Die Suche nach der Liberty Bell 7: Ein verschollenes Stück Raumfahrtgeschichte



Die Liberty Bell 7 gehört zu den legendären Kapiteln der frühen amerikanischen Raumfahrt - ein Raumschiff, das nach seiner Mission auf dem Meeresgrund versank und erst Jahrzehnte später geborgen werden konnte. Ihre Geschichte ist eng verbunden mit den Mercury-Astronauten und den vielen Menschen hinter den Kulissen, die das Raumfahrtprogramm der USA möglich machten.

## Die Original Mercury Seven

Im April 1959 präsentierte die NASA der Weltöffentlichkeit sieben Piloten, die als erste Amerikaner ins All fliegen sollten: die "Mercury Seven". Diese Männer wurden zu nationalen Helden und Symbolen des amerikanischen Traums im Wettlauf gegen die Sowjetunion:

- Alan Shepard, der erste Amerikaner im All
- Gus Grissom, der Pilot der Liberty Bell 7
- John Glenn, der erste Amerikaner in der Erdumlaufbahn
- Scott Carpenter, Pilot der Aurora 7
- Wally Schirra, Kommandant der Sigma 7
- Gordon Cooper, der mit der Faith 7 den längsten Mercury-Flug absolvierte
- Deke Slayton, der aufgrund eines Herzproblems zunächst nicht fliegen durfte

Diese Männer stammten vorwiegend aus der Militärluftfahrt und wurden aus hunderten Bewerbern ausgewählt. Sie verkörperten das Ideal des amerikanischen Piloten: mutig, diszipliniert und technisch versiert.

## Der Flug der Liberty Bell 7

Am 21. Juli 1961 bestieg Virgil "Gus" Grissom die Liberty Bell 7 für den zweiten bemannten Weltraumflug der USA. Die Mission MR-4 (Mercury-Redstone 4) war ein 15-minütiger suborbitaler Flug, bei dem Grissom eine Höhe von etwa 190 Kilometern erreichte.

Der Flug selbst verlief problemlos. Doch nach der Wasserung im Atlantik geschah das Unerwartete: Die Luke der Kapsel sprengte vorzeitig ab. Wasser strömte in die Kapsel, und während Grissom sich mit letzter Kraft aus dem sinkenden Raumschiff retten konnte, versank die Liberty Bell 7 in über 5.000 Meter Tiefe im Atlantik.

## Die Männer hinter den Kulissen

Das Mercury-Programm wäre ohne zahlreiche brillante Köpfe nicht möglich gewesen. Zu den wichtigsten Persönlichkeiten gehörten:

**Günter Wendt**, der "Pad-Führer", bekannt als "der Diktator des Startplatzes". Der deutsche Einwanderer war für die letzten Vorbereitungen vor dem Start verantwortlich und schloss die Astronauten in ihre Kapseln ein. Seine Gründlichkeit und sein Verantwortungsbewusstsein machten ihn bei den Astronauten hochgeschätzt.

**Christopher Kraft** war als erster Flugdirektor der NASA der Architekt der Missionskontrolle. Er entwickelte die Verfahren und Protokolle, die bis heute die Grundlage der Raumflugkontrolle bilden. Kraft traf während der Missionen kritische Entscheidungen und bildete das Rückgrat der Bodenoperationen.

Weitere wichtige Persönlichkeiten waren:

- **Wernher von Braun**, der Raketenpionier, der die Redstone- und Saturn-Raketen entwickelte
- **Max Faget**, der Chefingenieur, der die Mercury-Kapsel entwarf
- **Robert Gilruth**, der erste Direktor des Manned Spacecraft Center (heute Johnson Space Center)
- **Gene Kranz**, Flugdirektor und später bekannt für seine Rolle bei Apollo 13
- **John Hodge**, einer der ersten Flugdirektoren
- **Walt Williams**, der Operations-Direktor des Mercury-Programms

## Die Bergung der Liberty Bell 7

37 Jahre lang ruhte die Liberty Bell 7 auf dem Meeresgrund, bis im Jahr 1999 eine Expedition unter der Leitung von Curt Newport sie entdeckte und barg. Die Bergung wurde vom Discovery Channel finanziert und dokumentiert.

Das Bergungsschiff war die **Ocean Project**, ein Forschungsschiff, das speziell für Tiefseemissionen ausgerüstet war. Die Bergungscrew bestand aus:

- **Curt Newport**, dem Expeditionsleiter, der jahrelang für diese Mission gekämpft hatte
- **Delane Smith**, dem Kapitän der Ocean Project
- **Dave Demarco**, dem ROV-Piloten (Remotely Operated Vehicle)
- **Max Ary**, einem Experten für Raumfahrtartefakte
- **Jim Lewis**, dem Projektmanager
- **Tom Steiner**, dem Tauchexperten

Nach mehreren Fehlversuchen gelang es am 20. Juli 1999, die Liberty Bell 7 zu bergen - fast auf den Tag genau 38 Jahre nach ihrem Flug. Die Kapsel wurde anschließend sorgfältig restauriert und ist heute im Kansas Cosmosphere and Space Center ausgestellt.

## Das Vermächtnis

Die Geschichte der Liberty Bell 7 ist eine Geschichte von Pioniergeist, technologischen Herausforderungen und menschlicher Ausdauer. Sie erinnert uns daran, dass der Weg ins All von Rückschlägen geprägt war, aber auch von der Entschlossenheit, diese zu überwinden.

Gus Grissom selbst setzte seine Karriere fort und wurde für das Apollo-Programm ausgewählt. Tragischerweise kam er zusammen mit Ed White und Roger Chaffee beim Apollo 1-Brand am 27. Januar 1967 ums Leben.

Die Bergung der Liberty Bell 7 schloss einen Kreis in der amerikanischen Raumfahrtgeschichte und brachte ein wichtiges Artefakt zurück, das nun kommenden Generationen von der frühen Raumfahrt erzählen kann - von den mutigen Astronauten, den brillanten Ingenieuren und all den Menschen, die das Space Race möglich machten.

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