchaus Wirkung entfalten kann, wie 1883 eindrücklich demonstriert wurde, als pyroklastische Ströme noch in 40 Kilometer Entfernung die Küste Sumatras erreichten. Im März 1942 ging es allerdings deutlich gemächlicher zu.

Was der Vulkan 1942 tatsächlich trieb
Anak Krakatau war zu diesem Zeitpunkt ein Teenager unter den Vulkanen, gerade einmal gut ein Jahrzehnt alt, entstanden aus dem, was von der Krakatau-Katastrophe übrigblieb. Die Eruptionschronologie der Smithsonian-Datenbank verzeichnet für die Jahre 1941, 1942, 1943, 1944, 1945, 1946 und 1946/47 durchgehende Aktivität. Die Schlacht fällt damit nicht in eine Ruhephase, sondern mitten in einen mehrjährigen Aktivitätszyklus.

Was diese Aktivität konkret bedeutete, ist allerdings deutlich weniger dramatisch, als der Begriff „Eruption“ vermuten lässt. Lavaströme, wie man sie von späteren Fotografien des Vulkans kennt, gab es noch nicht. Die ersten Lavaflüsse datieren Fachpublikationen erst auf die Jahre 1960 bis 1963, als sich der Förderschlot endgültig über die Wasserlinie gearbeitet hatte. In den 1940ern dominierten stattdessen phreatomagmatische Explosionen: Dampf, Asche, glühende Brocken, die beim Kontakt von aufsteigendem Magma mit Meerwasser entstehen. Eindrucksvoll genug für jeden, der zufällig in Sichtweite war, aber kein Ereignis, das man von einem Schiffsdeck aus zwangsläufig als Bedrohung registriert hätte, zumal an jenem Abend andere Sorgen im Vordergrund standen.

Die Pointe, die keine ist

Wer jetzt auf eine kausale Verbindung hofft, also etwa eine ausbruchsbedingte Aschewolke, die die Sichtverhältnisse während des Gefechts beeinflusst hätte, wird enttäuscht. In den verfügbaren Augenzeugenberichten und offiziellen Auswertungen, etwa denen des Australian War Memorial oder der Naval History and Heritage Command, taucht der Vulkan schlicht nicht auf. Was bleibt, ist Gleichzeitigkeit ohne Interaktion: ein paar tausend Soldaten, die sich in der Dunkelheit beschossen, und vierzig Kilometer weiter ein junger Vulkan, der unbeeindruckt weiter Dampf in die Nacht blies.

Interessant ist die Episode trotzdem, und zwar aus einem anderen Grund. Geologische Untersuchungen zu den späteren Kollapsereignissen von Anak Krakatau verweisen auf dokumentierte Küstenrückzüge an der Südwestflanke in den Jahren 1934, 1935 und 1950. Genau diese Flanke war es, die im Dezember 2018 großflächig ins Meer stürzte und den Tsunami auslöste, der über 400 Menschenleben kostete. Die Instabilität, die sich 2018 so spektakulär entlud, war also bereits in den 1930er- und 1940er-Jahren angelegt, exakt in dem Jahrzehnt, in dem die Sundastraße zum Schlachtfeld wurde. Zwei Geschichten, die nichts miteinander zu tun haben, liefen über Jahrzehnte parallel auf derselben Bühne, und keine davon wusste etwas von der anderen.

Fazit

Die Sundastraße ist ein Ort, an dem sich geopolitische und geologische Zeitrechnung kreuzen, ohne sich je zu berühren. 1942 ging es um Schiffe, Torpedos und die Frage, wer den Krieg im Pazifik gewinnt. Der Vulkan nebenan führte sein eigenes, deutlich langsameres Programm fort, das erst 2018 zu seinem vorläufigen Höhepunkt kommen sollte. Dass beide Geschichten sich in keinem Augenzeugenbericht überschneiden, ist dabei selbst schon eine kleine Lektion: Nicht jede Koexistenz ist eine Verbindung, manche Dinge passieren einfach nur zufällig am selben Flecken Erde. Der Vulkan hat davon nichts gemerkt, und die Besatzungen von Perth und Houston hatten an jenem Abend ohnehin andere Naturgewalten zu fürchten.

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