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Wenn das Schlagzeug Pause hat, aber die Welt entsteht: Eine Hommage an „Fool’s Overture“

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Manchmal braucht es einen Meteorologen, um einem musikalisch die Augen zu öffnen. Oder in meinem Fall: Ein Plakat an der Wand von Christian Häckl im Video-Podcast mit Jörg Kachelmann. Da hing es, das Cover von „Even in the Quietest Moments…“ – der schneebedeckte Flügel in den Bergen. Ich dachte mir so um die Weihnachtszeit: „Ja mei, dann hören wir halt mal rein.“ Als alter Genesis-Jünger (und Liebhaber von Queen, Pink Floyd und Yes) bin ich epische Strukturen gewohnt. Supertramp kannte ich natürlich – wer tut das nicht? Vor allem „Dreamer“ hat mich geprägt, allerdings in der orchestralen Wucht des Vienna Symphonie Orchestra Projects, das damals die Titelmusik der Spielshow meiner Kindheit, „Ein Tag wie kein anderer“, lieferte. Aber dieses Album hier? Es ist exakt ein Jahr und drei Monate älter als ich. Und was soll ich sagen? Ich habe reingehört und es für absolut brillant befunden.  Besonders ein Werk hat mich völlig aus den Socken gehauen: Fool’s Overture. Das große Besteck der T...

Der stille Feind im Beton: Was ist Betonkrebs und wie gefährlich ist er wirklich?

Beton ist ein unglaublich robuster und vielseitiger Baustoff, der unsere moderne Welt maßgeblich prägt. Von imposanten Brücken über solide Wohnhäuser bis hin zu funktionalen Parkhäusern – Beton ist allgegenwärtig. Doch dieser scheinbar unzerstörbare Werkstoff kann von einer heimtückischen Krankheit befallen werden: dem Betonkrebs. Dieser Begriff klingt dramatisch und beschreibt tatsächlich einen ernstzunehmenden Zustand, der die Stabilität und Lebensdauer von Betonkonstruktionen erheblich gefährden kann. Aber was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff und wie gefährlich ist Betonkrebs wirklich? Mehr als nur ein Schönheitsfehler: Die Ursachen von Betonkrebs Im Gegensatz zu einem organischen Krebsgeschwür handelt es sich bei Betonkrebs um chemische Reaktionen im Inneren des Betons. Die Hauptakteure sind dabei Chloridionen und Sulfationen.  * Chloridinduzierte Korrosion: Salze, die beispielsweise durch Streusalz im Winter oder durch Meerwasser in den Beton eindringen, enthalten Chl...

China in Your Head: Mehr als nur ein Ohrwurm – Eine Hommage an kompositorische Tiefe und einprägsames Schlagzeugspiel

Manchmal stolpert man über einen Song, der sich nicht nur im Ohr festsetzt, sondern auch eine tiefe musikalische Intelligenz offenbart. "China in Your Head" von T'Pau ist genau so ein Juwel der 80er Jahre. Dieser Hit katapultierte die Band um die charismatische Carol Decker in die Charts und ist bis heute ein gern gehörter Klassiker. Doch hinter der eingängigen Melodie und Deckers kraftvoller Stimme verbirgt sich eine bemerkenswerte kompositorische Leistung, die gerade auch Schlagzeuger wie mich immer wieder aufs Neue begeistert. Was diesen Song so besonders macht, ist die Art und Weise, wie die verschiedenen Elemente ineinandergreifen. Die Synthesizer-Klänge erzeugen eine geheimnisvolle, fast orientalisch anmutende Atmosphäre, die dem Titel auf subtile Weise gerecht wird. Darüber legt sich Deckers Gesang, der sowohl Verletzlichkeit als auch Stärke transportiert. Aber lasst uns einen Moment auf das Fundament dieses Songs schauen: das Schlagzeugspiel. Als ehemaliger Schlag...

Meine Stadt im Wandel der Zeit: Ein Blick zurück und nach vorn mit meinestadt.de, nebenan.de & Bayern Funk

Ich kenne meine Stadt nun schon seit den frühen 2000er Jahren – eine Zeit, in der das Internet zwar auf dem Vormarsch war, aber lokale Informationen und der Austausch in der Nachbarschaft noch ganz anders funktionierten. Ich erinnere mich an Aushänge am Schwarzen Brett im Supermarkt, an das lokale Anzeigenblatt und natürlich an Gespräche über den Gartenzaun. Wie sehr sich das in den letzten zwei Jahrzehnten gewandelt hat! Heute, im Jahr 2025, sind digitale Plattformen wie meinestadt.de, nebenan.de und die Bayern Funk App fester Bestandteil unseres Alltags geworden, wenn es darum geht, Informationen über unsere unmittelbare Umgebung zu erhalten und mit anderen in Kontakt zu treten. Aber wie haben diese Dienste meine Beziehung zu meiner Stadt verändert und wie unterscheiden sie sich in ihren Stärken und Schwächen? meinestadt.de: Der digitale Marktplatz für lokale Informationen Schon früh entdeckte ich meinestadt.de als eine Art digitales Rathaus meiner Stadt. Hier fand ich (und finde imm...

Das Aus für Walmart in Deutschland: Eine Lehrstunde im Einzelhandel

Es schien wie eine unaufhaltsame Erfolgsgeschichte: Walmart, der Gigant des amerikanischen Einzelhandels, wagte im Jahr 1998 den Sprung über den großen Teich nach Deutschland. Mit seinem Ruf für niedrige Preise und ein riesiges Warenangebot wollte der Konzern den deutschen Markt aufmischen. Doch nur acht Jahre später, im Jahr 2006, zog sich Walmart sang- und klanglos zurück und verkaufte seine 85 Filialen an den heimischen Konkurrenten Metro. Was war geschehen? Warum scheiterte ein so erfolgreiches Unternehmen in einem vermeintlich attraktiven Markt wie Deutschland? Die Gründe für das Scheitern von Walmart in Deutschland sind vielfältig und bieten interessante Einblicke in die Besonderheiten des deutschen Einzelhandels und die Fallstricke internationaler Expansionen. 1. Preisstrategie und Wettbewerbsumfeld: Walmarts Kerngeschäft basiert auf einer aggressiven Niedrigpreisstrategie. In den USA funktionierte dieses Konzept hervorragend, doch in Deutschland sah sich der Konzern einem hart ...

Made in GDR: Die verborgene Produktion für westdeutsche Versandhäuser

Was viele Kunden von Quelle, Neckermann und anderen westdeutschen Versandhäusern nicht wussten: Zahlreiche Produkte in ihren Katalogen stammten direkt aus den Produktionshallen der DDR. Hinter dieser überraschenden Zusammenarbeit zwischen kapitalistischen Handelsunternehmen und sozialistischen Produktionsbetrieben verbirgt sich ein faszinierendes Kapitel deutsch-deutscher Wirtschaftsgeschichte - eine Verflechtung, die trotz politischer Spannungen funktionierte und für beide Seiten Vorteile bot. ## Die Anfänge: Pragmatismus überwindet Ideologie Die Kooperation zwischen westdeutschen Versandhäusern und DDR-Produktionsbetrieben begann bereits in den 1960er Jahren. Zu dieser Zeit suchten westdeutsche Händler nach kostengünstigen Produktionsstandorten, während die DDR dringend Devisen benötigte. ### Erste Kontakte und Verträge Der Beginn dieser ungewöhnlichen Handelsbeziehung ist eng mit den Namen Josef Neckermann und Horst Münzner verbunden. Münzner, Leiter des staatlichen DDR-Außenhandels...

Der Versandhandel in der DDR: Konsumkultur zwischen Mangel und Planwirtschaft

Während Quelle und Neckermann im Westen Deutschlands ihre Kataloge in Millionen Haushalte brachten, existierte auch in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) eine eigene Form des Versandhandels. Weniger bekannt, aber für die Bürger der DDR nicht minder bedeutsam, bot dieser Versandhandel einen einzigartigen Einblick in die sozialistische Konsumkultur. Der "Konsum-" bzw. "Centrum-Versandhandel" und andere staatliche Versandhäuser spielten im Alltag der DDR-Bürger eine besondere Rolle – geprägt von Planwirtschaft, Mangelerscheinungen und kreativen Lösungen. ## Die Anfänge des DDR-Versandhandels Der Versandhandel in der DDR begann in den 1950er Jahren, als der Staat erkannte, dass auch in einer sozialistischen Planwirtschaft der Bedarf an einer effizienten Verteilung von Konsumgütern bestand. Besonders in ländlichen Regionen, wo das Einzelhandelsnetz weniger dicht war, sollte der Versandhandel die Grundversorgung unterstützen. ### Die großen Namen: Centrum und Kon...