Es ist wieder Fasching
Vorab möchte ich klarstellen: Ich freue mich für jeden, der Fasching feiert und diese Zeit genießt. Mir persönlich ist es egal – nicht aus Arroganz, sondern weil ich einfach keinen Zugang dazu finde. Aber das soll niemanden davon abhalten, sich ins närrische Treiben zu stürzen.
Als Faschingsmuffel habe ich trotzdem einige Erinnerungen gesammelt, die mir über die Jahre geblieben sind. Nicht, weil Fasching mich je wirklich begeistert hätte, sondern eher, weil bestimmte Momente einfach hängen bleiben – ob man will oder nicht.
**Die frühen 80er: Nils Holgerson und das Dreierprogramm**
In meiner Kindheit war ich einmal als Nils Holgerson verkleidet. Das war damals in den frühen 80ern gerade Mode, die Zeichentrickserie lief im Kinderprogramm eines Fernsehens, das damals auch nur drei Programme kannte. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit meiner Oma auf deren Faschingsfeiern in Schwabach beim TV 1860 dabei war. Ein anderes Mal ging ich als Cowboy, ausgestattet mit den damals üblichen Pistolen oder Revolvern mit Weco-Munition. Ja, damals gab es sowas noch. Bei jedem Schuss sind die alten Damen erschrocken – heute wäre das vermutlich undenkbar.
**Weiberfastnacht in der Ausbildung**
Einige Jahre später, während meiner Ausbildung, wurde Weiberfastnacht groß gefeiert. Damals trugen die Herren noch Krawatte, die von den Damen mit der Schere kurzerhand gekappt wurde. Eine Tradition, die ich aus sicherer Entfernung beobachtete, während um mich herum das fröhliche Chaos ausbrach.
**Der überraschende Faschingsdienstag im Zug**
Später, in meiner Abizeit in den 00er Jahren, musste ich nach Pfungstadt pendeln. Mir war nicht bewusst, dass ich an einem Faschingsdienstag unterwegs war. Damals fuhr zwischen Aschaffenburg und Darmstadt noch die DB mit der Baureihe 141 und diesen fürchterlichen Bn-Wagen. Wir hielten da irgendwo unterwegs hinter Messel, die Tür sprang auf und der Zug füllte sich plötzlich mit Leuten, die verkleidet und in bester Stimmung zustiegen. Ich saß da in meiner Alltagskleidung, umgeben von Prinzessinnen, Piraten und Clowns, und fragte mich, wie ich in diese Parallelwelt geraten war.
**Mit 47 immer noch Faschingsmuffel**
Ich hatte immer wieder mal Berührungspunkte mit der fünften Jahreszeit, aber Fasching geht selbst mit 47 noch komplett an mir vorbei. Keine Kostüme, keine Umzüge, keine Büttenreden. Und das ist okay. Nicht jeder muss in dieselbe Begeisterung verfallen. Manche Menschen tanzen eben lieber zu anderer Musik – oder gar nicht.
In diesem Sinne: Allen Jecken und Narren eine schöne Faschingszeit. Und allen Muffeln da draußen: Ihr seid nicht allein.
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