Der Ciomadul: Erloschen oder nur schlafend?

 


Mitten in den Ostkarpaten Rumäniens erhebt sich der Ciomadul, ein Vulkan, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt. Dicht bewaldete Hänge, idyllische Kraterseen und keine Spur von Rauch oder Lava. In deutschen Texten wird er oft als "erloschen" bezeichnet – doch die internationale Forschung sieht das zunehmend anders.

Ein Vulkan mit Geschichte

Der Ciomadul, auf Ungarisch Csomád genannt, ist mit seinen etwa 1.300 Metern Höhe kein imposanter Riese. Seine letzte Eruption liegt zwischen 32.600 und 27.500 Jahren zurück – eine Zeitspanne, die aus menschlicher Perspektive unvorstellbar lang erscheint. Doch in geologischen Maßstäben ist das ein Wimpernschlag.

Was die Forschung unter der Oberfläche findet

Seit etwa 2019 haben geophysikalische Untersuchungen ein überraschendes Bild gezeichnet. Unter dem vermeintlich erloschenen Vulkan schlummern zwischen 5 und 14 Kubikmeilen Magma. Der durchschnittliche Schmelzgrad liegt bei etwa 15 Prozent, in manchen Bereichen sogar bei bis zu 45 Prozent.

Noch bemerkenswerter sind die CO₂-Emissionen: Mindestens 8.700 Tonnen pro Jahr steigen aus dem Untergrund auf – ein klares Zeichen für magmatische Aktivität. Hinzu kommen seismische Messungen und Wärmeanomalien, die darauf hindeuten, dass unter dem Berg keineswegs alles erkaltet ist.

Das Problem mit dem Wort "erloschen"

Hier liegt der Kern des Widerspruchs zwischen deutscher und englischsprachiger Literatur. Die Klassifikation "erloschen" suggeriert Endgültigkeit, eine Art geologischer Tod. Doch wie eine Vulkanologin es treffend formulierte: "Extinct is a very iffy word" – erloschen ist ein sehr unsicheres Wort.

Vulkane wie der Yellowstone-Supervulkan können Hunderttausende Jahre zwischen Eruptionen ruhen. Niemand würde auf die Idee kommen, ihn als erloschen zu bezeichnen. Warum also den Ciomadul?

Eine neue Kategorie: PAMS-Vulkane

Wissenschaftler schlagen mittlerweile vor, den Ciomadul als "PAMS-Vulkan" zu klassifizieren – ein Volcano with Potentially Active Magma Storage, also ein Vulkan mit potenziell aktivem Magmaspeicher. Diese Kategorie trägt der Tatsache Rechnung, dass unter dem Berg zwar Magma vorhanden ist, eine Eruption aber nicht unmittelbar bevorsteht.

Der Status "dormant" (ruhend) erscheint damit wissenschaftlich präziser als "erloschen". Es ist der Unterschied zwischen einem tiefen Schlaf und dem Tod.

Was bedeutet das für die Region?

Keine Panik – eine Eruption in absehbarer Zeit ist extrem unwahrscheinlich. Die Forschung dient vor allem dazu, vulkanische Systeme besser zu verstehen und langfristige Risiken einschätzen zu können. Für Besucher bleibt der Ciomadul das, was er seit Jahrtausenden ist: ein wunderschönes Naturgebiet mit mystischen Kraterseen.

Doch die Geschichte des Ciomadul erinnert uns daran, dass die Erde lebt und atmet – manchmal nur so langsam, dass wir es kaum bemerken. Was heute als erloschen gilt, könnte morgen (oder in einigen tausend Jahren) wieder erwachen.

Fazit

Der Widerspruch zwischen deutscher und englischsprachiger Literatur zum Ciomadul ist kein Zufall. Er spiegelt unterschiedliche Herangehensweisen wider: vorsichtige wissenschaftliche Präzision auf der einen, möglicherweise veraltete Gewissheiten auf der anderen Seite. Die moderne Forschung macht deutlich: Der Ciomadul schläft – aber erloschen ist er nicht.

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