LinkedIn: Das professionelle Netzwerk für... was eigentlich?


Liebe LinkedIn-Family! #blessed #motivated #disrupting

Heute möchte ich einen **wichtigen** Post mit euch teilen. Als ich heute Morgen um 4:30 Uhr aufstand (wie jeden Tag, denn Erfolg kennt keine Ausrede!), scrollte ich durch meinen LinkedIn-Feed und wurde Zeuge eines faszinierenden Evolutionsprozesses: LinkedIn hat sich von einer Plattform für Berufstätige zu einer bizarren Mischung aus Instagram-Wannabe-Influencern und selbsternannten Weltverbesserern entwickelt.

Da ist zum einen Sarah, Senior Visual Experience Design Happiness Manager, die täglich neue Selfies postet – natürlich immer mit perfekt platziertem Laptop im Hintergrund und dem obligatorischen Starbucks-Becher in der Hand. #RiseAndGrind #BossBabe. Wir alle wissen, Sarah, dass du eigentlich nur dein neues Business-Kostüm präsentieren willst. LinkedIn ist nicht OnlyFans für Menschen mit Arbeitsvertrag.

Und dann haben wir da noch Thomas, der seine 20-jährige Erfahrung als Junior Consultant nutzt, um uns täglich darüber zu belehren, warum die Weltpolitik seiner Meinung nach am Abgrund steht. Zwischen Projektmanagement-Updates und "Ich freue mich, verkünden zu dürfen, dass ich meinen Bleistift gespitzt habe"-Announcements teilt er seine tiefschürfenden Analysen zur geopolitischen Lage. Danke, Thomas, aber ich glaube, die UN hat deinen Connectionrequest noch nicht akzeptiert.

Besonders beeindruckend sind die "Ich bin stolz darauf, verkünden zu dürfen..."-Posts. Maria hat einen neuen Kaffeevollautomaten in ihrer Abteilung eingeweiht? 3.000 Likes. Peter hat seinen Schreibtisch aufgeräumt? 500 Kommentare à la "Congratulations! 🎉 So proud of you! 🙌 Keep crushing it! 💪"

Nicht zu vergessen sind die motivierenden Storytelling-Posts:
"Heute Morgen sah ich eine Ameise, die ein Brotkrümel trug.
Sie erinnerte mich an Leadership.
An Durchhaltevermögen.
An Innovation.
#NeverGiveUp #Leadership #AntsCEO"

Liebe LinkedIn-Community, ich verstehe ja, dass ihr alle eure Personal Brand aufbauen wollt. Aber können wir uns vielleicht darauf einigen, dass LinkedIn weder euer politisches Sprachrohr noch euer persönliches Model-Portfolio sein muss? Einige von uns versuchen hier tatsächlich, berufliche Kontakte zu knüpfen – zwischen all den Selfies, politischen Manifesten und "Ich habe gerade einen Kugelschreiber gefunden"-Erfolgsgeschichten.

Aber was weiß ich schon? Ich bin nur ein Disruption Mindset Growth Hacker mit einer Vorliebe für übertrieben lange Berufsbezeichnungen und unnötige Anglizismen.

\#ThoughtsAndPrayers #LinkedInLunacy #ProfessionallyUnprofessional #DisruptingLinkedIn #ThisIsNotInstagram

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