Bauwesen trifft KI: Was vom ConStructAI Hackathon der THWS hängen bleibt
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt hat mit „Bauwesen trifft KI“ zu einem Hackathon eingeladen, dessen Titel ConStructAI lautete. Ich war dabei. Vorweg die ehrliche Einordnung: Für mich als Mann des Tiefbaus und der Telekommunikationsinfrastruktur war die Veranstaltung nicht punktgenau zugeschnitten. Es ging vor allem um Hochbau. Wer Wände hochzieht, Grundrisse plant oder Statik berechnet, war hier deutlich besser bedient als jemand, der Leitungstrassen verlegt.
Trotzdem: Wichtiger als die Passgenauigkeit für mein eigenes Tagesgeschäft ist die schlichte Tatsache, dass das Thema jetzt endlich angefangen wird. Künstliche Intelligenz und Bauwesen waren bislang zwei Welten, die sich allenfalls auf Konferenzfolien berührt haben. Dass eine Hochschule das in Form eines Hackathons konkret macht, ist ein Fortschritt, den man nicht kleinreden sollte, auch wenn die erste Ausbaustufe naturgemäß bei dem ansetzt, was am sichtbarsten ist: dem Hochbau.
Für meinen Bereich, den Tiefbau und insbesondere die Telekommunikationsinfrastruktur, sehe ich trotzdem reichlich Ansatzpunkte, die früher oder später denselben Behandlungsweg nehmen werden:
Digitale Zwillinge bereits verlegter Leitungstrassen. Was im Boden liegt, ist oft schlechter dokumentiert als das, was darüber steht. Ein digitales Abbild bestehender Trassen wäre für Planung, Koordination und Schadensvermeidung ein erheblicher Schritt. Konkret denke ich dabei an eine Art HUD für Baggerfahrer, das in der Frontscheibe sowohl den geplanten Trassenverlauf als auch die bereits verlegten, bekannten Medien einblendet. Unnötige Schäden ließen sich so von vornherein vermeiden.
Funkplanung. Ebenfalls dem digitalen Zwilling zuzuordnen und beim Hackathon angesprochen: die Frage, wie man Mobilfunkmasten an möglichst effizienten Stellplätzen aufbaut, sodass die Abstrahlung einerseits so schonend wie möglich und andererseits so leistungsfähig wie nötig ausgerichtet wird.
Aufmaßerstellung. Gerade im Tiefbau, wo Vermessung und die Erstellung der Verrechnungsgrundlage unter erschwerten Bedingungen stattfindet, liegt hier viel Potenzial für Automatisierung und Fehlerreduktion.
Informationsweitergabe und -bereitstellung. Zwischen Bauherren, Netzbetreibern, Kommunen und ausführenden Firmen geht im Tiefbau nach wie vor erstaunlich viel Information verloren oder kommt zu spät an.
Entscheidungshilfen im Bauumfeld. Ob Trassenführung, Materialwahl oder Ablaufplanung – Entscheidungen werden im Tiefbau oft auf Basis von Erfahrung und Bauchgefühl getroffen. Das hat seinen Wert, schließt aber technologische Unterstützung nicht aus.
KI-unterstützte Planung neuer Trassen. Ist der Bestand erst einmal digital erfasst, lässt sich auch die Planung neuer Leitungstrassen vereinfachen, indem man sie zumindest unterstützend von KI begleiten lässt.
Für mich ist dieser Hackathon mehr als eine einzelne Veranstaltung. Ich betrachte ihn als inoffiziellen Auftakt der AI Week Würzburg. Die THWS hat vorgelegt. Dass die AI Week nachlegt, davon bin ich überzeugt.
Alles in allem habe ich an diesem Tag den richtigen Weg gesehen, auch wenn ich selbst noch nicht der Adressat der ersten Stunde war. Der Hochbau liefert Ergebnisse, die jeder sehen kann – ein Gebäude steht, oder es steht nicht. Der Tiefbau und die Telekommunikationsinfrastruktur liefern Ergebnisse, die man, mit Ausnahme der Mobilfunkmasten, schlicht nicht sieht. Trotzdem profitieren alle davon, jeden Tag, meist ohne es zu merken.
Ich bin überzeugt: Nach dem Hochbau, dessen Erfolge sichtbar und damit förderwürdig erscheinen, kommen wir an die Reihe – die mit dem, was unter der Erde liegt. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und bis dahin nehme ich gerne weiterhin an Veranstaltungen teil, die eigentlich für andere gedacht sind, aber trotzdem die richtige Richtung einschlagen.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen