BayWa: Drei Viertel weniger Schulden, zwei Jahre mehr Geduld



Die BayWa war für Bayern lange mehr als ein Konzern – sie war Rückgrat, Symbol und Versorgungsnetz in einem. Lagerhäuser, die zum Ortsbild gehören wie Kirchtürme und Feuerwehrhäuser. Jetzt droht ausgerechnet diesem Traditionsunternehmen der Absturz: hohe Schulden, missglückte Expansion und ein harter Sanierungskurs stellen die Zukunft infrage.

Frisch verkündet, quasi noch warm: Der ursprüngliche Plan, bis Ende 2028 finanziell gesundet zu sein, ist Geschichte. Vorstand und Aufsichtsrat haben sich mit den Gläubigerbanken und den beiden Großaktionären darauf verständigt, dass es nun bis Ende 2030 dauern soll. Macht zwei Jahre Verlängerung, plus die passenden zwei Jahre längere Laufzeit für die Bankkredite. Eine neue Sanierungsvereinbarung soll bis zum Herbst stehen. Man kennt das Prinzip: der Zieltermin wandert mit der Geduld der Beteiligten, nicht mit der Substanz des Problems.

Schuld an der neuerlichen Verschiebung ist nicht etwa ein akuter Geldmangel, sondern die Ökostromtochter BayWa r.e., die eigentlich für 1,7 Milliarden Euro hätte verkauft werden sollen. Im Frühjahr musste die Chefetage einräumen, dass dieser Preis Wunschdenken war – realistisch werden wohl 800 Millionen Euro weniger hereinkommen. Von den ursprünglich angepeilten vier Milliarden Euro Schuldenabbau bis 2028 ist bislang gut eine Milliarde realisiert. Der Rest ist, nun ja, Theorie.

Dazu passt, dass die Münchner Staatsanwaltschaft gegen mehrere ehemalige Vorstände ermittelt – wegen des Verdachts einer geschönten Konzernbilanz 2023 und möglicher Untreue. Die Blaupause ist die immer gleiche: auf Kredit finanzierte, am Ende missglückte Expansion auf internationale Agrarmärkte im vergangenen Jahrzehnt, dann der Offenbarungseid, wenn die Zinsen steigen.

Im Hintergrund wird derweil an einer handfesteren Lösung gebastelt: ein Schuldenschnitt im hohen dreistelligen Millionenbereich, bei dem die Gläubiger verzichten und die Eigentümer-Banken frisches Kapital nachschießen. Teil des Pakets soll sein, BayWa r.e. ganz aus dem Konzern herauszulösen. Die Börse bleibt skeptisch – die Aktie dümpelt bei knapp zwölf Euro, nicht weit vom Zehnjahrestief. Ein Schuldenschnitt im dreistelligen Millionenbereich gegen Verbindlichkeiten im Milliardenbereich – ob das die große Wende bringt, darf jeder für sich selbst beurteilen.

Wenn ein bayerischer Schwergewichtskonzern ins Wanken gerät, ist das nicht nur eine Wirtschaftsgeschichte – es ist ein Stück Zeitgeschichte. Eine, aus der sich genug lernen ließe, wenn man denn lernen wollte. Stattdessen verlängert man lieber den Kalender.


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