11. Dezember 1974: Als ein kanadischer Starfighter bei Nürnberg abstürzte



## Ein dramatischer Wintertag über Franken

Am 11. Dezember 1974 ereignete sich über der mittelfränkischen Metropole Nürnberg ein Zwischenfall, der beispielhaft für die Gefahren des Kalten Krieges und die Risiken der damaligen Militärluftfahrt stand. Ein kanadischer F-104 Starfighter mit der Seriennummer 104715 der Canadian Armed Forces stürzte in der Nähe der Stadt ab. In letzter Sekunde konnte sich der Pilot mit dem Schleudersitz retten und blieb glücklicherweise unverletzt.

## Der Kalte Krieg und Kanadas Engagement in Europa

In den dunklen Jahren des Kalten Krieges waren die Himmel über Deutschland ein neuralgischer Punkt der Weltpolitik. Während die Supermächte USA und Sowjetunion sich in einem gefährlichen Gleichgewicht gegenüberstanden, spielten auch die Verbündeten eine entscheidende Rolle bei der Verteidigung des freien Westens. Kanada, als NATO-Gründungsmitglied von 1949, übernahm dabei eine bedeutende Verantwortung.

Die Royal Canadian Air Force (RCAF) stationierte seit den frühen 1950er Jahren Kampfflugzeuge in Europa, zunächst mit F-86 Sabre-Jägern, später mit dem umstrittenen Lockheed F-104 Starfighter. Diese schlanken, pfeilschnellen Abfangjäger sollten im Ernstfall sowjetische Bomber abfangen und die Luftüberlegenheit sicherstellen.

## Der Starfighter: Technisches Meisterwerk oder fliegender Sarg?

Der F-104 Starfighter war ein Flugzeug der Superlative und Widersprüche. Mit seiner nadelförmigen Silhouette, den winzigen Tragflächen und dem gewaltigen Triebwerk erreichte er Geschwindigkeiten von über Mach 2. Doch diese Leistung hatte ihren Preis: Das Flugzeug war extrem anspruchsvoll zu fliegen und verzeiht keine Fehler.

Die Kanadier beschafften 238 CF-104 Starfighter (die kanadische Variante) und operierten sie sowohl in Kanada als auch in Europa. In Deutschland waren die kanadischen Staffeln Teil der NATO-Luftverteidigung und flogen von verschiedenen Stützpunkten aus ihre Missionen.

## Ein Beispiel für die Starfighter-Problematik

Der Absturz bei Nürnberg war leider kein Einzelfall, sondern Teil einer tragischen Serie von Starfighter-Unfällen in den 1970er Jahren. Allein die deutsche Luftwaffe verlor 292 von 916 beschafften Maschinen, 115 deutsche Piloten starben. Auch die kanadischen Streitkräfte blieben von dieser Tragödie nicht verschont: Von den 239 beschafften CF-104 gingen 110 Maschinen bei Unfällen verloren.

Die Gründe für diese hohe Unfallrate waren vielfältig:

**Technische Herausforderungen:** Der F-104 war ein Hochleistungsflugzeug mit geringer Fehlertoleranz. Die kleinen Tragflächen machten ihn bei niedrigen Geschwindigkeiten schwer kontrollierbar.

**Missionsprofil:** Anders als ursprünglich als Abfangjäger konzipiert, wurden die Starfighter oft für Tiefflugmissionen eingesetzt, wofür sie nicht optimal geeignet waren.

**Ausbildung:** Die Umstellung von herkömmlichen Jagdflugzeugen auf den hochtechnologischen Starfighter erforderte intensive Schulung.

**Wartung:** Die komplexe Technik des Starfighters stellte hohe Anforderungen an das Bodenpersonal.

Der Dezember-Absturz von 1974 zeigt aber auch die positiven Aspekte der Sicherheitstechnik: Der Schleudersitz funktionierte einwandfrei und rettete dem Piloten das Leben.

## Die Seriennummer 104715 und ihre Geschichte

Die abgestürzte Maschine mit der Seriennummer 104715 war Teil der kanadischen CF-104 Starfighter-Flotte. Diese Flugzeuge wurden speziell für die Canadian Armed Forces modifiziert und unterschieden sich in einigen Details von den deutschen oder anderen NATO-Varianten. Die CF-104 war mit modernster Avionik ausgestattet und für die speziellen Anforderungen der kanadischen Luftwaffe angepasst.

Jedes dieser Flugzeuge repräsentierte eine Investition von mehreren Millionen Dollar und war das Ergebnis jahre­langer Entwicklungsarbeit. Der Verlust der Maschine 104715 war daher nicht nur ein menschliches Drama, sondern auch ein erheblicher materieller Schaden für die kanadischen Streitkräfte.

## Reaktion und Untersuchung

Nach dem Absturz wurde sofort eine Untersuchung eingeleitet, wie es bei allen Militärflugzeugunfällen üblich war. Die kanadischen Behörden arbeiteten dabei eng mit den deutschen Stellen zusammen, um die Unfallursache zu ermitteln und ähnliche Zwischenfälle in Zukunft zu verhindern.

Die Tatsache, dass der Pilot unverletzt blieb, war nicht nur ein persönliches Glück, sondern ermöglichte es auch, detaillierte Informationen über die letzten Minuten des Fluges zu erhalten. Diese Zeugenaussage war für die Unfalluntersuchung von unschätzbarem Wert.

## Der Absturz der CF-104 Starfighter 104715

Am frühen Nachmittag des 11. Dezember 1974 war das Wetter über Nordbayern typisch für die Jahreszeit - grau, kalt und mit niedrig hängenden Wolken. In dieser Zeit führten die kanadischen Streitkräfte regelmäßige Trainings- und Überwachungsflüge durch, um ihre Bereitschaft im Rahmen der NATO-Verpflichtungen aufrechtzuerhalten.

Was genau zum Absturz der Maschine mit der Seriennummer 104715 führte, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit rekonstruieren. Möglicherweise war es ein technisches Problem, schwierige Wetterbedingungen oder eine Kombination verschiedener Faktoren. Fakt ist, dass sich die Situation für den Piloten so kritisch entwickelte, dass er sich zur Rettung per Schleudersitz entscheiden musste.

## Ein Glück im Unglück

In einer dramatischen Wendung gelang es dem kanadischen Piloten, sich rechtzeitig aus der abstürzenden Maschine zu katapultieren. Der Schleudersitz - eine Technologie, die schon damals Leben rettete - funktionierte einwandfrei. Der Pilot landete sicher und blieb unverletzt - ein seltenes Glück bei Starfighter-Abstürzen, die aufgrund der hohen Geschwindigkeiten und der geringen Flughöhe oft tödlich endeten.

## Die Region Nürnberg im Kalten Krieg

Die Wahl Nürnbergs als Schauplatz dieses Zwischenfalls war kein Zufall. Die Region um die alte Reichsstadt war in den 1970er Jahren ein wichtiger Bestandteil der NATO-Luftverteidigung. Verschiedene Luftwaffenstützpunkte in Bayern und Franken dienten als Basen für deutsche, amerikanische und auch kanadische Einheiten. Die Nähe zur damaligen Grenze zur Tschechoslowakei und zur DDR - nur etwa 150 Kilometer östlich - machte diese Region strategisch besonders wichtig.

Nürnberg selbst war nicht nur wegen seiner geografischen Lage bedeutsam, sondern auch als Industriestandort. Die Stadt beherbergte wichtige Rüstungsbetriebe und war ein neuralgischer Punkt der westdeutschen Verteidigung.

## Nachwirkungen und Lehren

Die Starfighter-Tragödie führte zu grundlegenden Veränderungen in der Militärluftfahrt:

- Verbesserte Pilotenausbildung und längere Einweisungszeiten
- Strengere Wartungsvorschriften und bessere Qualitätskontrolle
- Überarbeitung der Missionsplänung und Flugrouten
- Entwicklung sichererer Schleudersitze und Rettungssysteme

Die kanadischen Streitkräfte zogen ihre Lehren aus der Starfighter-Ära und stellten schließlich auf das sicherere und vielseitigere CF-18 Hornet um.

## Gedenken an die Opfer

Jeder Starfighter-Absturz bedeutete nicht nur den Verlust teurer Technik, sondern vor allem menschliche Tragödien. Junge Piloten, die ihr Leben für die Verteidigung der Freiheit riskierten, bezahlten den höchsten Preis. Ihre Familien, Kameraden und die betroffenen Gemeinden trugen die Lasten dieser Verluste.

Die Erinnerung an diese Ereignisse mahnt uns, dass technischer Fortschritt immer mit menschlicher Verantwortung und Sicherheit in Einklang gebracht werden muss. Die Lehren aus der Starfighter-Ära haben die moderne Luftfahrt sicherer gemacht und retten bis heute Leben.

## Fazit: Ein Glück im Unglück

Der Absturz der kanadischen CF-104 Starfighter 104715 am 11. Dezember 1974 bei Nürnberg steht exemplarisch für die Risiken und Herausforderungen der Militärluftfahrt während des Kalten Krieges. Während der materielle Verlust schmerzhaft war, endete dieser Zwischenfall glimpflich - der Pilot überlebte unverletzt und konnte wertvolle Informationen für die Unfalluntersuchung liefern.

Dieser Vorfall erinnert uns daran, dass hinter jedem Militärflugzeug am Himmel Menschen stehen, die ihr Leben für unsere Sicherheit riskieren. Die Tatsache, dass der kanadische Pilot an jenem Dezembertag 1974 zu seiner Familie zurückkehren konnte, war ein seltenes Glück in einer Zeit, die von zu vielen Tragödien geprägt war.

Die Starfighter-Ära endete schließlich, aber sie hinterließ wichtige Lehren für die Zukunft der Militärluftfahrt. Sicherheit, gründliche Ausbildung und die richtige Balance zwischen Leistung und Beherrschbarkeit sind Prinzipien, die aus dieser schwierigen Zeit erwachsen sind und bis heute Gültigkeit haben.

*Dieser Beitrag basiert auf historischen Quellen und dokumentierten Informationen über den Starfighter-Absturz vom 11. Dezember 1974 bei Nürnberg. Die CF-104 mit der Seriennummer 104715 der Canadian Armed Forces stürzte ab, der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten und blieb unverletzt.*

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