Das HB-Männchen: Deutschlands legendäre Werbefigur mit dem kurzen Zündschnur
In der Geschichte der deutschen Werbung gibt es kaum eine Figur, die so prägsam und unvergesslich ist wie das HB-Männchen. Seit den 1960er Jahren verkörpert dieser kleine, rotgesichtige Charakter mit seinem charakteristischen Schnurrbart und der viel zu kurzen Zündschnur ein Stück deutscher Werbekultur, das Generationen geprägt hat.
## Die Geburt einer Legende
Das HB-Männchen entstand 1957 als Werbefigur für die Zigarettenmarke HB (Haus Bergmann). Die Kreativagentur entwickelte einen Charakter, der perfekt zur damaligen Zeit passte: ein kleiner Mann, der in alltäglichen Stresssituationen die Nerven verliert und buchstäblich explodiert – bis er eine HB-Zigarette raucht und sich wieder beruhigt.
Der Slogan "Wer sorgt für gute Stimmung? HB!" wurde zum geflügelten Wort und das charakteristische Zischen der Zündschnur zu einem der bekanntesten Werbegeräusche Deutschlands. Die Figur wurde zunächst als Zeichentrickcharakter konzipiert und später auch in Real-Spots mit Schauspielern umgesetzt.
## Mehr als nur Werbung
Das HB-Männchen war mehr als nur eine Werbefigur – es wurde zur kulturellen Ikone. Die kleinen Spots erzählten in wenigen Sekunden komplette Geschichten: Der Protagonist gerät in eine frustrierende Situation, seine Zündschnur wird immer kürzer, er explodiert vor Wut, und erst eine HB-Zigarette bringt die ersehnte Entspannung.
Diese einfache Formel funktionierte so gut, weil sie ein universelles menschliches Gefühl ansprach: die Überforderung im Alltag. Jeder konnte sich mit dem kleinen Mann identifizieren, der im Stau steht, im Büro gestresst wird oder mit der Technik kämpft.
## Zeitgeist und Wandel
Die Hochzeit des HB-Männchens lag in den 1970er und 1980er Jahren, als Zigarettenwerbung noch im Fernsehen erlaubt war. Die Spots waren handwerklich hervorragend gemacht und prägten eine ganze Generation. Sprüche wie "Ich rauche gern" oder "Eine geht noch" wurden zu Alltagsfloskeln.
Mit dem Wandel der Gesellschaft und dem wachsenden Bewusstsein für die Gefahren des Rauchens wurde auch die Werbung für das HB-Männchen problematischer. Als Zigarettenwerbung im Fernsehen 1975 verboten wurde, musste die Figur auf andere Medien ausweichen.
## Kulturelles Erbe
Heute ist das HB-Männchen ein Stück Nostalgie und Werbegeschichte zugleich. Die Figur steht für eine Zeit, in der Werbung noch anders funktionierte – direkter, einfacher, aber auch wirkungsvoller. Viele der Spots gelten heute als Klassiker der Werbekunst und werden in Kommunikationsstudiengängen als Beispiele für gelungene Markenkommunikation analysiert.
Gleichzeitig mahnt das HB-Männchen auch vor den Gefahren zu erfolgreicher Werbung für gesundheitsschädliche Produkte. Die Figur machte das Rauchen sympathisch und alltäglich – ein Aspekt, der aus heutiger Sicht kritisch betrachtet werden muss.
## Fazit
Das HB-Männchen bleibt ein faszinierendes Kapitel deutscher Werbegeschichte. Es zeigt, wie eine einfache Idee zu einem kulturellen Phänomen werden kann und wie Werbung gesellschaftliche Normen prägen kann. Auch wenn die Zeiten des rauchenden Männchens vorbei sind, bleibt es als Beispiel für kreative Werbung und als Zeitzeuge einer vergangenen Epoche unvergessen.
Die kurze Zündschnur des HB-Männchens mag erloschen sein, aber sein Platz in der deutschen Kulturgeschichte ist ihm sicher.
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