Mehr Gelb und Grün auf der Schiene: Warum ich govolta und FlixTrain die Daumen drücke
Wer mich kennt, weiß: Ich bin ein Kind der Schiene. Aber wer in Deutschland regelmäßig mit dem Fernverkehr unterwegs ist, braucht momentan vor allem zwei Dinge: starke Nerven und eine gehörige Portion Galgenhumor. Umso mehr freue ich mich, dass sich im März 2026 mit dem Start von govolta (frisch auf der Strecke Berlin/Hamburg – Amsterdam) und dem kontinuierlichen Ausbau von FlixTrain endlich wieder echtes Leben in die Wettbewerbs-Bude kommt.
Konkurrenz belebt das Geschäft (und hoffentlich die DB)
Es ist ein offenes Geheimnis: Monopole machen träge. Wenn man keine Alternative hat, wird „Pünktlichkeit“ irgendwann zum dehnbaren Begriff und „Service“ zur netten Erinnerung an vergangene Jahrzehnte.
Genau deshalb drücke ich den „Neuen“ und den „Herausforderern“ so fest die Daumen. Nicht, weil ich die Deutsche Bahn scheitern sehen will – im Gegenteil! Ich will, dass sie besser wird. Wettbewerb ist der nötige Weckruf für die Führungsetage im Bahntower. Wenn Kunden plötzlich die Wahl haben, für 10 Euro mit govolta nach Amsterdam zu zuckeln oder mit dem FlixTrain quer durch die Republik zu sausen, muss die DB Fernverkehr endlich wieder Argumente liefern, die über „Wir fahren da halt auch“ hinausgehen.
Ein fettes DANKE an die Basis
Bevor missverstanden wird, gegen wen sich meine Kritik richtet: Nicht gegen euch da draußen!
Wenn ich von „Anstrengen“ rede, meine ich ausdrücklich nicht die Lokführer, Zugbegleiter, Instandhalter oder das Personal in den Reisezentren. Ihr seid es, die den Laden trotz maroder Infrastruktur, Ersatzteilmangel und Baustellen-Chaos überhaupt am Laufen halten. Ihr reißt euch täglich „sechs Beine aus“, um Fahrgäste trotz aller Widrigkeiten ans Ziel zu bringen.
Der Wunsch nach mehr Anstrengung geht eine Etage höher:
* In die strategische Planung, die endlich stabilere Fahrpläne braucht.
* In das Management, das den Fokus wieder auf die Kernleistung Schiene statt auf globale Logistik-Abenteuer legen muss.
* In die digitale Infrastruktur, damit die App nicht öfter abstürzt als der Pegel im Bordbistro.
Warum govolta und FlixTrain wichtig sind
* Preisdruck: Bahnfahren darf kein Luxusgut sein. Low-Cost-Optionen zwingen den Marktführer, seine Preisstruktur (Stichwort: Flexpreis-Wahnsinn) zu überdenken.
* Innovation durch Einfachheit: govolta zeigt mit seinem „No-Frills“-Konzept (Günstiges Basisticket, Extras zubuchbar), dass man auch ohne High-Tech-Schnickschnack bequem von A nach B kommt – solange der Zug einfach fährt.
* Kapazität: Wir brauchen jeden Sitzplatz. Je mehr Anbieter auf die Schiene drängen, desto eher erreichen wir die Mobilitätswende.
Mein Fazit
Ich drücke govolta und FlixTrain die Daumen, weil sie das System herausfordern. Ich wünsche mir eine DB, die diesen Handschuh aufnimmt und zeigt, dass „Premium“ mehr ist als nur ein Schriftzug auf einem verspäteten ICE.
Am Ende gewinnen wir alle: Die Fahrgäste durch mehr Auswahl und die Eisenbahner durch einen Arbeitgeber, der wieder stolz auf seine Zuverlässigkeit sein kann.
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