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Ein Flüstern im Conflent: Das Mini-Beben bei Prades und der Schatten von 1428

Wackler an der Grenze – diesmal ganz wörtlich Montagabend, 20:05 Uhr. Während in Franken die Leute den Fernseher anschalten, zuckt in den östlichen Pyrenäen kurz die Erde. Stärke 1,24, rund 21 Kilometer westlich von Prades im Département Pyrénées-Orientales, Region Okzitanien. Gemeldet hat es Volcano Discovery, die Primärdaten stammen vom französischen Erdbebendienst RéNaSS. Zwölf Stationen haben das Ereignis registriert, die Tiefe wird mit 10 Kilometern angegeben, gespürt hat es niemand. Bei so einer Meldung gibt es zwei Reaktionen. Die eine lautet: Was soll man über ein Beben schreiben, das nicht einmal die Katze bemerkt hat. Die andere lautet: Gerade deshalb. Ich habe hier vor zwei Wochen über Plaidt in der Osteifel geschrieben, mit Magnituden von 1,6 und 0,8. Die Regel gilt weiter: Ein kleines Beben ist kein Ereignis, aber es ist ein Fingerzeig. Interessant ist nicht, wie stark es war, sondern wo. Wo genau das eigentlich liegt Prades ist der Hauptort des Conflent, jener Talschaft a...

Rudern auf dem Krokodilfluss: Wie Rockhampton olympische Sicherheit neu definiert

Es gibt Entscheidungen, die man nur verstehen kann, wenn man akzeptiert, dass Sportpolitik und Risikobewertung manchmal in getrennten Räumen verhandelt werden, ohne dass jemand die Tür zwischen ihnen aufmacht. Die Wahl des Fitzroy River bei Rockhampton als Ruderstrecke für die Olympischen Spiele 2032 ist ein Lehrstück dafür. Der Fitzroy River ist, das bestreitet inzwischen niemand mehr ernsthaft, ein anerkanntes Krokodilhabitat. 2017 wurde in der Nähe von Rockhampton die Leiche eines 5,2 Meter langen Salzwasserkrokodils aus dem Fluss geborgen. Sichtungen großer Exemplare gehören zum laufenden Betrieb, nicht zur Ausnahme. Trotzdem hat die Fitzroy Rowing Club-Präsidentin Sarah Black die mediale Zuspitzung als übertrieben zurückgewiesen und auf regelmäßige Abstimmungen mit den Umweltbehörden verwiesen. Man kenne das Verhalten der Tiere, sagte sie, das sei alles risikogesteuert und werde im Sport ziemlich gut gehandhabt. Das ist eine bemerkenswerte Formulierung für ein Gewässer, in dem Ti...

Drei Runden, ein Muster: Schaeffler und der leise Abschied aus Deutschland

  Warum beim Stellenabbau in Herzogenaurach nicht nur der Vorstand am Tisch sitzt Von meiner Haustür bis zum Schaeffler-Campus in Herzogenaurach sind es ein paar Kilometer. Man fährt an Feldern vorbei, an Gewerbegebieten, und irgendwann taucht dieses Firmengelände auf, das für die Region über Jahrzehnte so etwas wie eine Lebensversicherung war. Wer bei Schaeffler unterkam, hatte es geschafft. Das hat man in Franken so gesagt, und man hat es auch so gemeint. Heute früh kam die nächste Meldung. Und ich merke, dass sie mich nicht mehr überrascht. Das ist vielleicht das eigentlich Bemerkenswerte daran. Die Zahlen Schaeffler will in Europa weitere 3460 Stellen streichen, davon 2660 in Deutschland. Vier deutsche Standorte sollen geschlossen oder aufgegeben werden: Dortmund mit 430 Beschäftigten, Morbach mit 160, Berlin mit rund 270 und Schwalbach mit 385, wobei ein Großteil der Schwalbacher nach Frankfurt wechseln soll. Betroffen sind insgesamt 16 Standorte in Europa. Für Franken h...

Alpine Divorce, dritter Akt: Diesmal ging es bergab

  Nachtrag zu „Alpine Divorce, zweiter Akt: Diesmal ging es bergauf“ Am Sonntag habe ich mich über den Hochkönig aufgeregt. Über zwei Begleiter, die einen 20-Jährigen aus dem Nürnberger Raum am Königsjodler auf 2600 Metern zurückließen und weiter Richtung Gipfel stiegen, während er den Notruf absetzte. Ich dachte, damit sei das Thema für diesen Herbst durch. Dann las ich die Sammelmeldung zum Wochenende, und es stellte sich heraus: Am selben Allerheiligentag, ein paar Bergketten weiter westlich, hatte jemand die Variante in die andere Richtung ausprobiert. Was am Stopselzieher passiert ist Ein 21-Jähriger aus Bayern und eine 17-Jährige aus Baden-Württemberg brechen am 1. November gegen halb zwei Uhr nachts in Ehrwald auf. Ziel ist der Sonnenaufgang auf der Zugspitze, Route ist der Klettersteig Stopselzieher. Auf rund 2500 Metern stecken sie im teils kniehohen Schnee fest, das Weitergehen ist zu gefährlich. Dann trennen sie sich. Er steigt ins Tal ab. Sie bleibt oben und setzt d...

Von der Farbenfabrik zum Fotokonzern: Die Geschichte von Agfa

*Ein Rückblick auf 160 Jahre Innovations- und Unternehmensgeschichte* --- ## Die Geburtsstunde einer Legende (1867) Die Geschichte von Agfa beginnt im Jahr 1867 in Berlin – damals noch im Königreich Preußen. Carl Alexander von Martius und Paul Mendelssohn-Bartholdy, der Sohn des berühmten Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy, gründeten die **Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation** – kurz: Agfa. Das Unternehmen widmete sich zunächst der Herstellung von Anilinfarbstoffen, einem damals hochmodernen Industriezweig, der auf der neu entdeckten Teerchemie basierte. Der Name „Agfa" ist ein Akronym dieser ursprünglichen Firmenbezeichnung und sollte das Unternehmen durch alle seine späteren Wandlungen hindurch begleiten. Dass aus einer Berliner Farbenfabrik einmal ein weltbekanntes Fotounternehmen werden würde, ahnte damals wohl kaum jemand. --- ## Der Weg in die Fotografie (1880er–1920er Jahre) Der entscheidende Schwenk zur Fotografie vollzog sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. 1...

Bibert gegen Zenn: Wer zuerst reserviert, steckt zuerst ein

  Der Streit um die Steckdose am Playmobil-Areal erreicht die Bürgerversammlung In meinem letzten Beitrag zu Playmobil hatte ich festgestellt, dass der wertvollste Baustein auf dem Areal in Dietenhofen am Ende die Steckdose war. Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass sich die Geschichte so schnell weiterdreht. Jetzt meldet die Fränkische Landeszeitung, dass die Zukunft des Playmobil-Geländes die Dietenhofener Bürgerversammlung beherrscht hat. Rund hundert Leute waren da, für eine Bürgerversammlung in einem Markt dieser Größe ist das ordentlich. Bürgermeister Johannes Förthner hat sich hinter die Pläne für den Rechenzentrums-Campus gestellt und bei der Gelegenheit das Vorgehen seiner Neuhöfer Amtskollegin Claudia Wust kritisiert. Was genau Förthner ihr vorwirft, steht hinter der Bezahlschranke, und ich werde hier nicht so tun, als wüsste ich es. Bekannt ist aus dem Anreißer seine Begründung für die Unterstützung: neue Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Das reicht alle...

Fujifilm: Von der Dunkelkammer zur digitalen Revolution

Wie ein japanischer Filmhersteller zum Technologiekonzern wurde – und dabei fast alles verlor, bevor er sich neu erfand. Es gibt Unternehmen, die sterben, wenn ihre Kernprodukte verschwinden. Und dann gibt es Fujifilm. Als die digitale Fotografie in den 2000er Jahren den analogen Film nahezu vollständig verdrängte, stand der japanische Konzern vor einem existenziellen Abgrund – und vollzog eine der erstaunlichsten Unternehmenstransformationen der modernen Wirtschaftsgeschichte. Doch der Weg dorthin begann fast 90 Jahre früher, in einer ganz anderen Welt. Die Geburtsstunde: Japan sucht seine eigene Filmbranche Das Jahr 1934 markiert den Beginn einer langen Geschichte. Japan importierte zu dieser Zeit seinen fotografischen Film fast ausschließlich aus dem Ausland – hauptsächlich von Kodak und der deutschen Agfa. Das war teuer, strategisch unbefriedigend und für ein Land, das industrielle Unabhängigkeit anstrebte, schlicht inakzeptabel. So wurde am 20. Januar 1934 die Fuji Photo Film Co.,...