Vom Schocken zum Horten: Die Geschichte eines Nürnberger Kaufhauses im Volksmund



In Nürnberg gibt es ein interessantes sprachliches Phänomen: Ein Kaufhaus wurde von den Einheimischen hartnäckig als "Schocken" bezeichnet, obwohl es längst unter dem Namen "Horten" firmierte. Diese Beständigkeit im Volksmund hat historische Wurzeln und zeigt, wie tief verankert Namen im kollektiven Gedächtnis einer Stadt sein können.

## Die Anfänge als Schocken-Kaufhaus

Das Kaufhaus wurde ursprünglich von den Gebrüdern Schocken gegründet. Simon und Salman Schocken bauten in den 1920er und frühen 1930er Jahren eine beachtliche Kaufhauskette in Deutschland auf. Das Nürnberger Kaufhaus war eines ihrer wichtigen Standorte und prägte sich mit seinem Namen tief in das Bewusstsein der Nürnberger Bevölkerung ein.

## Die Übernahme durch Horten

In der Nachkriegszeit, nach der Enteignung durch die Nationalsozialisten, wurden die Schocken-Kaufhäuser unter neuer Führung weitergeführt. Das Nürnberger Kaufhaus wurde Teil der Horten-Gruppe, einem der größten Warenhauskonzerne in Deutschland. Trotz der Umbenennung und neuer Beschilderung blieb im Volksmund jedoch der Name "Schocken" bestehen.

## Warum der alte Name überdauerte

Mehrere Faktoren trugen zur Beständigkeit des Namens bei:

1. Generationenübergreifende Gewohnheit: Ältere Nürnberger, die das Kaufhaus noch als Schocken kannten, gaben den Namen an jüngere Generationen weiter.

2. Prägnanz des Namens: "Zum Schocken gehen" war kurz und einprägsam.

3. Identifikation mit der Stadtgeschichte: Der Name repräsentierte ein Stück Alt-Nürnberg und lokale Identität.

4. Symbolische Bedeutung: Möglicherweise auch ein unbewusstes Gedenken an die jüdischen Wurzeln des Kaufhauses.

## Ein Stück Nürnberger Sprachkultur

Dieses Phänomen zeigt, wie Sprache und Namensgebung im Alltag funktionieren. Offizielle Umbenennungen setzen sich nicht automatisch durch, wenn ein Name bereits fest im täglichen Sprachgebrauch verankert ist. "Schocken" wurde zu einem Teil der Nürnberger Stadtkultur, unabhängig von den tatsächlichen Besitzverhältnissen.

Die Geschichte des "Schocken" in Nürnberg ist damit nicht nur die Geschichte eines Kaufhauses, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Sprache und kollektives Gedächtnis funktionieren und wie Tradition im Alltag gelebt wird.

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