Wenn Sekunden entscheiden: Warum der BOS-Funk das 5G-Upgrade braucht



In meinem letzten Beitrag habe ich über meine „nie erwiderte Liebe zur Eisenbahn“ und den Wechsel von GSM-R zu FRMCS geschrieben. 

Doch es gibt einen weiteren Sektor, in dem die technologische Uhr tickt – und hier geht es nicht „nur“ um Pünktlichkeit und Wettbewerb, sondern im Zweifelsfall um Menschenleben: den BOS-Funk (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben).

Wer heute bei der Feuerwehr, dem Rettungsdienst oder der Polizei arbeitet, nutzt den Digitalfunk auf Basis des TETRA-Standards. Als dieser eingeführt wurde, war er ein Quantensprung gegenüber dem alten Analogfunk. Aber heute stehen wir vor demselben Problem wie bei der Bahn: Wir nutzen eine Schmalband-Technologie (vergleichbar mit 2G), während die Einsatzrealität längst im Breitband-Zeitalter angekommen ist.

Das Problem: Sprache allein reicht nicht mehr

TETRA ist hervorragend für die reine Sprachkommunikation und kurze Statusmeldungen. Es ist extrem ausfallsicher und gehärtet. Doch die Anforderungen moderner Lebensretter haben sich massiv verändert:

 * Video-Streaming in Echtzeit: Notärzte im Krankenhaus könnten den Sanitätern vor Ort via Bodycam über die Schulter schauen, um Anweisungen in Echtzeit zu geben. Mit der aktuellen Technik? Undenkbar.

 * Große Datenmengen: Baupläne von brennenden Gebäuden, hochauflösende Luftbilder von Drohnen oder digitale Patientenakten müssen sofort verfügbar sein. Über das aktuelle Netz dauert das Senden solcher Daten gefühlt eine Ewigkeit.

 * Vernetzte Sensorik: Atemschutzgeräte, die Vitaldaten der Feuerwehrleute direkt an die Einsatzleitung funken, brauchen eine stabile, breitbandige Verbindung.
Warum 5G für Blaulichtorganisationen alternativlos ist

Der Wechsel auf 5G-basierte Netze ist für die öffentliche Sicherheit genauso kritisch wie FRMCS für die Schiene. 5G bietet Features, die wie für den Einsatz gemacht sind:

 * Network Slicing: Man kann einen Teil des öffentlichen Netzes exklusiv für Rettungskräfte reservieren. Selbst wenn bei einem Stadtfest das Netz durch tausende Besucher überlastet ist, haben Polizei und Feuerwehr eine „eigene digitale Überholspur“, die garantiert funktioniert.

 * Minimale Latenz: In kritischen Situationen darf es keine Verzögerung geben. 5G überträgt Daten fast in Lichtgeschwindigkeit – essenziell für die Fernsteuerung von Robotern oder Drohnen bei Gefahrgutunfällen.

 * Hohe Gerätedichte: An großen Einsatzstellen müssen hunderte Funkgeräte, Sensoren und Kameras gleichzeitig funken können, ohne dass das Netz in die Knie geht.

Fazit: Sicherheit braucht Highspeed
Genau wie bei der Bahn dürfen wir den Anschluss nicht verlieren. Die Abschaltung der 2G-Netze rückt näher (geplant ab 2028), und damit schwindet die Basis für viele Altsysteme. Wir müssen jetzt die Infrastruktur schaffen, damit unsere Helden des Alltags nicht mit Werkzeugen von gestern gegen die Krisen von morgen kämpfen müssen.
Es ist Zeit für den BOS-Funk 2.0. Es ist Zeit für 5G.


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