Wenn ein Vulkan die Literaturgeschichte schreibt: Von Tambora zu Frankenstein
Manchmal verlaufen die Fäden der Geschichte auf überraschende Weise. Ein Beispiel, das die verborgenen Verbindungen zwischen Naturkatastrophen, Klima und Kultur eindrucksvoll zeigt, ist die Entstehungsgeschichte von Mary Shelleys „Frankenstein". Denn ohne einen verheerenden Vulkanausbruch auf der anderen Seite der Welt hätte eines der berühmtesten Werke der Weltliteratur vielleicht nie das Licht der Welt erblickt. Der Ausbruch, der die Welt veränderte Im April 1815 explodierte der Mount Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa mit einer Gewalt, die selbst nach heutigen Maßstäben schwer vorstellbar ist. Es war der stärkste Vulkanausbruch in der aufgezeichneten Menschheitsgeschichte. Die Eruption schleuderte etwa 160 Kubikkilometer Material in die Atmosphäre und kostete unmittelbar mehr als 70.000 Menschen das Leben. Doch die Auswirkungen sollten weit über Indonesien hinausreichen. Gigantische Mengen an Schwefelpartikeln verteilten sich in der oberen Atmosphäre rund um den ...