"The Flame": Ein Schlagzeugerherz brennt für Cheap Trick



Es gibt Songs, die brennen sich unauslöschlich ins Gedächtnis ein. Für mich, als ehemaliger Schlagzeuger, ist Cheap Tricks "The Flame" so ein Stück. Und lustigerweise war es das Jahr 2014, in dem dieser Power-Balladen-Klassiker dank SWR3 ein unerwartetes Comeback in meinen Playlists feierte und zu einem absoluten Ohrwurm wurde.
Wenn man an "The Flame" denkt, sind es oft die leidenschaftlichen Vocals von Robin Zander oder das ikonische Gitarrensolo, die zuerst in den Sinn kommen. Doch für uns, die wir den Rhythmus im Blut haben, ist es das oft übersehene, aber immens wichtige Fundament, das diesen Song so packend macht: das Schlagzeugspiel von Bun E. Carlos.
Carlos' Ansatz in "The Flame" ist ein Paradebeispiel für Zurückhaltung, die im richtigen Moment explodiert. Er ist nicht der Typ, der sich mit überflüssigen Fills oder technischen Spielereien in den Vordergrund drängt. Stattdessen dient sein Spiel dem Song, gibt ihm Raum zum Atmen und baut die Spannung organisch auf.
Gerade in einer Ballade wie dieser ist es die Kunst, nicht zu viel zu spielen. Carlos meistert dies mit Bravour. Der anfängliche, sanfte Puls, der sich durch die Strophen zieht, ist perfekt dosiert. Er ist da, er gibt den Takt vor, aber er drängt sich nie auf. Es ist diese subtile Präsenz, die dem Hörer erlaubt, sich ganz auf die Emotionen des Gesangs und der Melodie einzulassen.
Doch dann kommt der Refrain, und Carlos zündet seine eigene Flamme. Die Schläge werden kraftvoller, die Becken bekommen mehr Aufmerksamkeit, und der Groove wird breiter und majestätischer. Es ist, als würde er dem Song einen zusätzlichen Schub geben, ihn emporheben und ihm die epische Breite verleihen, die ihn so unvergesslich macht. Es sind diese gezielten Akzente, die zeigen, dass er genau weiß, wann er Gas geben muss, um die emotionale Wirkung des Stücks zu maximieren.
Auch die Fills, die er einstreut, sind nie zu viel. Sie sind prägnant, punktgenau und dienen immer dazu, den Übergang zum nächsten Teil des Songs zu betonen oder die Dynamik zu verstärken. Als Schlagzeuger hört man diese bewusste Entscheidung, nicht jeden Freiraum mit Noten zu füllen, und schätzt die Disziplin und das musikalische Verständnis, das dahintersteckt.
Für mich persönlich, der ich Stunden hinter dem Drumkit verbracht habe, ist "The Flame" auch eine Erinnerung daran, dass Größe oft in der Einfachheit liegt. Es ist nicht immer der schnellste oder komplizierteste Beat, der den größten Eindruck hinterlässt. Manchmal ist es die Fähigkeit, den Song zu fühlen und genau das zu liefern, was er braucht – nicht mehr und nicht weniger.
Danke, Bun E. Carlos, für diese zeitlose Performance. Und danke, SWR3, dass ihr mir 2014 diesen unvergesslichen Ohrwurm wieder ins Gedächtnis gerufen habt!
Höre dir den Song doch noch einmal ganz bewusst unter dem Aspekt des Schlagzeugspiels an – ich bin gespannt, ob du ähnliche Details entdeckst!

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