Tauben als unterschätzte Brandursache bei PV-Anlagen
Ich habe kürzlich über die Dachstuhlbrände in Fürth und Polling geschrieben und dort meine Vermutung ausgebreitet, dass fehlerhafte DC-Verkabelung – begünstigt durch Fachkräftemangel im PV-Ausbau – die eigentliche Ursache ist. Bei der Recherche zu diesem Thema bin ich auf eine völlig andere Brandursache gestoßen, die nichts mit Verkabelung, Fachkräften oder Montagefehlern zu tun hat: Tauben.
Der geschützte Hohlraum als Nistplatz
Der Zwischenraum zwischen Dach und Modulen ist für Stadttauben nahezu ideal: trocken, warm, windgeschützt und von oben für Greifvögel kaum einsehbar. Tauben sind zudem ausgesprochen standorttreu – ist ein Nistplatz einmal etabliert, kehren dieselben Tiere und ihre Nachkommen Jahr für Jahr zurück.
Was daraus wird, beschreibt Sindy Bublitz, Naturschutzbeauftragte der Stadt Singen, unmissverständlich: Unter den Modulen sammeln sich Nistmaterial, Kot und mitunter auch tote Küken an. Genau dieses organische Material kann zur Brandlast werden. Nach Angaben der Stadt Singen leben dort mindestens 500 bis 600 Tauben, die bis zu sieben Mal im Jahr brüten können.
Ein anderer Mechanismus als bei Fürth und Polling
Das ist wichtig auseinanderzuhalten: Bei meiner Verkabelungs-These geht es um einen elektrischen Fehler – einen Lichtbogen an einer schlecht montierten DC-Verbindung. Bei Tauben geht es um brennbares Material, das sich unter den Modulen ansammelt, weil niemand den Hohlraum verschlossen hat. Das eine ist ein Montage- und Qualifikationsproblem, das andere ein Planungs- und Wartungsproblem. Beide landen am Ende in derselben Statistik – „Brand mit PV-Beteiligung“ –, obwohl die Ursachen nichts miteinander zu tun haben. Genau das macht die PV-Brandstatistik, die ich im Fürth/Polling-Beitrag schon kritisiert habe, noch unschärfer, als sie ohnehin ist.
Prävention ist eine Kostenfrage, keine technische Hürde
Andreas Klinkenberg von der Solare Technik Klinkenberg GmbH aus Radolfzell bringt es auf den Punkt: Taubenschutz wird bislang nur bei rund zehn Prozent der Neuinstallationen direkt mitverbaut. Ein Taubenschutzgitter kostet bei der Erstinstallation etwa 1.500 bis 4.000 Euro. Wird das Problem erst erkannt, wenn sich die Tauben bereits eingenistet haben, können Demontage der Module, Reinigung und Dachsanierung schnell ein Vielfaches davon kosten – von Hubsteiger und Absturzsicherung für die nachträgliche Montage ganz zu schweigen.
Damit ist Taubenschutz im Grunde dasselbe Muster wie viele andere PV-Sicherheitsthemen, über die ich schreibe: eine Maßnahme, die bei der Installation trivial ist und im Nachhinein teuer wird. Nur dass hier nicht Zeitdruck oder fehlende Qualifikation die Ursache sind, sondern schlicht, dass es beim Verkauf niemand anspricht.
Bleibt skeptisch – auch bei den eigenen Vermutungen.
— Sven
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