Nürnberg, du hast fertig! Warum die Breite Gasse zur Geistermeile wurde und Fürth jetzt die Krone trägt


**Eine satirische Liebeserklärung an den urbanen Niedergang**

Liebe Nürnberger, herzlichen Glückwunsch! Ihr habt es endlich geschafft. Nach jahrelangem, konsequentem Bemühen ist eure Breite Gasse nun das, was sie schon immer sein wollte: ein dystopischer Film-Set für Zombie-Apokalypsen. Kein lästiges McDonald's-Geschrei mehr, kein Starbucks-Gedränge, keine Teenager, die bei Foot Locker Sneaker anprobieren. Nur noch herrliche Leere, dekoriert mit liebevoll auf DIN-A4 ausgedruckten Abschiedsbriefen. „Bye Bye und Dankeschön" – poetischer kann man eine Geschäftsaufgabe kaum formulieren.

Während Nürnberg mit seiner „Zukunftsinitiative Innenstadt" (Ironie des Namens: weltmeisterverdächtig) bis Herbst 2027 an der Breiten Gasse herumbastelt, hat Fürth – ja, richtig gelesen, FÜRTH! – einfach mal die Krone aufgesetzt und übernommen. Die kleine Schwester, jahrzehntelang belächelt als Nürnbergs ungeliebter Anhang, feiert 2025 stolze 50 Jahre Fußgängerzone. Und das Beste: Sie funktioniert sogar!

## Der Abstieg einer Ikone

Erinnern wir uns an bessere Zeiten, als die Breite Gasse noch das pulsierende Herz der fränkischen Metropole war. Als man sich dort durch Menschenmassen kämpfen musste, als jedes Schaufenster leuchtete und lockte. Heute? Ein Spaziergang durch die Breite Gasse hat den Charme einer Friedhofsbesichtigung – nur mit weniger Besuchern.

Der City Point steht seit Jahren leer (ein Klassiker!), McDonald's hat zum Jahresende die Burger-Bratpfannen eingepackt, Foot Locker ist weggelaufen (haha!), und „Schmuckrausch" verschenkt seine Ladeneinrichtung. Nicht mal *geschenkt* will man offenbar in der Breiten Gasse sein. Selbst Starbucks, diese unverwüstliche Kaffee-Hydra, die normalerweise überall sprießt wie Unkraut, hat kapituliert. Das muss man erst mal schaffen!

## Fürths frecher Triumph

Und dann kommt Fürth daher. Fürth! Die Stadt, über die Nürnberger jahrelang Witze gerissen haben. „18.000 Quadratmeter mehr Verkaufsfläche in den letzten fünf Jahren", prahlt Oberbürgermeister Thomas Jung. „Weit überdurchschnittlicher Ladenbestand", „richtig eine tolle Einkaufsstadt". Man möchte ihm zurufen: Pssst, Thomas, nicht so laut, sonst werden die Nürnberger noch neidisch! Ach, Moment – die sind ja mit Baustellenabschnitten bis 2027 beschäftigt.

Während Nürnberg noch diskutiert, plant und initiiert (die „Zukunftsinitiative" – ein bürokratisches Wortungetüm, das Hoffnung verspricht und Bauzäune liefert), flanieren die Fürther bereits entspannt durch ihre 50 Jahre alte, funktionierende Fußgängerzone. Keine Umzugskartons, keine verwaisten H&M-Ruinen, keine DIN-A4-Zettel mit traurigen Weiterleitungen.

## Die Nürnberger Strategie: Warten auf Godot

Nürnbergs Plan ist so brillant wie ein Schachspieler, der seine Dame opfert und hofft, dass der Gegner aus Mitleid aufgibt. Bis Mai 2026 der erste Bauabschnitt, dann der zweite, dann der dritte – und 2027, wenn die komplette Neugestaltung fertig ist, werden die letzten verbliebenen Geschäfte vermutlich Schilder anbringen: „Danke für die Baustelle, wir ziehen nach Fürth."

Die Stadt verspricht vollmundig, dass „Handel, Gastronomie und alle Bürgerinnen und Bürger nachhaltig von dem positiveren Image profitieren" werden. Positiver als was? Als eine Geisterstadt mit Baustellencharme? Die Messlatte liegt bereits im Erdgeschoss des City Point – also ziemlich weit unten.

## Das große Finale

Liebe Nürnberger, vielleicht ist es Zeit für einen radikalen Gedanken: Wenn H&M, McDonald's, Starbucks und Foot Locker alle die Karolinenstraße oder den Hauptbahnhof bevorzugen – vielleicht liegt das Problem nicht bei den Ketten? Vielleicht ist die Breite Gasse einfach die Titanic des Einzelhandels, und ihr rearrangiert die Liegestühle, während Fürth bereits das Rettungsboot zu Wasser gelassen hat?

Aber hey, immerhin habt ihr noch den Lego-Store. Und wer weiß – vielleicht wird die leere Breite Gasse ja bald als Freilichtmuseum für „How to kill a shopping street" von der UNESCO ausgezeichnet. Das wäre dann wirklich ein positives Image.

Bis dahin: Herzlichen Glückwunsch, Fürth. Ihr habt gewonnen. Nicht weil ihr so großartig seid – sondern weil Nürnberg es euch so verdammt leicht gemacht hat.

*Der Autor dieser Zeilen trinkt seinen Kaffee jetzt übrigens in Fürth. Dort gibt's Kaffeeketten. Und Geschäfte. Und Menschen.*

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