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Die Zeitreisenden: Wie TimeGhost Geschichte lebendig macht

In einer Zeit, in der Geschichtsunterricht oft als trocken und verstaubt wahrgenommen wird, gibt es ein Team von Videoproduzenten, das Geschichte mit einer beeindruckenden Mischung aus Leidenschaft, Präzision und Innovation zum Leben erweckt. Die Rede ist von TimeGhost, dem YouTube-Kanal, der unter der Führung von Indy Neidell und Spartacus Olsson eine völlig neue Art der Geschichtsvermittlung entwickelt hat. ## Eine Vision wird Realität Die Geschichte von TimeGhost beginnt mit einer bemerkenswerten Freundschaft. Indy Neidell und Spartacus Olsson lernten sich um das Jahr 2000 in einer Bar auf Mallorca kennen – ein Zufall, der die Geschichtswelt nachhaltig prägen sollte. Ihre gemeinsame Leidenschaft für Geschichte führte sie zunächst zu "The Great War", einem bahnbrechenden YouTube-Projekt, das den Ersten Weltkrieg Woche für Woche in Echtzeit nacherzählte. Der Erfolg von "The Great War" war überwältigend, doch Neidell und Olsson hatten größere Pläne. Im Juni 2017 grü...

Radio Eriwan antwortet: Über Selbstüberschätzung, LinkedIn und HR

## Frage an Radio Eriwan: Stimmt es, dass Menschen, die sich selbst zu ernst nehmen, besonders wichtig sind? Im Prinzip ja. Allerdings muss präzisiert werden: Sie sind vor allem für sich selbst wichtig. Sehr wichtig sogar. So wichtig, dass für andere Perspektiven kaum noch Platz bleibt. Wir haben kürzlich eine Studie durchgeführt. Das Ergebnis war verblüffend: Menschen, die sich selbst zu ernst nehmen, verbringen durchschnittlich 73% ihrer Denkkapazität damit, sich vorzustellen, wie beeindruckt andere von ihnen sein müssten. Die restlichen 27% verwenden sie darauf, zu überlegen, warum die anderen es nicht sind. Besonders faszinierend: Diese Menschen erkennen Ironie nur, wenn sie selbst sie einsetzen. Wird sie gegen sie verwendet, sprechen sie von "mangelnder Professionalität". Sie haben auch eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, jede Kleinigkeit in eine existenzielle Frage zu verwandeln. Eine falsch adressierte E-Mail? Ein Angriff auf ihre Kompetenz. Ein übersehener Gruß?...

Vulkanismus der Kanarischen Inseln: Zwischen feurigen Ursprüngen und lebendiger Gegenwart

Die Kanarischen Inseln verdanken ihre Existenz einer der faszinierendsten geologischen Kräfte unseres Planeten: dem Vulkanismus. Dieser Archipel im Atlantik ist nicht nur ein beliebtes Urlaubsziel, sondern auch ein lebendiges Laboratorium für Vulkanologen und ein Zeugnis der gewaltigen Kräfte, die unsere Erde formen. ## Die geologischen Grundlagen: Ein Hotspot im Atlantik Die Kanarischen Inseln entstanden durch vulkanische Aktivität an einem sogenannten Hotspot – einem Punkt, an dem heißes Gestein aus dem Erdmantel aufsteigt und die darüberliegende Erdkruste durchbricht. Anders als die meisten Vulkane, die sich an Plattengrenzen befinden, liegt dieser Hotspot mitten unter der afrikanischen Platte. Die Entstehung der Inseln folgte einem zeitlichen Muster: Die östlichen Inseln wie Lanzarote und Fuerteventura sind mit etwa 20 Millionen Jahren die ältesten, während die westlichen Inseln wie La Palma und El Hierro erst vor wenigen Millionen Jahren entstanden. Diese Altersverteilung erklärt ...

Radio Eriwan antwortet: Warum soll der Staat sich um alles kümmern?

  Anfrage an Radio Eriwan: "Stimmt es, dass in Deutschland viele glauben, der Staat müsse sich um alles kümmern, statt dass die Bürger selbst Verantwortung übernehmen und der Staat lediglich die Rahmenbedingungen bereitstellt?" Radio Eriwan antwortet: Im Prinzip ja, aber das haben wir uns über Jahrzehnte hart erarbeitet. Die historische Perspektive Radio Eriwan erinnert sich noch gut an die alte deutsche Tradition: "Was der Bauer nicht kennt, das regelt der Staat." In Deutschland hat sich über Generationen eine wunderbare Symbiose entwickelt: Der Staat kümmert sich um alles, und die Bürger kümmern sich darum, dass der Staat sich um alles kümmert. Ein perfekter Kreislauf! Die Entwicklung eines Systems Phase 1 (1950er): Der Staat hilft beim Wiederaufbau. Die Menschen sind dankbar. Phase 2 (1960er-70er): Der Staat hilft weiter. Die Menschen gewöhnen sich daran. Phase 3 (1980er-90er): Der Staat hilft immer noch. Die Menschen erwarten es. Phase 4 (2000er)...

Der erste Seismograph von Hof: Ein Pionier der Erdbebenforschung (1909)

Im Jahr 1909 geschah etwas Außergewöhnliches in der oberfränkischen Stadt Hof: Die Bürger der Stadt investierten in ein hochmodernes wissenschaftliches Instrument, das damals zu den fortschrittlichsten seiner Art gehörte – einen Wiechert'schen Seismographen. Diese bemerkenswerte Initiative macht Hof zu einem frühen Zentrum der Erdbebenforschung in Bayern. ## Die Ausgangssituation: Bayern ohne Erdbebenüberwachung Um das Jahr 1909 befand sich Bayerns einzige seismologische Station in München-Bogenhausen, wo bereits seit 1905 ein Wiechert'scher astatischer Horizontalseismograph mit einer beeindruckenden Masse von 1200 kg seine Arbeit verrichtete. Für eine flächendeckende Überwachung seismischer Aktivitäten war dies jedoch bei weitem nicht ausreichend. Die Hofer Bürger erkannten diese Lücke und zeigten bemerkenswerte wissenschaftliche Weitsicht: Sie beschlossen, selbst die Initiative zu ergreifen und ein derartiges Erdbebenmessgerät zu erwerben. Diese bürgerschaftliche Investition ...

Radio Eriwan antwortet: Warum einfache Sprache statt Bildung?

  Anfrage an Radio Eriwan:   "Stimmt es, dass wir den Menschen lieber alles in einfacher Sprache erklären sollten, statt sie zu befähigen, komplexe Sachverhalte zu verstehen?" Radio Eriwan antwortet:  Im Prinzip ja, aber es ist kompliziert. Die kurze Antwort (in einfacher Sprache) Ja, wir machen alles einfach. So einfach, dass bald niemand mehr weiß, was "kompliziert" bedeutet. Das ist auch einfacher. Die längere Antwort (für die, die noch komplex denken können) Zunächst müssen wir klarstellen: Die Frage selbst ist bereits verdächtig komplex formuliert. Wir empfehlen eine Umformulierung in einfacher Sprache: "Warum dumm reden statt schlau machen?" Aber zur Sache: Erstens  ist es natürlich viel effizienter, sämtliche Texte, Formulare und Gebrauchsanweisungen auf das Niveau eines Erstklässlers herunterzubrechen, als das Bildungssystem zu verbessern. Ein Bildungssystem zu reformieren dauert Jahrzehnte und kostet Milliarden. Ein Text in einfacher Sprache? Drei...

Die Geschichte des Karlsgraben - Ein visionäres Projekt Karls des Großen

Der Karlsgraben, auch bekannt als Fossa Carolina, steht als eines der faszinierendsten und zugleich erfolglosesten Infrastrukturprojekte der mittelalterlichen Geschichte. Dieses ambitionierte Unterfangen Kaiser Karls des Großen aus dem Jahr 793 sollte eine künstliche Wasserstraße zwischen dem Rhein- und Donausystem schaffen und damit die Handelswege des Frankenreichs revolutionieren. ## Die Vision: Europa durch Wasser verbinden Im Jahr 793 ließ Karl der Große bei Treuchtlingen im heutigen Franken mit dem Bau eines Kanals beginnen, der die Schwäbische Rezat (ein Nebenfluss des Mains) mit der Altmühl (einem Nebenfluss der Donau) verbinden sollte. Die Idee war genial: Durch diese Verbindung hätte eine durchgehende Wasserstraße von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer entstehen können. Die strategische Bedeutung dieses Projekts kann kaum überschätzt werden. Zu einer Zeit, in der der Transport von Waren über Land mühsam und teuer war, versprach eine solche Wasserstraße enorme wirtschaftliche ...